Ersatztorwart und Heimschiedsrichter

Christian Karn. Mainz.
Stefanos Kapino, Dauer-Reservist beim FSV Mainz 05 und in der griechischen Nationalmannschaft, stand am Dienstagabend erstmals seit seinem Wechsel nach Deutschland im vergangenen Sommer im Tor der Griechen. Beim Testspiel zweier B-Mannschaften in Polen war zu sehen, dass dem 21-Jährigen die Spielpraxis fehlt, aber das 0:0 verdanken die unterlegenen Griechen auch ihrem Torhüter.

Stefanos Kapino hat es wahrlich nicht ganz leicht. In der Saison 2013/14 war der inzwischen 21-Jährige noch Stammtorwart beim griechischen Tabellenvierten Panathinaikos Athen. Seit seinem Wechsel zum FSV Mainz 05 vor einem Jahr spielte der griechische Keeper nur noch acht Partien: Rund 150 Minuten in der Bundesliga, sechs Testspiele. Im Verein wie in seiner Nationalmannschaft sitzt Kapino in der Regel nur auf der Bank.

Die vollendete Spielpraxis fehlt Stefanos Kapino (rechts), aber das 0:0 im Test gegen Polen verdanken die Griechen auch ihm. Foto: imagoAm Dienstagabend gab der griechische Trainer Sergio Markarián seiner Nummer 3 die Chance, in seinem dritten Länderspiel die etablierten Torhüter Orestis Karnezis (Udinese Calcio, bei Panathinaikos einst Kapinos Vorgänger) und Panagiotis Glykos (PAOK Saloniki, diesmal nicht nominiert) unter Druck zu setzen. Beim Testspiel zweier B-Mannschaften in Danzig war zu erkennen, dass Kapino die Spielpraxis fehlt. Dass es gegen die überlegenen Polen zu einem 0:0 reichte, ist aber auch dem Mainzer zu verdanken.

Die Griechen waren nur in den ersten Minuten die bessere Mannschaft. Nach einer Viertelstunde übernahm Polen die Kontrolle. Die erste kleine Chance für Kamil Grosicki (Stade Rennes, 15.) war noch keine Herausforderung für den Mainzer Torwart. Als sich die Polen in der 25. Minute mit einem erweiterten Doppelpass von Dortmunds Jakub Blaszczykowski über zwei Stationen zurück zu "Kuba" in den Strafraum kombinierten, hielt Kapino etwas unkonventionell den durchaus anspruchsvolleren Abschluss und etwas später auch den Nachschuss, der allerdings aus größerer Distanz und ohne Wucht auf seine Brust geflogen kam.

Hätte Kapino zwei Minuten später bei der Flanke auf den polnisch-brasilianischen Verteidiger Thiago Cionek aus dem Tor kommen sollen? Vielleicht schon. Er wäre allerdings in einen dicken Spielerpulk gerannt und was dem Mainzer Ersatztorwart möglicherweise an Mut fehlte, machte das Glück für ihn wett: Der Kopfball des Verteidigers vom Modena FC missriet völlig.

Kurz darauf gab es den ersten Wechsel: Der ein paar Minuten zuvor schon am Quadrizeps behandelte Schiedsrichter Alain Bieri musste aufgeben. Der polnische EM-Schiedsrichter Marcin Borski übernahm und konnte sich bald auf seine Assistenten verlassen: Beim Kopfball des Ajax-Stürmers Arkadiusz Milik hatte Kapino überhaupt keine Chance; der Ball sprang von der Latte auf die Torlinie und wieder an die Latte, dann wischte ihn der Torwart gut zur Seite weg. Weiterhin 0:0.

Das ohnehin schon schwache Spiel wurde in der zweiten Hälfte noch belangloser. Erst nach Kapinos Auswechslung in der Nachspielzeit wurde es ein letztes Mal aufregend: Markos Vellidis, der Nachfolger des Mainzers, warf sich bei seinem wenige Sekunden langen Nationalmannschaftsdebüt tatsächlich in eine Spielertraube, boxte den Ball dadurch nur unkontrolliert und nicht weit weg. Mit zwei halben Fallrückziehern brachten die Polen die Kugel aus spitzem Winkel nochmal aufs Tor, aber Vellidis war schon wieder im kurzen Eck und riss die Hände rechtzeitig hoch, um Grosickis Schuss abzuwehren.

Nach dem 0:0 haben nun alle Mainzer Nationalspieler frei, bis auf Yunus Malli und Johannes Geis, für die heute die U21-EM beginnt, Gonzalo Jara, der mit Chile die Copa América bestreitet und in der Nacht auf Samstag gegen Bolivien um den Gruppensieg spielt, sowie Junior Diaz, der sich mit Costa Rica auf den Gold Cup, die nord- und mittelamerikanische Kontinentalmeisterschaft vorbereitet.

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