Ex-05-Junioren unterliegen Japan

Christian Karn. Mainz.
Mit einem 6:0 hat Japan den zweiten Platz in der asiatischen WM-Qualifikationsgruppe E verteidigt. Ungewöhnlich: Beim Gegner spielten zwei ehemalige Junioren des FSV Mainz 05: Der Innenverteidiger Zamir Daudi ist bereits seit dem vergangenen Jahr Nationalspieler Afghanistans, Mittelstürmer und Debütant Khaibar Amani wurde im Laufe der zweiten Hälfte eingewechselt. Yoshinori Muto, der Japaner im Kader der 05er, wurde erst beim Stand von 6:0 eingewechselt, zu dem der ehemalige 05er Shinji Okazaki zwei Tore beigetragen hatte.

In Afghanistan wird seit ein paar Jahren wieder Fußball gespielt, seit nämlich die Taliban nichts mehr zu melden haben. Die radikalen Islamisten führen zwar von Pakistan aus immer noch Bürgerkrieg im einst weitgehend von ihnen beherrschten Nachbarland, aber eine gewisse Liberalität findet seither statt. Dazu gehört die Wiederaufnahme des Spielbetriebs der Nationalmannschaft im Jahre 2002, 18 Jahre, nachdem die Spätphase des Kriegs zwischen den Mudschahedin und der Sowjetunion das Nationalteam zum Rückzug von der internationalen Bühne gezwungen hatte.

Unter den Taliban war der Fußball zunächst komplett verboten, irgendwann unter strengen Auflagen teilweise erlaubt. Dementsprechend groß sind heute noch die Schwierigkeiten, mit denen der afghanische Fußball zu kämpfen hat. Beispielweise setzten sich 2003 neun Nationalspieler aus einem Trainingslager in Italien ab. Heute besteht das Nationalteam zu einem Großteil aus teils gar nicht mal in Afghanistan geborenen Spielern aus dem Grenzbereich zwischen dem deutschen Profi- und Amateurfußball. 

Einst Teamkameraden bei den A-Junioren des FSV Mainz 05, jetzt wieder vereint in der afghanischen Nationalmannschaft: Zamir Daudi und Khaibar Amani.Nationaltrainer Slaven Skeledzic, in der hiesigen Region bekannt unter anderem als ehemaliger Juniorentrainer Eintracht Frankfurts, nominierte für das WM-Qualifikationsspiel gegen Japan am Dienstag unter anderem zwei ehemalige Nachwuchsspieler des FSV Mainz 05: den Verteidiger Zamir Daudi, der bereits im vergangenen Jahr debütierte, und erstmals den Mittelstürmer Khaibar Amani. Der Torwart Ovays Azizi spielt beim Skjold BF in der dritten dänischen Liga. Die Abwehr fast komplett in Deutschland: Daudi in Aschaffenburg, Hassan Amin in Saarbrücken, Hadid Mustafa in Altona. Lediglich Kapitän Djelaludin Sharitya, zuletzt in Schweinfurt, hat den deutschen Fußball im Sommer verlassen. Im Mittelfeld gab es mit Abassin Alikhil einen weiteren Aschaffenburger, außerdem Mustafa Zazai von der zweiten Mannschaft des FC St. Pauli und den schwedischen Drittligaspieler Noraollah Amiri, vorne den aus der Jugend von Twente Enschede stammenden Faysal Shayesteh und Zubayr Amiri, der ebenso wie der später eingewechselte Debütant Amani für Hessen Dreieich spielt.

Heimspiele hat Afghanistan dennoch selten. In Kabul ist es weiterhin zu gefährlich. Die Heimspiele tragen die Afghanen in der Regel in Iran aus, häufig im 35.000-Zuschauer-Stadion in Maschhad, nahe an der afghanischen Grenze, gegen Japan im großen und darum fast leeren Azadi-Stadion in der Hauptstadt Teheran. Der Oberrang war leer, in den Kurven auch der Unterrang. Zahllose Presslufttröten übertönten die mitgereisten Japaner und erzeugten eine Geräuschkulisse, die ähnlich klang wie noch in den 1990ern die Bundesliga, nur extremer. Und die Afghanen spielten selbstbewusst gegen Japan. Sie trauten sich etwas zu. Man sah, dass sie Fußball spielen können - nicht annähernd genug, um Japan zu gefährden, aber prinizpiell wussten sie, wie Fußball funktioniert, stellten nicht einfach nur das eigene Tor zu, hatten ihre Aktionen.

Der Ex-05er Shinji Okazaki (links) traf zweimal gegen die Afghanen. Foto: imagoJapan gewann 6:0. Zumindest nicht viel zu hoch in einem Spiel, das in etwas so aussah wie ein Pokalspiel zwischen einem lediglich engagierten Oberligisten und einem Bundesligisten, der die Partie ernst nimmt. Der Dortmunder Shinji Kagawa setzte in der neunten Minute einen 20-Meter-Schuss knapp auf der richtigen Seite am Pfosten vorbei zum 1:0. Großes Pech hatten die Afghanen beim zweiten Treffer - Torwart Azizi parierte einen Kopfball des Verteidigers Masato Morishige ganz großartig, aber der japanische Star Keisuke Honda vom AC Milan bekam den Ball irgendwie im letzten Augenblick von der Grundlinie zurück ins Spiel. Azizi warf sich noch in Morishiges Schuss, aber eine ernsthafte Chance hatte er nicht (35.). In der 49. Minute schlich Kagawa in den Rücken der Abwehr und erhöhe auf 3:0. Als die Abseitsfalle der Afghanen völlig schief ging und auf einmal vier Japaner mit dem Ball im Strafraum zwischen Verteidigern und Tor auftauchten, schoss der Ex-05er Shinji Okazaki das 4:0 (57.), drei Minuten später, als Daudi Hondas Schuss nur abblocken konnte, per Abstauber das fünfte Tor. Honda traf schließlich in der 74. Minute zum Endstand. Yoshinori Muto, der neue Mainzer Japaner, wurde erst drei Minuten darauf eingewechselt, war sofort im Spiel, aber hatte keine entscheidenden Szenen mehr, ebenso wenig der in der 68. Minute eingewechselte Debütant Amani auf der anderen Seite.

Einmal hätte Afghanistan treffen können. Es war ein wunderbarer Konter, ein schöner Seitenwechsel von Amani, der Noraollah Amiri freie Bahn aufs Tor verschaffte. Dem Stürmer aus Trelleborg ging aber der Mut aus; er hätte durchziehen müssen und die Verteidiger hinter sich lassen, wich aber zu schnell auf den Flügel aus (69.). Daudi hatte in der Abwehr manches im Griff, konnte den Qualitätsunterschied aber nicht verbergen. Amani, einst ein großartiges Sturmtalent, aber schon in jungen Jahren durch eine extreme Knieverletzung zu weit zurückgeworfen und inzwischen auch schon 28 Jahre alt, hatte keine Torszene.

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