Entwicklung nur mit Konkurrenz möglich

Jörg Schneider. Marbella.
Der Trainer des FSV Mainz 05 hat mit seiner Maßnahme, André Ramalho im Testspiel gegen Feyenoord Rotterdam (0:2) als Innenverteidiger aufzustellen, den Konkurrenzdruck im Abwehrzentrum des Bundesligisten stark befeuert. Ob dieser Positionswechsel eine echte Option für die Rückrunde ist oder ob der Brasilianer sich weiterhin auf der Doppelsechs durchbeißen muss, wird der weitere Verlauf der Vorbereitung zeigen. Für den 24-Jährigen selbst war die Umstellung keine Überraschung. „Ich habe schon oft hinten gespielt und weiß da auch, was ich machen muss. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, ich habe öfter als Innenverteidiger gespielt als auf der Sechs“, verriet Ramalho im Trainingslager in Marbella.

Sein Trainer hat ihn in der Arbeitswoche in Andalusien als Innenverteidiger ins Spiel gebracht und damit den Konkurrenzkampf im Abwehrzentrum des FSV Mainz 05 erhöht. Die Leistung, die André Ramalho beim 0:2 gegen Feyenoord Rotterdam in San Pedro Alcántara zeigte, hat Martin Schmidt Recht gegeben. Der Brasilianer hielt mit einer konzentrierten Vorstellung bis zu seinem Ausscheiden in der Halbzeit nach einem schmerzhaften Pferdekuss gegen den Oberschenkel den Laden zusammen, sorgte zusammen mit Stefan Bell dafür, dass der holländische Spitzenreiter bis dahin kaum zu Chancen kam und erhöhte folglich den Druck auf die Abwehrkollegen.

Fröhlich und symphatisch im lockeren Talk mit den Medienleuten auf der Terrasse des Mannschaftshotel der 05er in Marbella: André Ramalho - Sechser oder Innenverteidiger? Foto: Jörg SchneiderDer Konkurrenzkampf im Kader des Bundesligisten, das war in diesen Tagen von Marbella deutlich zu spüren, ist größer geworden. Ob in der Defensive, im Mittelfeld oder vorne, die Karten für die Rückrunde werden neu gemischt. Ob sie dann auch künftig anders verteilt werden, muss man sehen im Laufe dieser Winter-Vorbereitung. Für Ramalho war die Rolle jedenfalls nichts Ungewöhnliches. Nichts, was er neu hätte lernen müssen. „Ich habe schon oft hinten gespielt und weiß da auch, was ich machen muss“, sagte der 24-Jährige anschließend im Mediengespräch. „Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, ich habe öfter als Innenverteidiger gespielt als auf der Sechs. Deshalb war das keine Überraschung für mich. Als ich nach Mainz kam, stand das sowieso im Raum. Der Trainer hat mir gesagt, er plant mit mir als Sechser, aber er hatte mich auch im Abwehr-Zentrum im Plan.“

Ramalho kam im Sommer aus Leverkusen zum Bruchweg. Bei Bayer 04 spielte der Zweikämpfer, der auch fußballerisch gut unterwegs ist, häufig im Abwehrzentrum. Obwohl ihm, wie er sagt, die Position im zentralen Mittelfeld grundsätzlich besser gefällt. Weil sie vom Anforderungsprofil her kompletter ist. Das Spiel dort sei zwar anstrengender, weil man viel mehr laufen müsse, aber es mache mehr Spaß dort zu spielen, weil man neben der Laufleistung auch fußballerische Impulse setzen könne. Der Neuzugang, der kurz nach seinem Wechsel nach Mainz in einem Testspiel gegen den SV Sandhausen eine Verletzung davon trug und etliche Zeit pausieren musste, fand sich ganz gut zurecht in der 05-Zentrale. Ramalho überzeugte im Zweikampfverhalten und seinem Raumverständnis, leistete sich allerdings auch immer wieder diverse Flüchtigkeitsfehler.

Ein Manko, dass es jetzt in der Vorbereitung und im Laufe der Rückrunde abzustellen gelte. Genauso wie die immer wieder kehrenden Abwehrfehler, die diese Flut von Gegentoren ermöglichten, die das 05-Team in der ersten Saisonhälfte kassierte. „Wir haben definitiv zu viele Gegentore bekommen. Diese Quote macht keine Spaß“, sagt der Brasilianer, der sich im Gespräch als fröhlich-sympathischer Plauderer erweist. „Es wäre zu einfach zu sagen, das Problem liegt einzig bei den Verteidigern. Das Ganze ist komplizierter als man denkt. Es gab natürlich immer individuelle Fehler. Doch auch das ganze Defensivverhalten der Mannschaft war häufig so, dass es zu viele Räume gab, wir nicht so kompakt waren, dem Gegner immer Lücken gegeben haben. Und am Ende heißt es dann, die Innenverteidiger, die nachher eins gegen eins stehen, haben die Probleme.“ Er habe nun bereits im Trainingslager klare Anzeichen für eine Besserung gesehen.

„Wir haben jetzt viel mehr Zeit zu trainieren als in den Wochen mit der Europapokal-Belastung. Da konnten wir etliche der Probleme nicht lösen, weil es keine Zeit gab, in der wir das zusammen trainieren konnten. Jetzt arbeiten wir gezielt daran. Das hilft der Mannschaft. Ich bin sicher, dass wir da in den kommenden Wochen besser werden.“ Auch von sich selbst erwartet Ramalho eine Steigerung seiner Gesamtperformance. „Der Start für mich in Mainz war schwer“, sagt der 05-Profi. Verletzt im Testspiel, dann mehrere Wochen raus und erst mal weg davon, sich einen Stammplatz zu erobern. „Davor war ich 2012 zum letzten Mal verletzt. Ich kannte das Gefühl gar nicht mehr. Du willst schnell reinkommen in die Mannschaft, aber wenn du direkt verletzt bist, dauert es etwas, bis du integriert bist. Jetzt gucke ich nach vorne und bin voll drin im Kader.“ Im internen Ranking hat sich der Brasilianer nach vorne geschoben. Nicht zuletzt wegen seiner Vielseitigkeit im Defensivspiel. „Ich hoffe, dass ich zum Kreis gehöre. Ich denke, dass die Spiele, die ich gemacht habe, in Ordnung waren, ich eine gute  Leistung gebracht habe nach zwei Monaten Verletzung. Es kann natürlich immer besser sein. Ich hatte aber selbst das Gefühl, dass ich zuletzt etwas mehr Stabilität gehabt habe, vielleicht außer in dem Spiel in Frankfurt. In den Spielen wie gegen Qäbälä oder gegen Hamburg haben wir gewonnen und der Gegner hatte so gut wie keine Chance. Da war das ganz in Ordnung. Vielleicht habe ich ja etwas dazu beigetragen.“

Fairer Kampf um die Positionen

Dass der interne Konkurrenzkampf groß ist, sieht der Mittelfeldspieler als normal und wichtig an. „Die Mannschaft muss aber immer eine Basis haben personell mit Spielern, die fast immer spielen. Insbesondere die Defensive, da muss es gut zusammen passen. Jeder Spieler muss seine Leistung bringen im Training und im Spiel. Dann liegt es am Trainer, der entscheidet. Wenn man sich ärgert, dass man nicht spielt, dann kann man mit dem Trainer böse sein, weil der einen nicht aufstellt, aber nicht mit dem Konkurrenten um die Position im Team. Ich sehe schon, dass es hier in der Beziehung sehr fair zugeht. Nicht, dass der Konkurrenzkampf so aussieht, dass man den Gegenspieler im Training versucht zu foulen und zu treten, um sich Platz zu verschaffen. Bei uns ist es gut so, wie es ist und das kann der Mannschaft nur gut tun. Jeder Einzelne kann sich nur entwickeln, wenn es starke Konkurrenz gibt.“

Ramalho hat sich ebenso wie seine Kollegen im Team viel vorgenommen für die zweite Saisonhälfte. „Ich hoffe, dass es weiter nach oben geht. Wir können uns jetzt die ganze Woche auf einen Gegner vorbereiten, was in der Vorrunde nicht ging, weil wir so häufig zwei Spiel in einer Woche hatten, viel unterwegs waren, dann regenerieren mussten und nicht so gezielt auf das nächste Spiel hinarbeiten, Fehler zu korrigieren konnten und solche Dinge. Jetzt können wir konstanter werden. Ich denke schon, dass wir eine gute Rückrunde spielen“, sagt der 24-Jährige.

André Ramalho ist mit seiner ausgeschlossenen Art im Mainzer Kader offenbar gut integriert. Nicht zuletzt deshalb, weil der Südamerikaner inzwischen gut und fließend Deutsch spricht. „Ich habe anderthalb Jahre gebraucht, um Deutsch zu lernen. Ich habe mir gesagt, du kannst das nur lernen, wenn du auch den Mund aufmachst“, erzählte der Profi in Marbella. „Für mich ist die Sprache sehr wichtig. Ich bin ein Typ, der gern redet, Spaß macht und sich unterhält. Wenn ich nicht Deutsche rede, dann klappt das nicht. In der Kabine sitzen, nichts sagen, trainieren, nach Hause gehen und dort dann mit der Familie portugiesisch reden, das kann’s alleine nicht sein. Das ist mir zu wenig. Ich habe gemerkt, wenn ich Deutsch spreche, kriege ich mehr Respekt zurück. Als Fußballer hat man die Chance, kulturelle Erfahrungen zu machen in einem anderen Land. Ich finde, es ist wichtig, dass man diese Chance nutzt und das Ganze genießt. Denn diese Chance hat nicht jeder. Diese Erfahrung, nicht nur im fußballerischen Bereich, werde ich mein Leben lang behalten.“

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