Frei bringt Tempo rein

Christian Karn. Mainz.
Fabian Frei ist kein Stammspieler in der Nationalmannschaft der Schweiz. Der Profi des FSV Mainz 05 wurde immerhin eingewechselt beim 1:0 der "Nati" gegen Albanien und war in seiner guten Viertelstunde ein belebender Faktor im trägen Spiel der Schweizer. Seine Situation hat der 05er damit sicherlich nicht verschlechtert. Später gewann der Ex-05er Roman Neustädter mit Russland einen glücklichen Punkt gegen England. Yunus Malli steigt heute mit der Türkei gegen Kroatien in die EM ein.

Swissair, berichten heimkehrende Urlauber, habe am Tag der EM-Eröffnung den Fluggästen kleine Schokoladen-Fußbälle serviert. "Schweiz und Fußball - das kann ja was werden", habe der schweizer Sitznachbar kommentiert. Immerhin: Bei der vierten EM-Teilnahme gab es den zweiten Sieg der Schweiz und den ersten Auftaktsieg: 1:0 gegen Albanien, quasi gegen Landsleute: Von seinen sechs Mann mit albanischen Wurzeln stellte der Nati-Coach Vladimir Petkovic fünf auf: beide Sechser und die komplette offensive Dreierreihe.

Daher war für Fabian Frei kein Platz in der Startelf. Der Profi des FSV Mainz 05 sah den Siegtreffer, bereits in der fünften Minute, von der Ersatzbank aus. Es war ein Eckball, ein schlimmer Fehler von Torwart Etrit Berisha (den die Mainzer im vergangenen Juli beim 3:0 am Bruchweg gegen Lazio Rom gesehen haben), ein Kopfball des Hoffenheimer Innenverteidigers Fabian Schär.

Die Albaner waren bald in Unterzahl. Ihr Kapitän, Innenverteidiger Lorik Cana vom FC Nantes, sah schon in der 36. Minute Gelb-Rot. Die Schweizer hatten ihre Chancen, 17 Torversuche zählten die Statistiker, machten aber nichts daraus. Vor allem der Frankfurter Mittelstürmer Haris Seferovic und der Rechtsaußen Xherdan Shaqiri (einst Bayern München, heute Stoke City) hätten das 2:0 irgendwann mal nachlegen müssen.

Allgemein fehlte der Schweiz jedoch das Tempo, fehlten ihr die klaren Spielzüge im Angriff. So kamen die Albaner dem Ausgleich zweimal sehr nahe; der Gladbacher Torwart Yann Sommer hielt überragend gegen Armando Sadiku (zuletzt vom FC Zürich an den FC Vaduz ausgeliehen, 31.) und einen der Schweiz-Albaner im albanischen Team, Shkelzen Gashi (Colorado Rapids, 87.).

Fabian Frei war da schon eingewechselt, in der 76. Minute für den Genuesen Blerim Dzemaili. Der hatte zentral hinter der Spitze Seferovic gespielt, Frei übernahm die offensive Position. Und machte in seiner guten Viertelstunde ein gutes Spiel. Der Mainzer hatte viele Aktionen, suchte, mit Druckpässen und Direktspiel mehr Tempo in die Angriffsaktionen zu bringen. Das hatte der Schweiz bis dahin bei aller Ballsicherheit gefehlt. In der 84. Minute hatte der 05er einen Torabschluss aus knapp 20 Metern - zur Ecke abgefälscht. Seine Situation hat Frei mit seinem EM-Debüt sicherlich nicht verschlechtert.

Roman Neustädter spielte später am Abend mit Russland gegen England. Der Ex-Mainzer, der erst kürzlich den russischen Pass bekommen hat, stand als Sechser in der Startelf, wurde in der 80. Minute ausgewechselt gegen Denis Gluschakow von Spartak Moskau. Die Engländer waren sieben Minuten zuvor durch einen Freistoß von Eric Dier (Tottenham Hotspur) in Führung gegangen; der erfahrene russische Torwart Igor Akinfejew (ZSKA Moskau) sah dabei nicht gut aus. Und doch sprach Neustädter nach dem Spiel vom klassischen "gefühlten Sieg" - der russische Innenverteidiger Wasili Beresuzki schickte in der Nachspielzeit einen unerreichbaren Kopfball aufs lange Eck und wurde von der UEFA als Torschütze bestätigt. Gluschakow hatte noch versucht, den Ball selbst über die Linie zu drücken, der war aber schon im Tor. Überschattet wurde die schwache Partie in Marseille durch die schweren Ausschreitungen in der Stadt und in der Schlussphase sowie nach Abpfiff im Stadion.

Heute beginnt für Yunus Malli die EM. Der Zehner der 05er tritt um 15 Uhr im Parc des Princes von Paris Saint-Germain mit der Türkei gegen Kroatien an. Mallis Einsatzchancen sind nicht überragend hoch - der Nationalmannschafts-Neuling, der erst im vergangenen November debütierte, hat in der Offensive starke Konkurrenz. Zu den generell gesetzten Nationalspielern Hakan Calhanoglu (Bayer Leverkusen), Oguzhan Özyakup (Besiktas JK) und Arda Turan (FC Barcelona) kommt nun auch noch das von seinem Co-Trainer, dem Ex-05er Otto Addo, schon mit Lionel Messi verglichene Wunderkind Emre Mor, das nun vom FC Nordsjaelland zu Borussia Dortmund wechselt. Anschließend spielt Polen gegen Nordirland und Deutschland - möglicherweise mit André Schürrle - gegen die Ukraine.

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