Elfter, was sonst?

Christian Karn. Mainz.
Seit kurzem ist sie vorbei, die zehnte Saison des FSV Mainz 05 in der Bundesliga. Es waren zehn mal mehr mal weniger turbulente, oft spannende, häufiger euphorisierende als deprimierende Spielzeiten, die häufiger in den Europapokal als in die 2. Bundesliga führten, in denen die 05er einen Rekord einstellten und wieder verloren, in denen sie ein neues Stadion bekamen, neue Helden begrüßen durften und alte verabschieden mussten. Zehn Jahre, deren verschiedene Aspekte die nullfünfMixedZone aufbereitet hat und in diesen Tagen in einer Serie vorstellen wird. Heute sehen wir uns endlich die Tabelle an.

Schwarz: Aktuelle Bundesligisten. Grau: Ehemalige Bundesligisten. Rot: Die 05er.Die ewige Tabelle der Bundesliga wird im Sommer schon wieder wachsen: Als 55. Erstligist seit Ligagründung 1963 wird der Aufsteiger aus Leipzig dazu kommen. Auf dem letzten Platz, noch Platz 54, steht weiterhin und wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit Tasmania Berlin, davor ein einstiger Aufsteiger aus Leipzig, davor Blau-Weiß 90 Berlin, als letzte neuzeitliche Mannschaft auf Platz 51 (und wahrscheinlich bald 52) die SpVgg Greuther Fürth. Mainz 05 ist inzwischen auf den 26. Platz geklettert, hat den Vorsprung auf den Tabellennachbarn TSG Hoffenheim (der freilich zwei Bundesligajahre weniger hinter sich hat) auf 107 Punkte ausgebaut, schon eine mittelmäßige Saison würde ausreichen, um den 35-Punkte-Rückstand auf den Fünfundzwanzigsten aufzuholen. Denn Hansa Rostock wird sich vorerst nicht wehren können. Ebensowenig der Vier- und der Dreiundzwanzigste, Bayer/KFC Uerdingen und Arminia Bielefeld, an deren Vorsprung die 05er aber noch lange zu knabbern haben werden - drei Jahre dürften zu wenig sein, um die Arminia zu schnappen.

Daran krankt so etwas wie die ewige Tabelle. Die Top 12 ist weitgehend beisammen, da fehlen nur der VfB Stuttgart und der 1. FC Kaiserslautern. Dahinter aber tauchen heutige Dritt- und Tieferligisten auf, der MSV Duisburg als Fünfzehnter, Uerdingen und Rostock, der Waldhof und der OFC...

Wer wiederum Christian Heidel in den vergangenen Jahren hin und wieder zugehört hat, kennt seine Tuchel-Tabelle. Die war ein Lieblingsthema des damaligen 05-Managers und nichts anderes als die Addition aller Bundesligatabellen ab Sommer 2009. Ihre Aussage: In Thomas Tuchels Trainerzeit war der FSV Mainz 05 ein Spitzenverein der Bundesliga. Ihre 239 Punkte in jenen fünf Jahren übertrafen nur wenige der üblichen Verdächtigen: Bayern (389), Leverkusen (307), Dortmund (293), Schalke (288). Gladbach (237) und Wolfsburg (235) standen knapp hinter den 05ern, alle anderen waren weit entfernt.

Und heute? Manch einer auf den Tribünen der Coface Arena bildet sich etwas auf die dreizehnte Südwestmeisterschaft in Folge ein: 2003/04 spielte der 1. FC Kaiserslautern noch eine Liga höher als die 05er; weitere Bundesligisten aus dem Rheinland-Pfalz gab es damals, vorher und auch seither nie und die diversen saarländischen Erstligisten hat man seit Jahrzehnten nicht mehr ganz oben gesehen. 2004 aber stiegen die 05er auf und wurden auf Anhieb Elfter, mit einem Punkt Vorsprung auf den FCK. Und landete nie wieder hinter dem alten Rivalen. Wurde der Siebter, wurden die 05er Fünfter, stieg der FCK ab, blieben die 05er oben. Auch in den beiden gemeinsamen Zweitligajahren 2007-09 waren die 05er die Nummer 1 in der Region.

Und insgesamt? Die nullfünfMixedZone hat nicht einfach nur die zehn Bundesligatabellen mit Mainz 05 zusammengezählt, sondern alle zwölf seit jenem ersten Aufstieg. Einige Teams haben demnach 68 Mal öfter gespielt, 68 Mal öfter die Chance auf Punkte bekommen, oft genutzt, oft genug ausgelassen. Der Fußballgott weiß natürlich, was sich gehört - selbstverständlich steht der FSV Mainz 05 im 33er-Feld der Zehn-plus-zwei-Jahre-Tabelle auf dem elften Platz, wo auch sonst?

Und damit: Im oberen Tabellendrittel. Najaaa, mag da manch einer einwenden, das mittlere und untere Drittel hat aber auch viel seltener gespielt. Das muss man doch berücksichtigen! Klar. Kann man machen. 444 Punkte in 340 Spielen ergeben 1,31 Punkte pro Spiel (womit wir sogar langfristig sehr nahe an Martin Schmidts Faustregel "immer vier Punkte aus drei Spielen" wären, die ausreichen sollten, um einen bequemen Mittelfeldplatz zu bekommen). Das ist tatsächlich nicht die elftbeste Quote der letzten zwölf Saisons. Es ist die zehntbeste.

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