Fabian Frei: „So kann es weiter gehen“

Jörg Schneider. Augsburg.
Die nächste Prüfung folgt bereits am Mittwochabend. Der FSV Mainz 05 bestreitet sein zweites Auswärtsspiel hintereinander. Das 3:1 beim FC Augsburg, der erste Dreier dieser Saison, sollte Auftrieb und Selbstbewusstsein geben für die Partie beim SV Werder Bremen. „Ich bin sehr zuversichtlich. Die Mannschaft ist fit genug und vom Kader her so aufgestellt, diese Englischen Wochen positiv zu gestalten. Das ist ein großes Plus der Mannschaft. Sie will. Sie gibt alles“, sagt Fabian Frei, in Augsburg einer des besten 05er.

Schaltzentrale und Ankurbler im 05-Mittelfeld: Fabian Frei (hier mit Jean-Philippe Gbamin gegen den Ex-Mainzer Ja-Cheol Koo). Foto: ImagoZu Hause gegen die TSG Hoffenheim war es eine deutliche Führung, die nach und nach zerbröselt war. Im Europaliga-Gruppenspiel gegen AS Saint-Etienne flutschte dem FSV Mainz 05 kurz vor Schluss der greifbare Erfolg noch durch die Finger. Und auch beim 3:1-Sieg in Augsburg schienen die Mainzer wieder in die Klemme zu geraten, als FCA-Linksverteidiger Konstantinos Stafylidis einen Ballverlust im Aufbauspiel der 05er mit einem tückischen Aufsetzer in der 73. Minute zum 1:1 bestrafte. Doch diesmal schüttelte sich das Team von Martin Schmidt kurz, übernahm, anders als in den vorangegangenen Begegnungen sofort wieder die Initiative und beendete das Kapitel Gegentor gleich Kontrollverlust. Initiator des Widerstands war Fabian Frei. Der Schweizer Mittelfeldspieler kurbelte sofort die Gegenmaßnahmen an, trieb den Ball nach vorne, setzte Yoshinori Muto in Szene, dessen Abschluss zunächst im Augsburger Strafraum geblockt wurde. Frei erhielt den Ball zurück, spielte diesmal raus auf Daniel Brosinski, dessen genaue Flanke dann Yunus Malli mit dem Kopf zur 2:1-Führung nur zwei Minuten nach dem Ausgleich verlängerte. Muto vollendete dann noch einen von Giulio Donati eingeleiteten Konter, und die Sache war erledigt.

„Im letzten Spiel war es ja so, dass es danach zu Ende war. Diesmal hatten wir genügend Zeit, noch etwas zu machen. Wir haben da super reagiert“, sagte Frei nachher zufrieden. Der Gedanke, dass es mit dem Gegentor nun schon wieder in die falsche Richtung laufen könnte, habe sich gar nicht erst breit machen können. Er habe allerdings vor dem 1:1 an so etwas gedacht, sagte der 27-Jährige. „Ich hatte in den 15 Minuten davor kein gutes Gefühl. Ich will nicht sagen, ich habe das Gegentor erwartet, aber es kam auch nicht so überraschend. Wir haben in dieser Phase wirklich ein bisschen gebettelt um den Ausgleich.“

Die Augsburger verschärften nach der Pause das Tempo, kamen druckvoller ins Spiel. Die 05er wurden etwas zu passiv und verloren die Kontrolle, die sie in der ersten Hälfte im eigenen Ballbesitz eindrucksvoll übernommen hatten. „Du bist in Führung und denkst, jetzt nur nicht wieder den Vorsprung hergeben“, erklärte Martin Schmidt. „Du guckst hoch auf die Uhr und siehst, wie lange es noch geht. Auf der anderen Seite bäumt sich der Gegner zu Hause auf. Unser Spiel nach vorne ist ja immer risikobehaftet. Wenn wir in Führung gehen, müssen wir eine Balance zwischen Umschaltspiel, eigenem Ballbesitz und gut stehen finden. Wir haben das diesmal phasenweise gut abgewechselt. Wir haben verschieden Phasen im Spiel durchgemacht, aber man hat gesehen, dass wir dagegenhalten konnten.“

Frei sah es ähnlich. „In den vergangenen Spielen hat man gesehen, dass wir das Kontern gut drauf haben und Torchancen erspielen können. Unser Problem waren die Phasen, wenn wir den Ball gehabt haben. Das war diesmal  schon viel besser. Die erste Halbzeit war wirklich gut, da hätten wir schon das 2:0 machen können. Mainzer Fußball heißt normalerweise viel rennen. Das wird schwierig, dies alle drei Tage auf einem so hohen Level zu machen. Der Trainer hat uns gesagt, wir müssen ruhige Phasen reinbringen, den Ball zirkulieren lassen. Das gelang wirklich gut und hat uns  geholfen, dass wir am Schluss die Körner hatten, um noch die zwei Tore zu erzielen“, sagte der Mittelfeldspieler. Der Plan sei gewesen, einen Gegner, der selbst aus der spielerischen Ecke komme, mit mehr Ballbesitz als sonst zu dominieren. „Sich im Ballbesitz auch mal erholen“, so der 05-Trainer. „Wir können nicht dauernd kontern, jeden Ball nach vorne spielen und dann sofort wieder verteidigen. Wir brauchen auch mal die Situation, dass der Gegner anrennen muss.“

In den ersten 45 Minuten gelang den Mainzern dies in Augsburg fast perfekt. Selten zuvor haben die 05er den Ball so strukturiert in den eigenen Reihen gehalten und Richtung FCA-Tor gebracht. Der Gegner musste immer wieder lange Wege von hinten heraus gehen und verfing sich in der guten Defensivorganisation der Gäste. Jhon Cordobas Führungstreffer mit diesem wuchtigen Kopfball nach Ecke von Yunus Malli brachte die notwendige Unterstützung. „Wir haben wieder drei Tore erzielt“, lautete Freis Fazit. „So kann es weiter gehen. Unsere Spiele waren bisher alle ganz gut, aber es hat nicht über 90 Minuten gereicht. Heute waren es 75 Minuten, in denen wir alles im Griff hatten. Es tut gut, jetzt drei Punkte mehr auf dem Konto zu haben. Wir gehen mit einem besseren Gefühl nach Bremen. Ich bin sehr zuversichtlich. Die Mannschaft ist fit genug und vom Kader her so aufgestellt, diese Englischen Wochen positiv zu gestalten. Das ist ein großes Plus der Mannschaft. Sie will. Sie gibt alles.“

Der Ausgleich habe das Team wieder wachgerüttelt und letztlich auf den Weg gebracht, meinte Leon Balogun nachher. Der Innenverteidiger schuf zusammen mit seinem Nebenmann Stefan Bell die Voraussetzungen dafür, dass im Mainzer Strafraum für den Gegner kaum etwas ging. Aggressiv in der Vorwärtsverteidigung, kopfballstark, gut aufeinander und mit den Nebenleuten abgestimmt, hielten die Abwehrspieler die Augsburger weg vom Sechzehner. „Unser Matchplan ist aufgegangen“, sagte Balogun. „Wir haben nach dem 1:1 wieder die Kontrolle gefunden, das Spiel wieder in die Hand genommen und sehr souverän runtergespielt.“ Die drei Punkte zu Beginn der zweiten Englischen Woche in Folge seien sehr wichtig für die Mannschaft. Man könne nun selbstbewusster und mit einem besseren Selbstverständnis zum Auswärtsspiel am Mittwoch nach Bremen fahren. „Unser Anspruch kann es schon sein, dort nachzulegen“, sagte Balogun.

 

 

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