Erst ab Köln geht’s um Personalfragen

Jörg Schneider. Mainz.
Die von einem Boulevardblatt angefachte neue Trainer-Diskussion hat beim FSV Mainz 05 für Verärgerung gesorgt. Rouven Schröder erklärte im Gespräch mit der nullfünfMixedZone, Martin Schmidt habe beim Bundesligisten einen Vertrag. Das sei Stand der Dinge. „Wir spielen noch in Köln. Dass wir uns danach zusammensetzen und alles hinterfragen, ist doch klar und ganz normal.“ Man müsse doch alles hinterfragen, warum man es nicht so hingekriegt habe, wie man es sich vorgestellt habe, sagte der 41-Jährige. Diese Analyse muss dann auch die handelnden Personen mit einbeziehen. Das alles werde jedoch erst nach dem Saisonende besprochen.

Nach dem Saisonabschluss in Köln werden sich Rouven Schröder und Martin Schmidt zur Saison-Analyse zusammensetzen und alles hinterfragen. Auch die Position des Trainers wird dann eine Rolle spielen. Foto: ImagoRouven Schröder war gar nicht amused am Montagmorgen. Im Gegenteil. Der Sportdirektor des FSV Mainz 05 war stinksauer. Der Zorn des 41-Jährigen richtete sich gegen die Bild-Zeitung und deren aktuelle Aufmachung: „Trotz Rettung - Mainz-Trainer Schmidt vor dem Aus.“ Der Sportdirektor kritisierte heftig die Schlagzeile und die vom Boulevardblatt aufgezählten Vorwürfe an den 05-Trainer. „Das ist eine Frechheit“, sagte Schröder der nullfünfMixedZone. „Das ist dieses typische Schubladendenken.“

Nun hat der Klub jedenfalls zwei Tage nach der Rettung durch den 4:2-Sieg im Derby gegen Eintracht Frankfurt und im Vorfeld der abschließenden Partie in Köln, in der die 05er nicht zweistellig verlieren dürfen, um endgültig das Ticket für die neue Saison zu buchen, eine neue Trainerdiskussion. „Fakt ist“, sagt Schröder, „wir haben uns vor einigen Wochen nach den fünf Niederlagen klar positioniert, dass wir auf die Arbeit von Martin Schmidt vertrauen, um Ruhe in den Karton zu bringen bis zum Saisonende. Das ist gelungen. Martin Schmidt hat Vertrag bis 2018. Das ist der Stand.“ Dass nach einer solch schwierigen Saison, vor allem nach einer Rückrunde, in der vieles nicht nach den Vorstellungen gelaufen ist, irgendwann jedoch auch die Rolle des Trainers in der Abschluss-Analyse hinterfragt werden muss, bedarf eigentlich keiner gesonderten Erklärung. Das sieht auch Schröder so. „Wir spielen in Köln. Dass wir uns danach zusammensetzen und absolut alles hinterfragen, ist doch klar. Das ist doch ganz normal. Man muss doch alles hinterfragen, warum wir es nicht so hingekriegt haben“, sagte der 41-Jährige. Diese Analyse muss auch die handelnden Personen mit einbeziehen. Das alles komme nach dem Saisonende auf den Tisch.

Möglicherweise führt die Analyse dazu, dass es dann tatsächlich zu einer Trennung vom Trainer kommt. Möglicherweise hat Schmidt, der einen guten Ruf in der Branche besitzt, sowohl in der Bundesliga als auch in seinem Heimatland, ja auch eigene Pläne und Vorstellungen von seiner sportlichen Zukunft. „Wir wissen auch, dass Martin auf dem Markt hoch gehandelt wird“, sagt Schröder, „wir werden das alles besprechen.“ Doch zunächst muss die Saison zu einem vernünftigen Abschluss gebracht werden.

Für den Sportdirektor hat ohnehin mit dem Ligaverbleib die Arbeit erst richtig begonnen. Die Mannschaft fährt in Urlaub, für den Manager beginnt die Phase der konkreten Kaderplanung. „Glücklicherweise hat unser Kader grundsätzlich eine gute Struktur, und wir haben eine komfortable Vertragssituation. Mit dem Kader kann man schon mal Bundesliga spielen“, sagt Schröder. Trotzdem wird es Veränderungen geben, auch wenn bis auf wenige Ausnahmen alle 05-Profis unter Vertrag stehen. Im Fall von André Ramalho, der von Bayer Leverkusen ausgeliehen ist, muss der Klub entscheiden, ob er die Kaufoption wahrnimmt oder nicht. Und dann gibt es ja noch das Thema Bojan Krkic. Der Mittelfeld-Techniker ist inzwischen angekommen in Mainz, hat im Derby noch einmal seine Qualitäten und seine Wichtigkeit fürs Team unterstrichen, doch die Chancen, den Top-Mann zu behalten sind nach wie vor gering. „Ihn zu halten, würde sehr, sehr schwer“, sagt Schröder. Normalerweise ein Ding der Unmöglichkeit, wenn Stoke City, das den Spieler verkaufen möchte, die üblichen Premier-League-Preise aufruft. Die Mainzer würden das frühere Barcelona-Wunderkind liebend gerne behalten. Doch um das zu erreichen, müsste die Initiative schon von dem Profi selbst ausgehen, müsste Bojan selbst eine weitere Ausleihe anschieben. Das erscheint im Moment nicht sehr wahrscheinlich.

Wenn der 26-Jährige gehen sollte, dann, so Schröder, sei die logische Konsequenz, dass man sich am Bruchweg um einen „neuen kreativen Spieler bemühen muss.“ Möglicherweise auch um einen neuen Mittelstürmer. Denn Jhon Cordoba ist auf dem nationalen und internationalen Markt heiß begehrt. Auch wenn die Torquote des Kolumbianers in dieser Spielzeit nicht überragend war, einen Stürmer mit solchen Qualitäten suchen viele und sind bereit, dafür viel Geld auf den Tisch zu blättern.

Einige Leihspieler kehren zurück, über deren Zukunft in den kommenden Wochen ebenfalls gesprochen werden muss. Pierre Bengtsson hat noch ein Jahr Vertrag. Todor Nedelew ebenfalls. José Rodriguez kommt aus Málaga zurück, wo es für den Spanier auch nicht sonderlich gut gelaufen ist. Was mit Maximilian Beister passiert, ist völlig unklar. Bei Mainz 05 will über den Stürmer, der die letzte Chance in Australien, wie alle anderen vorher ebenfalls, nicht genutzt hat und inzwischen bei seinem Klub wegen mangelnder Einstellung rausgeflogen sein soll, gar keiner mehr sprechen. Beister hat sich disqualifiziert und wird in Mainz in keinem Team eine Rolle spielen, liegt dem Klub wahrscheinlich solange auf der Tasche, bis eine Einigung gefunden ist. Schließlich kehrt auch Torhüter Robin Zentner aus Kiel zurück nach Mainz.

Die Torhüter-Situation ist ebenfalls ein Thema, das Schröder neu bewerten muss und will. Jonas Lössl, vor der Saison als Nummer eins geholt, hat seinen Stammplatz im Tor an Jannik Huth verloren. „Das kann Jonas nicht gefallen. Da gibt es Redebedarf. Das müssen wir ausloten“, sagt Schröder. Huth dagegen hat sich in einer schwierigen Drucksituation bestens bewährt. Gut möglich, dass da in dieser Transferperiode etwas geschieht.

Viel Arbeit also statt Urlaub für den Sportdirektor, der sich jedoch auf diese Aufgabe freut. Auch, „weil die Gedankengänge schon weit gediehen sind“, wie der 41-Jährige versichert.

► Alle Artikel zur Kaderplanung

► Zur Startseite