Etwas erschrocken von der Effizienz

Jörg Schneider. Mainz.
Für das Team von AS Saint-Etienne ist der Europapokal-Auftakt heute Abend (19 Uhr) beim FSV Mainz 05 in der Opel Arena der dritte Anlauf in Folge in dieser Gruppenphase. Entsprechend selbstbewusst und zuversichtlich präsentierten sich die Franzosen im Rahmen der internationalen Pressekonferenz im Vorfeld. Die Favoritenrolle wollte deren Trainer zwar nicht für sich beanspruchen, doch sein Team wolle unbedingt punkten, betonte Christophe Galtier, den sein erster Besuch in Mainz erst einmal zu einer falschen Adresse führte.

Christophe Galtier, der Trainer der AS Saint-Etienne, suchte die 05er am vergangenen Sonntag vergeblich am Bruchweg. Foto: Jörg SchneiderSo, wie der FSV Mainz 05 am vergangenen Freitag in Paris den kommenden Gegner bei dessen überraschenden 1:1 in Saint Germain unter die Lupe genommen hat, war natürlich auch der Trainer der AS Saint-Etienne mit seinem Assistenten am Sonntag vor Ort zur Spielbeobachtung in Mainz. Die Anfahrt zum  4:4 der 05er gegen die TSG Hoffenheim barg für Christophe Galtier jedoch zunächst unerwartete Tücken. „Ich bin glücklich, dass ich das Spiel gegen Hoffenheim überhaupt gesehen habe“, sagte der 50-Jährige in der internationalen Pressekonferenz vor dem heutigen Auftaktspiel der Gruppenphase in der Opel Arena. „Es gab da eine Verwirrung. Ich habe die Karten woanders gekauft, habe dann vor dem Stadion gestanden und da war niemand. Ich habe mich schon gefragt, ob da vielleicht keine Fans kommen dürfen. Bis wir dann eine charmante Person getroffen haben, die uns darauf hingewiesen hat, dass dieses Spiel hier in diesem wunderschönen Stadion stattfindet“, schilderte der ASSE-Trainer seine ersten Erfahrungen in Mainz.

Als Galtier dann den Weg vom Bruchweg zur Arena gefunden hatte, bekam der Coach, der seit 2009 die „Grünen“ aus der der südfranzösischen Bergbaustadt trainiert, viel zu sehen, viel Material an die Hand zur Vorbereitung auf die heutige Partie. „Also ich habe sie gesehen und kann sagen, es ist eine sehr gut organisierte Mannschaft“, betonte Galtier. Die 05er seien sicher kein Team, von dem man sagen würde, dass es individuell Spieler hervorheben würde. „Im Gegenteil. Es ist ein sehr gut organisiertes Kollektiv, das zusammenhält. Ein Team, das auf Konter-Gelegenheiten wartet und diese sehr gut umgesetzt hat. Die zweite Halbzeit gegen Hoffenheim? Na ja, wir sind in Deutschland, da will man immer möglichst viele Tore und mehr als der Gegner schießen. Das habe ich gesehen“, sagte Galtier kryptisch und fügte hinzu: „Was mich schon überrascht und ein klein wenig erschrocken hat, ist die Tatsache, dass eine Mannschaft so schnell vier Tore schießen kann. Das zeigt, wie effizient sie sind. Sie haben nicht zu viele Chancen gehabt, aber vier Tore geschossen. Und was mir aufgefallen ist, dass es eine sehr gute Stadion-Atmosphäre hier in Mainz gibt. Man hat gemerkt, dass das ganze Team nach der frühen Führung aus dieser Atmosphäre Kraft schöpft. Mainz ist definitiv eine Mannschaft, die viele Treffer erzielen kann, aber sie bekommt auch Treffer.“

Die ASSE steht aktuell zum dritten Mal in Folge in der Gruppenphase der Europa League. „Ich würde sagen, es ist natürlich von Vorteil diese Erfahrung zu haben. Das hat uns vor allem in der Qualifikationsphase schon geholfen. Da wir wussten, was uns erwartet und die Spieler das schon gewohnt waren“, so der Coach. „Jetzt sind wir in der Gruppenphase und das ist wie eine kleine Meisterschaft. Da geht es von vorne los. Ich weiß es nicht, ob wir da die Favoritenrolle haben und uns da die Erfahrung einen Riesenvorteil verschafft, denn wir spielen hier gegen eine deutsche Mannschaft und wir alle wissen, dass die Bundesliga zu den besten Ligen der Welt zählt. Mainz ist da Sechster geworden und ganz sicher kein schwacher Gegner. In der Gruppe sind auch Mannschaften aus Aserbaidschan und Belgien. Wenn ich mich recht erinnere, hat letztes Jahr eine Mannschaft aus Baku ein französisches Team geschlagen und auch ein belgisches Team hat gegen ein französisches gewonnen. Trotzdem ist unsere Erfahrung von Vorteil. Aber es zählt, was man dann auf dem Spielfeld sehen wird.“ Die Franzosen gehen trotzdem mit viel Zuversicht in diese Partie in Mainz und glauben an einen erfolgreichen Auftakt.  

„Wir wollen gut in diese Gruppenphase starten und von Anfang an punkten“, sagte Galtier. „Unsere Vorstellungen der letzten Wochen zeigen mir, dass wir eine gute Auswärtsmannschaft haben. Unser Team fühlt sich definitiv wohl in anderen Stadien.“ Eine Einschätzung, die auch sein Kapitän selbstbewusst rüber bringt. „Wir bereiten uns richtig vor und möchten diese Gruppe als Sieger beenden“, sagt Loic Perrin. „Dafür müssen wir gut starten, aber da bin ich optimistisch.“ Der 31-jährige Abwehrchef weiß nicht viel über den Gegner. „Wir wissen natürlich, dass sie eine gute Saison gespielt haben. Wir kennen die Mannschaft vom Namen her und von ihrem Ruf, aber nicht wirklich im Detail.“ Über die einzelnen Mainzer Spieler könne er wenig sagen. „Wir werden sie aber nach und nach kennenlernen“, erklärte Perrin.

Beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Teams gab es vergangenes Jahr in Albertville ein 1:1 im Testspiel. Martin Schmidt erwartet im ersten internationalen Heimspiel der Saison einen Gegner, der vor allen Dingen in der Abwehr-Organisation seine Stärken besitzt. „Wir haben gesehen, dass sie eine sehr gute Defensive haben“, erklärte der 05-Trainer. „Im vergangen Jahr waren sie das drittbeste Defensivteam in Frankreich. Sie kriegen im Schnitt unter einem Treffer pro Spiel übers Jahr gesehen.“ Die Offensive des aktuellen Tabellenzwölften sei in der Lage Chancen herauszuspielen und arbeite häufig mit Flanken aus dem Halbfeld heraus. „Das wird die Herausforderung sein. Da gibt es viel zu verteidigen“, so der 49-Jährige. „Wir werden versuchen, Lösungen zu finden gegen ein solides, robustes und stark auftretendes Team.“

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