Erarbeitetes Glück für die Null

Jörg Schneider. Wolfsburg.
Sie können also auch zu Null: Mit etwas Glück, viel leidenschaftlicher Verteidigungsarbeit, guter Moral und einem insgesamt sehr stabil wirkenden Auftritt gelang dem FSV Mainz 05 ein 0:0 vor 25.876 Zuschauern beim VfL Wolfsburg. Das Team von Martin Schmidt verabschiedete sich nach den drei Englischen Wochen mit sieben Spielen und nunmehr acht Bundesligapunkten zufrieden in die Länderspielpause. Die 05er empfanden das Unentschieden als klaren Erfolg. „Das ist ein wichtiges Erfolgserlebnis für den ganzen Defensivbereich inklusive Torhüter“, sagte Rouven Schröder nachher. „Wir können insgesamt eine gute Zwischenbilanz ziehen. Das war bisher ein sehr ordentlicher Start.“ Die Stimmen zum Spiel.

Als Julian Draxler in der 68. Minute alleine davonzog war der starke Jonas Lössl im direkten Duell machtlos, zum Glück für die 05er war aber Giulio Donati auf genau dem richtigen Laufweg und kratzte den Schuss des Nationalspielers noch von der Linie. Foto: ImagoDas Publikum in der VW Arena quittierte die neuerliche sieglose Vorstellung des VfL Wolfsburg mit einem gellenden Pfeifkonzert. Beim FSV Mainz 05 gab’s dagegen viele zufriedene Gesichter. Rouven Schröder, der Sportdirektor, nahm sich nach dem 0:0 an diesem sechsten Bundesligaspieltag beim favorisierten Werksklub die meisten seiner Spieler einzeln vor, fand für jeden ein Wort des Lobes. Diese erste Partie in dieser Saison inklusive Pokal, Europaliga und Ligabetrieb ohne ein Gegentor hat der allgemeinen Stimmung nach diesen anstrengenden drei Englischen Wochen mit sieben Spielen in 21 Tagen extrem gut getan. Acht Punkte in der Bundesliga, vier in der Europa-Gruppe C. Das sieht ganz gut aus bei den 05ern. „Das war aber auch wirklich einmal extrem wichtig, dass wir zu Null gespielt haben“, sagte Schröder. „Nach den vergangenen Spielen mit den vermeidbaren Gegentoren und einer gewissen Unruhe um unsere Abwehr und unseren Torhüter war das heute ein wichtiges Erfolgserlebnis für die ganze Defensive. Sowohl für Jonas Lössl, der uns im Spiel gehalten hat, als auch für die souveränen Innenverteidiger und die ganze Abwehr, die einige gute Safes hatte. Wir haben alles in allem sehr strukturiert und konzentriert gespielt gegen den Ball. Wir hatten natürlich auch Glück, aber auch immer wieder einige Umschalter. Wenn wir die etwas konzentrierter spielen, wenn der Yunus Malli das Ding vor der Pause rein macht und wir in Führung gehen, hätten wir vielleicht eine große Möglichkeit hier gehabt. Das 0:0 ist aber ein gutes Ergebnis“, sagte der 40-Jährige. „Unsere Zwischenbilanz ist wirklich okay. Acht Punkte aus sechs Spielen in der Liga sind ein ordentlicher Start. Wir hatten einige Höhen, haben aber auch einige Tiefen gut überstanden.“

Der 05-Chef zitierte in Wolfsburg seinen Trainer. „Erarbeitetes Glück“, sagte Harald Strutz. „Das war eine Energieleistung der Mannschaft, vor der ich den Hut ziehe und sehr zufrieden bin. Wir hatten das Glück, das man braucht, um einen Punkt mitzunehmen. Das war ein Erfolg heute. Ich bin richtig happy. Jonas Lössl hat uns den Sieg festgehalten genau wie Giulio Donati mit seiner Rettungstat.“

[ads.2 limit:1]Martin Schmidt hatte es im Gefühl gehabt, dass in Wolfsburg ein zu Null möglich sein könnte. Seine Profis setzten die Strategie im Auswärtsspiel konsequent und konzentriert um. Diesmal gab es so gut wie keine gravierenden individuellen Fehler im Abwehrbereich. Und wenn, bügelten die 05-Defensivleute selbst alles wieder aus. „Das war eine Willensleistung, eine Mentalleistung nach diesem harten Block der vergangenen Wochen. Das war nicht so schön und nicht so offensiv wie zuletzt und um zu gewinnen, war es offensiv auch ganz klar zu wenig, trotzdem sind wir etliche Male in die Umschaltaktionen gekommen“, sagte der 05-Trainer, doch möglicherweise habe da fürs ganz große Tempo, die Passgenauigkeit und fürs Durchsetzungsvermögen etwas die Kraft gefehlt. Auch, weil sich alle Angreifer 90 Minute lang intensiv in der Defensivorganisation quälen mussten. „Wir haben für dieses zu Null sämtliches Glück gebraucht, aber wir haben dieses Glück erkämpft und erlaufen. Irgendwo war der Punktgewinn dann verdient, obwohl der Gegner überlegen war. Unser Wille ist belohnt worden.“

Dieter Hecking wollte seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. So etwas gebe es halt, dass die erarbeiteten Chancen nicht genutzt würden. „Wir müssen uns das irgendwie erzwingen, dass der Ball wieder den Weg ins Tor findet“, sagte der VfL-Trainer. „Wir haben die drittmeisten Chancen in der Liga herausgespielt, aber der Ertrag ist einfach zu wenig. Das Ergebnis ist nicht das, was wir uns vorstellen.“ Die Mannschaft habe dennoch eine Reaktion auf die Pleite in Bremen gezeigt. „In den ersten 35 Minuten war das sehr gut. Wir haben den Gegner früh ins Pressing bekommen, hatten Balleroberungen, Tormöglichkeiten. Damit war ich einverstanden. Wir haben uns nur nicht belohnt. Und das ist das große Manko.“

► Alle Artikel zum Spiel beim VfL Wolfsburg

► Zur Startseite