„Extremo derecho“ sucht den eigenen Weg

Jörg Schneider. Mainz.
Jairo Samperio, genannt Jairo, ist in seiner spanischen Heimat oft mit Nationalspieler Jesús Navas verglichen worden, dessen Rechtsaußenposition der 21-Jährige beim FC Sevilla beerbt hatte. Der Neuzugang des FSV Mainz 05 hält nichts von solchen Vergleichen, will lieber seinen eigenen Weg finden und hat sich für einen Wechsel in die Bundesliga entschieden. „Mein Stil Fußball zu spielen könnte hier gut passen“, sagt er und klärt auch auf, was hinter dem angeblich nicht bestandenen Medizincheck in Mainz steckte.

Spanisch sprechendes 05-Quartett: Pablo de Blasis, Junior Diaz, Jairo und Elkin Soto (von links). Foto: Jörg SchneiderNeun Jahre sind vergangen, seit sich der FSV Mainz 05 erstmals auf der internationalen Fußballbühne präsentieren durfte. Nach zwei erfolgreichen Qualifikationsrunden gegen MIKA Aschtarak aus Armenien und die Isländer von ÍB Keflavík war der FC Sevilla der Gegner des damals von Jürgen Klopp trainierten Bundesligateams in der ersten Hauptrunde des Uefa-Pokals. Die Mainzer erkämpften bekanntlich ein vielbeachtetes 0:0 in Andalusien und unterlagen dem späteren Cup-Sieger im Rückspiel in Frankfurt (das Mainzer Bruchwegstadion war damals nicht europapokaltauglich) mit 0:2.

Dani Alves und Jesús Navas

Interessant in diesen beiden Begegnungen war die Besetzung der rechten Seite beim spanischen Spitzenklub: Da sprinteten zwei Edeltalente die Außenlinie entlang, wechselten sich ab mit ihren Tempovorstößen und gut getimten Flanken auf Starstürmer wie Kanouté oder Luis Fabiano. Rechter Verteidiger war ein gewisser Dani Alves, der offensive Flügelmann hieß Jesús Navas. Alves ging später für 20 Millionen Euro zum FC Barcelona, für dieselbe Ablösesumme wechselte Navas zu Manchester City.

Nun sind die 05er auf ihre Suche nach einem schnellen Rechtsaußen bei jenem FC Sevilla fündig geworden, der in der vergangenen Saison erneut diesen Wettbewerb gewann, der sich heute Europaliga nennt. Die Mainzer haben Jairo Samperio, genannt Jairo, verpflichtet. Einen 21-Jährigen U21-Nationalspieler, dem die Experten ein ähnliches Talent wie Navas, dem aktuellen Nationalspieler, nachsagten. 05-Manager Christian Heidel musste rund zwei Millionen in Sevilla hinblättern für Jairo. Dass sich der Transfer in diesem für die Mainzer erschwinglichen Preissegment bewegte, lag daran, dass die Entwicklung des Spielers beim Top-Klub ins Stocken geraten war.

Perspektivspieler ohne Perspektive

„Ich kam als Perspektivspieler von Racing Santander nach Andalusien“, erzählt Jairo am Bruchweg. „Bis vergangenen Dezember habe ich fast immer gespielt, aber dann ging das Vertrauen des Trainers zurück, die Einsätze wurden immer weniger.“ Und als es in dieser Saisonvorbereitung erneut nicht voran ging, die Perspektive noch geringer wurde, auch weil der Verein Gerard Deulofeu für zwölf Millionen Euro vom FC Barcelona für Jairos Position einkaufte, habe er einen Wechsel ins Auge gefasst.

Er sei zuvor oft mit Jesús Navas verglichen worden, sagt der Neu-05er. „Doch Vergleiche gefallen mir nicht“, sagt er, „ich will meinen eigenen Weg gehen.“ Trotz einiger Angebote aus der Primera Division entschied sich der 21-Jährige für den Schritt, sein Glück in Deutschland zu suchen. In Spanien spielten viele Mannschaften jetzt sehr defensiv, erklärt Jairo. Da gebe es für klassische, schnelle Flügelstürmer weniger Entfaltungsmöglichkeiten. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Weil ich die Sprache nicht spreche, und weil ich zum ersten Mal aus Spanien heraus musste. Aber das große Interesse, das Mainz 05 gezeigt hat, gab mir dann doch das nötige Selbstvertrauen dazu.“

Kasper Hjulmand habe sich sehr um ihn bemüht. So etwas habe er bei seinem bisherigen Klub vermisst. Dass die Mainzer gerade seinen Spielstil gesucht hätten, habe für ihn schließlich den Ausschlag gegeben. Die übrigen Angebote hätten sich um Ausleihen gedreht. „Für mich war aber klar, wenn ich wechsle, will ich einen richtigen Transfer“, erzählt Jairo. Und die Bundesliga ist inzwischen aufgrund ihrer finanziellen Seriosität und ihrem Niveau auch für spanische Profis reizvoll geworden. „Die Verteilung der Fernsehgelder ist in Deutschland ausgeglichener. Die gesamte Mentalität, wie man mit Geld umgeht, ist besser. Dazu kommt die Stimmung in den Stadien. Das ist alles sehr schön und so, wie man das als Spieler haben möchte“, betont Jairo. „Mein Stil Fußball zu spielen könnte hier gut passen.“

Medikament gegen erhöhten Blutdruck

Für die 05er möchte der neue Rechtsaußen, der „extremo derecho“, wie die Spanier Jairos Position bezeichnen, das Maximale aus sich herausholen, ohne sich die großen Zielvorgaben aufzuerlegen. „Ich will der Mannschaft helfen. Am liebsten schon gegen die Berliner. Alles andere kommt dann schon“, sagt er.

Und wie war das nun mit dem ominösen Medizincheck, den Jairo angeblich nicht auf Anhieb bestanden haben sollte? „Da hat etwas gefehlt. Daten aus Spanien, die unvollständig waren“, berichtet der 05-Profi. Jairo hat als Leistungssportler Probleme mit zu hohem Blutdruck und muss dafür Medikamente nehmen. Eine entsprechende Bescheinigung musste von seinen Ärzten angefordert werden. Das verzögerte den Transfer. Alle Unklarheiten sind längst beseitigt. Der Neu-Mainzer fühlt sich wohl in der neuen Umgebung. Beim Überwinden der Sprachbarriere helfen Elkin Soto, der mittlerweile gut Deutsch spricht sowie die übrigen Kollegen aus der Spanisch sprechenden Südamerika-Fraktion der 05er: Junior Diaz, Gonzalo Jara und Pablo de Blasis, die auch die englischsprachigen Anweisungen des Trainers übersetzen.

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