Fortsetzung der Serie als Saisonziel

Jörg Schneider. Mainz.
Am Bruchweg haben heute Mittag die großen Ferien begonnen: Die Profis des FSV Mainz 05 haben sich nach dem Ende der Saison in den Urlaub oder zu diversen Nationalmannschafts-Lehrgängen verabschiedet. Nur Martin Schmidt und Christian Heidel legen noch ein paar Planungs-Überstunden drauf. Zuvor gaben Trainer und Manager einen Rückblick auf die 13 Spiele seit der Amtseinführung des Schweizers als Nachfolger von Kasper Hjulmand. Das Fazit: Ohne den Sieg beim SC Freiburg wäre es extrem eng geworden für die erfolgreiche Mission Ligaverbleib.

Erfolgreiche, aber komplizierte Mission: Martin Schmidt und Christian Heidel haben die Voraussetzungen für das siebte Bundesligajahr in Serie für den FSV Mainz 05 geschaffen. Foto: Jörg Schneider Außerhalb des eigenen Umfeldes ist der FSV Mainz selten eingeordnet worden in die Reihe der Klubs, die in dieser extrem spannenden Bundesligasaison 2014/15 als potenzielle Abstiegskandidaten wahrgenommen worden sind. Platz zwölf in der Vorrundentabelle, Rang sieben sogar in der Rückrunde, keinen einzigen Spieltag auf einem der Abstiegsplätze verbracht. Und doch sind sich alle Beteiligten dessen bewusst, dass die nun abgelaufene Spielzeit die engste und heißeste Angelegenheit der vergangenen Jahre im Oberhaus darstellte. So eng und von der Tendenz her absteigend, dass sich die Verantwortlichen an Fastnacht gezwungen sahen, Kasper Hjulmand zu entlassen und Martin Schmidt als neuen Trainer zu installieren.

Der Schweizer Bundesliga-Neuling schaffte es mit der Rückkehr zum leidenschaftlichen, emotionalen Kampf-, Vorwärtsverteidigungs- und Umschalt-Fußball, den Abwärtstrend zu stoppen. War das also ein echter und knallharter Abstiegskampf, den Schmidt und dessen Profis erfolgreich bestanden haben? „Ich nenne es nicht Abstiegskampf“, sagte der 05-Trainer im Pressegespräch zum Saisonrückblick am Bruchweg. „Ich nenne es lieber Kampf um den Liga-Verbleib. Und ein solcher war es absolut.“  Das Gefühl der Sicherheit habe sich erst nach dem Sieg gegen Schalke 04 eingestellt. Bis dahin habe man nicht nur von Abstiegsfahr geredet, um Stimmung zu machen. Der Vorsprung auf die entsprechenden Plätze sei zu dünn gewesen, um eine andere Herangehensweise zu pflegen.

„Am Ende gibt es immer Schlüsselmomente in einer Saison, den man sich stellen und in denen man voll da sein muss“, sagt der 48-Jährige. Für Schmidt gab es zwei Schlüsselmomente. Der Sieg gegen Eintracht Frankfurt unmittelbar nach der Amtseinführung des Trainers. Und der Auswärtserfolg in Freiburg. „Verlieren wir gegen die Eintracht und fahren dann nach Hoffenheim, sind wir auf dem Strich.“ Eine ähnliche Situation habe sich vor dem 2:1-Erfolg im Breisgau gestellt. „Jeder kann sich ausmalen, wie groß sich ohne diesen Erfolg in Freiburg alles vor uns aufgetürmt hätte, welcher Erfolgsdruck auf der Mannschaft dann anschließend im Schalke-Spiel gelastet hätte.“

Diese Anspannung habe auf die Mannschaft übergegriffen. „Man hat vor Freiburg gemerkt, wieviel Zunder im Team drin war. Da ging es schon ans Eingemachte“, sagt Schmidt. „Wir haben mit Glück und Verstand den Dreier geholt und unseren Vorsprung verteidigt.“ Nach außen hin habe das einigermaßen souverän ausgesehen, betont auch Christian Heidel, der eingestand, mit einem ganz schlechten Gefühl zu dieser Partie nach Freiburg gefahren zu sein. „Ich habe mitbekommen, wer da alles ausfällt, dass wir mit der nicht eingespielten Innenverteidigung Nikolce Noveski und Junior Diaz antreten mussten. Ich gebe zu, ich habe mit Axel Schuster im Auto darüber diskutiert, wie wir die Menschen in Mainz dafür sensibilisieren können, dass es jetzt ganz, ganz eng wird. Ich hatte die Sorge, dass sich alles drehen würde.“ Hätten die Freiburger dieses Spiel gewonnen, wären sie nicht abgestiegen und wer weiß, was mit den 05ern passiert wäre.

Martin Schmidt sieht sich eher als Stabilisator, denn als Retter.Doch die 05-Profis gewannen diese Schlüsselpartie. Außerdem in Augsburg, gegen Schalke und Köln, trotzten dem VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen jeweils einen Punkt ab. Das reichte aus, um komplett unbelastet zum Finale nach München zu reisen. Dennoch fühlt sich Martin Schmidt nicht als Retter. „Ein Retter ist einer, der eine Mannschaft auf dem letzten Platz oder in aussichtsloser Situation in einer Negativserie übernimmt und dann in der Liga hält. So, wie es der Kollege Skripnik in Bremen getan hat.“

Schmidt beschreibt seine Rolle in diesem zurückliegenden Vierteljahr eher als „Stabilisator“ oder als „Traditionalist“, der Manager streut das Wort „Entwicklungshelfer“ ein. Die Mannschaft habe ja auch unter seinem Vorgänger immer noch vor den Abstiegsrängen gestanden, erklärt Schmidt. „Es würde auch Kasper Hjulmands  Arbeit nicht gerecht, wenn ich mich jetzt als Retter bezeichnen würde.“

Er stehe für eine gewisse Erdung und neue Inspiration. Schmidt holte jedenfalls 18 Punkte in den 13 Spielen unter seiner Regie und führte seine Mannschaft vorzeitig ins gesicherte Mittelfeld. Eine spezielle Schmidt-Tabelle, die nur diese 13 Begegnungen berücksichtigt, würde die 05er auf Platz sechs führen. Der 05-Manager warnt allerdings davor, aus dieser Bilanz eine überzogene Erwartungshaltung für die neue Saison abzuleiten.

„Wenn wir einmal in eine neue Saison gehen und uns ein anderes Basis-Ziel setzen, als auch im nächsten Jahr wieder Bundesliga spielen zu wollen, muss es große Veränderungen im Klub gegeben haben, die ich im Moment nicht kommen sehe“, sagt Heidel. „Die Erwartungshaltung kann nur sein, in der Bundesliga zu bleiben. Dass wir sechs Jahre lang nicht auf einem Abstiegsplatz gestanden haben, ist eine außerordentliche Leistung aller. Es kann ja auch ein Saisonziel sein, diese Serie fortzusetzen.“

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