Freis Balleroberung ebnete den Weg

Jörg Schneider/Christian Karn. Mainz.
Nicht sonderlich schön anzusehen, relativ weit weg von der Attraktivität des Auftritts drei Tage zuvor gegen Hoffenheim. Dafür aber ungleich erfolgreicher: Der FSV Mainz 05 sicherte sich mit harter Arbeit in einem schwierigen Heimspiel den wichtigen 1:0-Erfolg gegen Hertha BSC Berlin. Im Endeffekt war eine Balleroberung von Fabian Frei am gegnerischen Strafraum entscheidend, denn diese Aktion führte zum Foul-Elfmeter, den Pablo De Blasis verwandelte und damit den zweiten Saisonsieg eintütete. „Egal, ob das unattraktiv ist. Das interessiert dann nicht mehr. Wir wollten die drei Punkte mitnehmen. Das haben wir geschafft“, sagte 05-Kapitän Stefan Bell.

Es war quasi das erste Mal in diesem Spiel, dass es genauso lief, wie es ursprünglich geplant war. Und zwar in dieser 52. Minute. Abschlag vom Tor von Hertha BSC, Torhüter Rune Jarstein spielte den Ball kurz nach links auf Innenverteidiger Karim Rekik, der Probleme hatte, im Aufbau eine Anspielstation zu finden, weil die 05er in diesem Moment ein konsequentes, hohes Angriffspressing aufzogen. Pablo De Blasis lief Rekik aggressiv an, hinter dem Argentinier machte Giulio Donati die Seite zu. Im Zentrum rückten die beiden 05-Sechser weit nach vorne. Rekik spielte den Risikopass auf Per Skjelbred, den Fabian Frei knapp 25 Meter vor dem Tor attackierte, den Ball eroberte, seitlich zu Danny Latza stocherte, der Yoshinori Muto im Strafraum anspielbereit fand. Der Rest ist bekannt: Rekik brachte den Japaner zu Fall. Es folgte der Video-Beweis. Schiri Tobias Stieler entschied auf Strafstoß, den De Blasis zum 1:0 verwandelte. Der Siegtreffer. Drei Punkte für den FSV Mainz 05 in einem ansonsten sehr schwierigen Kampf-, Krampf- und Geduldsspiel.

Die Wegbereiter des Siegtors: Balleroberer Fabian Frei mit Yoshinori Muto, gegen den sich Karim Rekik nur mit einem Elfmeterfoul zu helfen wusste. Foto: imagoSolche aktiven Balleroberungen wie die des Schweizer Mittelfeldspielers waren ansonsten diesmal Mangelware im Team von Sandro Schwarz. Und ohne solche Balleroberungen in der Hälfte des Gegners ist ein effizientes Umschaltspiel so gut wie nicht möglich. Drei Tage vorher gegen Hoffenheim war das anders, weil der Gegner viel offensiver ausgerichtet war, höheres Risiko ging im eigenen Spielvortrag. Hertha BSC tat dies nicht. Die Berliner verteidigten im Block hinter der Mittelinie, liefen die 05er im Aufbau so gut wie nicht an in vorderster Reihe. Und die Mainzer fanden selbst keine Sicherheit im Aufbauspiel, spielten zu unpräzise im eigenen Ballbesitz, zu viele unsaubere Pässe, fanden keinen Lücken im sich ständig verschiebenden Defensivgeflecht. Auffällig besonders in der ersten Halbzeit, die ohne nennenswerte Offensivaktionen auf beiden Seiten verlief: Die Hertha mit bereits acht Punkten im Gepäck angereist, scherte sich nicht darum, dass sie nicht zum Abschluss kam, keinen einzigen Torschuss hatte. Der Gegner verteidigte selbstbewusst und ungerührt, wartete ab. Den 05ern, die Heimniederlage und den dünnen Punktestand im Hinterkopf, raubten die misslungenen Versuche zunehmend Leichtigkeit und Selbstvertrauen. „Wir wussten, dass es schwierig wird und nicht vergleichbar mit dem Mittwochspiel. Wir hatten nicht die zwingenden Offensivaktionen. Es war klar, dass wir wenige Torchancen bekommen würden, weil der Gegner im 4-4-2 sehr gut organisiert ist und kaum Raum anbietet“, sagte Sandro Schwarz nachher. „Du brauchst eine Kontrolle im Spiel, die hatten wir nicht. Und dann ist es schwierig nach vorne zu kommen, weil wir auch keine richtige Ballsicherheit hatten. Insgesamt als Mannschaft hätten wir die Dinge besser lösen können, wenn wir die Kugel hatten. Wir wissen aber, dass es gegen Hertha häufig so ist, weil sie sehr gut und eng verteidigen. Da musst du erst mal die Dinge regeln und durchkommen. Mit dem Wissen, du hast am Mittwoch viele Körner gelassen.“

Der Gegner, so der 05-Trainer, habe mit einem flacher Sechser gespielt und darüber oft das Spiel verlagert, die Stürmer oft in die Halbräume zurückgezogen. „Da waren wir oft in Unterzahl. Irgendwann haben wir überlegt auf 4-2-3-1 umzustellen, aber dann hat sich das Gefühl durchgesetzt, irgendwie die Dinge mal auszuhalten, ohne Torchancen wegzuschenken. Sie hatten zwar den Ball im Zentrum, wo sie verlagern konnten, aber eigentlich nicht in torgefährlichen Räumen. Das hat das Gefühl bestätigt, dass wir es so lassen. Unsere Sechser haben dann nach der Pause mutiger nach vorne verteidigt und dann auch mehr Bälle erobert“, erklärte der 38-Jährige. „Im Defensivverbund hatten wir weitestgehend alles im Griff, ohne die Balleroberungen zu haben. In der zweiten Halbzeit war alles aktiver bei uns. Da war die Arbeit gegen den Ball sehr gut. Wir haben die Umschalter und Ballpassagen besser ausgespielt. Und wir hatten die entscheidende Balleroberung in der gegnerischen Hälfte mit der Aktion, die zum Elfer geführt hat.“ Das Fazit des Trainers: „Wenn wir drei Tage vorher ein so schwieriges Spiel unglücklich verlieren und dann so ein enges Spiel auf unsere Seite ziehen, ist das extrem wichtig für uns.“

Schwarz hatte sein Team erneut mit dem auch zuletzt praktizierten 3-4-3 ins Rennen geschickt. Mit Jean-Philippe Gbamin, Stefan Bell und Abdou Diallo in der hintersten Reihe. „Wir wussten, dass viele Flanken reinkommen von der Seite. Das Kriterium war, dass wir einen sicheren Innenverteidiger  mehr reinnehmen wollten um Vedad Ibisevic zu verteidigen“, sagte Schwarz. Das gelang gut. Das Innenverteidiger-Trio gewann so gut wie alle Defensivkopfbälle vor dem eigenen Tor, ließ insgesamt nur eine Tormöglichkeit der Berliner zu. Einen Schnittstellenpass auf Ibisevic, der von den Sechsern hätte besser verteidigt werden können. Den einzigen Schuss aufs 05-Tor wehrte René Adler ab. Dass vom eigenen Offensivspiel wenig Gefahr ausging, stellte der 05-Trainer nicht mit der gewählten Grundordnung in Zusammenhang. „Es wäre auch im 4-2-3-1 sehr schwer gewesen zu Torchancen zu kommen, weil die Hertha alles sehr gut verteidigt.“

Am Ende hat’s funktioniert. Der zweite Saisonsieg ist unter Dach und Fach. Sechs Punkte auf dem Konto. Das steht in dieser schwierigen Saisonphase erst einmal über allem. Und solche Spiele zu gewinnen, gehört auch dazu in der Entwicklungs- und Findungsphase der Mannschaft. „Egal, ob das unattraktiv ist. Das interessiert dann nicht mehr. Wir wollten die drei Punkte mitnehmen. Das haben wir geschafft“, sagte 05-Kapitän Stefan Bell.  

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