Ersetzt der Kapitän seinen Vize?

Jörg Schneider. Mainz.
Niko Bungert, der Kapitän des FSV Mainz 05 wird aller Voraussicht nach am Sonntag im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 die Position seines gesperrten Vizes Stefan Bell als Innenverteidiger übernehmen. Nach der schwachen Vorstellung in Darmstadt deutet vieles darauf hin, dass der 05-Trainer gegen den spielstarken Europaliga-Viertelfinalisten weitere Veränderungen der Startelf vornimmt. Im Moment hoffen die Mainzer noch darauf, dass der zuletzt angeschlagen fehlende Gaetan Bussmann rechtzeitig fit wird. Ansonsten kann Martin Schmidt aus dem Vollen schöpfen.

Dass sich gleich zwei Innenverteidiger des FSV Mainz 05 am vergangenen Spieltag eine Sperre einhandelten, ist ein ungewöhnlicher Umstand, den der Klub schweren Herzens akzeptieren muss. Stefan Bell sah bei dieser enttäuschenden 1:2-Pleite in Darmstadt kurz vor Schluss die Gelb-rote Karte und muss am Sonntag, im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 zuschauen. Alexander Hack hätte unter Umständen in die Verlosung als Ersatzmann kommen können, doch der Innenverteidiger holte sich nach der Niederlage im Drittligaspiel der Mainzer U23 gegen Weder Bremen II nach dem Abpfiff noch eine Rote Karte wegen Schiedsrichter-Beleidigung ab. Eine Aktion, die dem 23-Jährigen eine Sperre für drei Meisterschaftsspiele seines Klubs und eine Menge Ärger bei der sportlichen Leitung der 05er einbrachte. Ein unnötiger, aber grober Unfug, der den Stopper im Ranking noch einmal weiter zurückwirft.

Niko Bungert dürfte erster Anwärter auf die Vertretung des gesperrt Stefan Bell sein. Der 05-Kapitän hat zwar wenig Spielpraxis, funktioniere aber auf Knopfdruck, sagt sein Trainer. Foto: Ekkie VeyhelmannMartin Schmidt hat am Sonntag gegen den Viertelfinalisten der Europaliga nun drei Innenverteidiger zur Auswahl, die das Fehlen von Bell kompensieren können: Niko Bungert, Leon Balogun und André Ramalho, der nach seinem komplett gebrauchten Tag mit einer höchst fehlerhaften Vorstellung am Böllenfalltor auf Wiedergutmachung brennt. „Wir haben drei gute Innenverteidiger und die Qual der Wahl, wenn wir aufstellen“, sagte der 05-Trainer im Rahmen der Spieltags-Pressekonferenz am Freitag. Dass sowohl Bungert als auch Balogun die Spielpraxis in der Bundesliga fehlt, weil sich das Duo Bell und Ramalho zuletzt festgespielt und außer in Darmstadt mit souveränen Leistungen aufgetreten war, bereitet dem Coach dabei keine Kopfzerbrechen. „Wer Niko kennt, weiß dass er immer bereit ist“, sagt Schmidt. „Er trainiert stets auf hohem Niveau. Er ist ein Spieler, den du auf Knopfdruck stellen kannst und der funktioniert. Leon Balogun hat vor zwei Wochen 90 Minuten in der Dritten Liga gespielt. Ich mache mir keinen großen Sorgen, dass diese beiden es nicht hinkriegen könnten, weil beide routiniert sind, ihre Positionen gut kennen. Dazu kommt, dass der Motivationsgrad für alle nochmal höher ist, wenn ein Gegner kommt, der eine solche Hausnummer ist.“ Dass der 05-Trainer beide zentralen Abwehrpositionen neu besetzt, ist eher unwahrscheinlich. Ramalhos Auftritt in Darmstadt dürfte als Ausrutscher eingestuft werden. Normalerweise sollte sich Schmidt für den Brasilianer im Zusammenspiel mit dem erfahrenen Kapitän entscheiden. „Wenn du zwei Innenverteidiger hast, die gut gespielt haben, willst du nicht dauernd umstellen. Die anderen müssen in Warte-Position sein. Beide sind im Training aber sehr zweikampfstark und aggressiv. Das passt schon“, betonte Schmidt.

Gbamin für Frei auf der Doppelsechs?

Balogun könnte unterdessen eine Option sein auf der rechten Verteidigerseite. Dort hat sich Giulio Donati zuletzt nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der Italiener gehörte zu denjenigen der 05-Profis, die in Darmstadt weit unter ihren Möglichkeiten blieben. Donati verstrickte sich mehr in Scharmützel mit den Gegenspielern und Diskussionen mit dem Schiri als sich mit dem eigenen Spiel zu beschäftigen, verlor durch das ständige Lamentieren seine Linie. Da könnte sich ein Wechsel anbahnen. Ebenso wie auf anderen Positionen. „Wenn ein Spiel schlecht war, siehst du von denen, die nicht oder nur kurz gespielt haben, immer sofort die Reaktion. Die wollen dann rein ins Team. Das war auch nach dem Bremen-Spiel so, da konnte ich mehrere Positionen umstellen, weil ich im Training schon gesehen habe, dass die anderen brennen. So war es auch in dieser Woche. Das war nicht nur bei den Innenverteidigern so, sondern auch in anderen Teilen. Nach einer Niederlage ist die Chance für die, die nicht gespielt haben, immer groß. Es ist schön, wenn man dann unter der Woche sieht, dass sich die Spieler auch anbieten“, sagte der 49-Jährige und deutete an, dass er Veränderungen in der Startelf ins Auge fasst. „Da wird der eine oder andere reinpurzeln, ganz klar.“

Vielleicht auch wieder Gaetan Bussmann, der in Darmstadt wegen Problemen im Adduktorenbereich fehlte. „Wir hoffen, dass wir ihn er auf den letzten Drücker hinkriegen. Er hat am Donnerstag wieder trainiert. Wir steigern ihn allmählich und hoffen, dass es bis Sonntag reicht. Wenigstens als Back up“, sagte Schmidt. Im zentralen Mittelfeld werden die Überlegungen des 05-Trainers dahin gehen, wie er den zurzeit prächtig aufgelegten Schalker Motor Leon Goretzka in den Griff kriegt. Da dürfte Jean-Philippe Gbamin die Nase vorne haben gegenüber Fabian Frei und sich als aggressiver, laufstarker Fighter zusammen mit Danny Latza der Aufgabe stellen. Dazu benötigen die 05er gegen die spielerisch stärkeren Schalker schnelle Umschalter, die aus einem gut organisierten Defensivverbund heraus und nach Balleroberungen mit mehr Entschlossenheit, Überzeugung und Konsequenz als zuletzt nach vorne Tempo aufnehmen. Das spricht für Pablo De Blasis, Jhon Cordoba und Levin Öztunali. Auch Robin Quaison, der bei den Lilien den 1:2-Anschlusstreffer erzielte und eine ordentliche Leistung anbot, könnte wieder erste Wahl sein. Der Schwede zeigte neben ausgeprägter Physis vor allem Schnelligkeit und Geradlinigkeit in seinem Spiel und könnte eine Umschaltwaffe sein. Bei allem geht es aber auch darum, wer es mal wieder schafft, die Tiefenpässe zum Strafraum zu bringen mit der nötigen Schärfe und Präzision. Bojan Krkic könnte das von seiner Veranlagung her in jedem Fall. Die große Frage ist nur, ob der Techniker sich auch als leidenschaftlicher Arbeiter auf der zehn einbringen kann oder ob der 05-Trainer doch eher die  flexible 4-4-2-Grundordnung wählt mit einer wuchtigen Doppelspitze.

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