Einer ist noch übrig

Christian Karn. Mainz.
Vor knapp 14 Jahren schied der FSV Mainz 05 gegen den prominent besetzten Regionalligisten aus Unterhaching im Elfmeterschießen aus dem DFB-Pokal aus. Während der damalige Hachinger Torschütze und Kapitän Matthias Zimmermann seinen Nachfolgern keine großen Chancen einräumt, wird einer seiner damaligen Mitspieler versuchen, die Geschichte zu wiederholen. Der damals 19-jährige Fast-Debütant Maximilian Nicu ist nach einer Karriere, die ihn quer durch Deutschland und nach Rumänien führte, wieder in Haching angekommen.

Es wird am übernächsten Dienstag vierzehn Jahre her sein, dass Christian Wetklo, damals 22-jährig, sein erstes Spiel im Profifußball machte, dass Christof Babatz kurz vor seinem 28. Geburtstag das späte Freistoßtor zum Ausgleich schoss, dass Mainz 05 trotzdem bei der SpVgg Unterhaching aus dem DFB-Pokal ausschied. Es könnte eine Warnung sein für das morgige Pokalspiel, wäre noch irgendjemand dabei, der sich daran erinnert. Aber aus dem 18er-Kader ist keiner mehr übrig: Mathias Abel ist inzwischen Vorstandsmitglied beim 1. FC Kaiserslautern, Christian Hock ist Sportdirektor beim SV Wehen, Jürgen Kramny ist als Cheftrainer mit dem VfB Stuttgart abgestiegen, und als letzter noch aktiver Spieler steht der 36-jährige Wetklo bei Schalke 04 im Regionalliga-Tor.

Bei den Hachingern andererseits gibt es noch einen, der weiß, wie man Mainz 05 aus dem Pokal wirft. Maximilian Nicu, damals 19 Jahre jung, war schon ein bisschen weiter als Wetklo, hatte für den Absteiger schon fünfmal in der Regionalliga gespielt. In der 75. Minute wurde der am Chiemsee als Sohn einer rumänischstämmigen Familie geborene Mittelfeldspieler eingewechselt. Nicu kam für Olivier Djappa ins prominente Hachinger Team, das ja gerade mal 15 Monate vorher bei jenem dramatischen 3:5 im Parkstadion aus der Bundesliga abgestiegen war, mit den Verteidigern Dennis Grassow, Jan Seifert, Ralf Bucher, Oliver Straube und mit Spielmacher Matthias Zimmermann noch einige Spieler aus Erstligazeiten in der Startelf hatte, in dem auch Francisco Copado, der junge Philipp Heerwagen und erstmals in Deutschland der spätere Zweitliga-Dauerbrenner Goran Sukalo spielten.

ZVor 14 Jahren warf die SpVgg Unterhaching (hier Francisco Copado gegen Spasoje Bulajic) die 05er im fast leeren Hachinger Stadion aus dem DFB-Pokal. Morgen wird auf den Tribünen mehr los sein; die 05er werden versuchen, dem Publikum keinen Anlass zum Jubel zu geben. Foto: imagoimmermann, der per Freistoß das 1:0 geschossen und später auch im Elfmeterschießen getroffen hatte, erinnert sich heute im Interview auf der DFB-Website "nur noch dunkel an das Spiel", lässt sich aber nicht zum Übermut provozieren. Zimmermann erkennt die Suggestivfrage nach den Chancen aufs Weiterkommen der Hachinger im morgigen Spiel. "Jetzt wollen Sie hören, dass ich Unterhaching einen Sieg zutraue", sagt der damalige Hachinger Kapitän, der nach 256 Pflichtspielen für die Spielvereinigung heute in der Merchandisingabteilung von Bayern München arbeitet. "Aber ich bin realistisch. Mich würde es sehr wundern, wenn sich Mainz nicht durchsetzen würde." Zimmermann lobt die "bemerkenswerten Platzierungen", die die 05er trotz des ständigen Verlustes von Leistungsträgern erreicht hätten - ein großer Kontrast zur Hachinger Medienarbeit, die das neuerliche Weiterkommen schon auf allen Kanälen herbeischreit.

Eine Rolle könnte dabei der inzwischen 33-jährige Routinier Nicu spielen, der seit einem Jahr wieder in Haching unter Vertrag steht. Nicus Karriere verlief nach dem damaligen Pokalspiel bunt und turbulent: Der aus der eigenen Jugend aufgestiegene Mittelfeldspieler verließ seinen Klub schon nach einem Regionalliga-Jahr, wurde nach einem Intermezzo in Erfurt beim SV Wehen ein großer Regionalliga-Torjäger (16 Treffer 2004/05), erreichte aber diese Quote nie wieder auch nur annähernd, nicht beim Zweitligisten Wacker Burghausen (2005/06), nicht zurück bei den mittlerweile aufgestiegenen Wehenern (2006/07), auch nicht in der Bundesliga bei Hertha BSC, wo er 2008/09 Stammspieler, danach nur noch Ersatzmann und bald Abgang war. Über den SC Freiburg, den TSV München 1860, Universitatea Cluj und ab 2014 die SV Elversberg kam Nicu im vergangenen August zurück zu den Hachingern.

Beim Tabellenführer der Regionalliga Bayern, der sich ein Jahr nach seinem Abstieg schon früh Aufstiegskandidat platziert, spielt der Routinier an der Seite weiterer gar nicht unerfahrener Profis. Im Tor steht ein A-Nationalspieler, der als 17-Jähriger vom SV Wehen nach Deutschland geholte Neuseeländer Stefan Marinovic. In der Abwehr fehlt Haching die Routine: Die Viererkette, die vor einer Woche den FC Augsburg II 3:1 schlug, war im Schnitt schon 24 Jahre alt, dennoch addiert sich die Karriere von Maximilian Bauer, Alexander Winkler, Josef Welzmüller und Max Dombrowka auf gerade mal 48 Drittligaspiele. Im Mittelfeld, wo Nicu kein Stammspieler mehr ist, dürfte neben Alexander Piller die drittliga-erfahrenen Ulrich Taffertshofer und Thomas Steinherr auflaufen, außerdem Neuzugang Dominik Stahl, der heute 28 Jahre alt wird, für den TSV München 1860 123 Mal in der 2. Bundesliga gespielt hat und beim Pokalsieg der 60er in Mainz nicht im Kader war. Und wenn auch die Torjägerliste der Regionalliga noch von den Augsburgern dominiert wird, die den überforderten Aufsteiger SV Seligenporten 12:0 abgeschossen haben, dürfte Haching mit dem Neuzugang Stephan Hain (24 Erstligaspiele für den FC Augsburg, 76 Zweitligaspiele für Augsburg und 1860, jetzt vier Saisontore in vier Einsätzen für den neuen Klub) und mit dem kleinen Flitzer Sascha Bigalke, der 2013 in Köln als das nächste große Talent angekündigt wurde, sich aber nach einem Kreuzbandriss nicht durchsetzte (6 Einsätze, 3 Tore) einen Angriff weit über Regionalliganiveau aufstellen können.

Die Mainzer dagegen haben neben dem Ex-Hachinger Alexander Hack (29 Drittligaspiele für die SpVgg) Spieler wie Stefan Bell, wie die EM-Teilnehmer Yunus Malli und Fabian Frei, wie Yoshinori Muto und Jhon Córdoba. Und damit als Erstligist und Europa-League-Teilnehmer einen klaren Auftrag: die Sache besser zu machen als ihre Vorgänger vor 14 Jahren und das Spiel einfach zu gewinnen.

 

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