Frühem Zauber folgt nicht viel

Christian Karn. Mainz.
Filip Djuricic erwischte mit seiner Nationalmannschaft einen Topstart ins Qualifikationsspiel gegen Dänemark. Danach aber kam nicht mehr viel von den Serben. Am Ende muss der Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05 froh sein, dass es diesmal fast unmöglich ist, nicht bei der Europameisterschaft dabei zu sein; nach dem 1:3 hat Serbien weiterhin erst einen Punkt.

Die erste Phase der Europameisterschafts-Qualifikation kann Serbien getrost als verpatzt betrachten. Mit einem Punkt aus drei Spielen steht die Mannschaft um den Mittelfeldspieler Filip Djuricic vom FSV Mainz 05 auf dem vorletzten Tabellenplatz der Gruppe I - und das nur aufgrund von Toren, die überhaupt nicht gefallen sind.

Filip Djuricic leitete das 1:0 ein und bereitete eine weitere frühe Chance vor, wurde dann aber aus dem Spiel gedrängt und zur Halbzeit ausgewechselt. Foto: Jörg Schneider

Dem 1:1 zum Auftakt gegen den Tabellenletzten Armenien folgte das kurz vor der Halbzeit beim Stand von 0:0 abgebrochene Skandalspiel gegen Albanien. Das Urteil der UEFA: Das Spiel wurde 3:0 für die Serben gewertet, weil die Albaner den Abbruch verschuldet hatten, aber darüber hinaus wurden den Serben drei Punkte abgezogen, weil sie mal wieder ihr Publikum nicht im Griff hatten. Die drei Phantomtore braucht Serbien, um in der Tabelle vor Armenien zu stehen.

Am Freitagabend wollten die Serben im leeren Partizan-Stadion in Belgrad - nach dem Zirkus beim letzten Heimspiel musste das Spiel ohne Publikum stattfinden - die Wende schaffen; das war nicht nur Binsenweisheit, das war zu sehen. Von Anfang an im Mittelpunkt: Filip Djuricic.

Mit der ersten aufregenden Szene hatte der 05-Spieler nichts zu tun: Nach 14 Sekunden gab es an der Seitenlinie das erste grobe Foul (Lasse Vibe an Dusan Tadic) und die erste kleine Rudelbildung - oft kam es dazu in den folgenden gut 90 Minuten nicht mehr. Und in der vierten Minute ging von Djuricic das 1:0 aus: Beim Versuch, den langen Querpass des Mainzers anzunehmen, wurde Nemanja Gudelj auf der Strafraumlinie umgestoßen; der Mann vom AZ Alkmaar leitete im Fallen den Ball aber noch auf den freistehenden Zoran Tosic weiter und der Mittelfeldspieler von ZSKA Moskau brachte Serbien in Führung.

Kaum später bereitete Djuricic auch die zweite große Chance der Serben vor; sein Pass auf Danko Lazovic sah allerdings eher wie ein verunglückter Schuss aus. Djuricic wollte wohl volley aufs kurze Eck schießen, erwischte den Ball nicht richtig und ermöglichte Lazovic in dessen Heimstadion einen Fallrückzieher, den der dänische Torhüter Kasper Schmeichel aber hielt (7.).

Und dann legten die Dänen los. Mit wunderbaren Angriffen, Kombinationen, an denen oft Nicklas Bendtner vom VfL Wolfsburg beteiligt war. Es gab nur gelegentliche Entlastung für Serbien, aber keine Torchancen mehr. Dass diese das 1:0 in die Halbzeit brachten, lag am erfahrenen Torwart  Vladimir Stojkovic von Maccabi Haifa - und am Zufall.

Die zweite Hälfte begann ohne Djuricic, dem nach den beiden frühen Szenen nicht mehr viel gelungen war. Die Dänen stürmten weiter, hatten Chancen, Chancen, Chancen und nach einer Stunde ihren Doppelschlag: Bendtner traf mit einem Abstauber (60.), zwei Minuten später hatten die Serben bei einem langen Freistoß am entfernten Pfosten den Ex-Wolfsburger Simon Kjaer nicht auf der Rechnung - 2:1 für Dänemark, gefolgt von einem Lattenschuss auf der einen Seite (Lazovic, 64.) und einem Lattenschuss auf der anderen (Peter Ankersen, 65.).

Die Serben fanden jetzt ihre Offensive wieder, wollten das 2:2 erzwingen, erzwangen zumindest einige Gelbe Karten für Dänemark, aber die Wende schafften sie nicht mehr. Statt dessen traf Bendtner aus knapper Abseitsposition zum 3:1 (85.) - die Entscheidung in einem flotten, unterhaltsamen Spiel.

Die Serben haben erst im kommenden Jahr die nächste Chance auf ihren ersten richtigen Sieg in dieser Qualifikation. Am Dienstag treten sie in einem Testspiel gegen Griechenland an. Die Mannschaft des Mainzer Ersatztorwarts Stefanos Kapino hat heute ebenfalls verloren - 0:1 gegen die Färöer. Kapino spielte nicht mit.