Frust nach „vermaledeitem Ausgleich“

Jörg Schneider. Mainz.
Niko Bungerts Kopfballtor reichte nicht für den ersten Sieg des FSV Mainz 05 zum Auftakt der Gruppenphase in der Europa League. AS Saint-Etienne rettete am Ende einen glücklichen Punktgewinn vor 20.275 Zuschauern in der Opel Arena. „Sehr ärgerlich“, sagte der Kapitän des Bundesligisten nachher. „Mit etwas mehr Cleverness hätten wir uns die ersten drei Punkte erarbeiten können. Es wäre verdient gewesen, denn wir haben im gesamten Spiel keine großen Chancen zugelassen. Und dann geht die erste rein, obwohl das eigentlich auch gar keine Torchance war.“ Die Stimmen zum Spiel.

Da war's passiert: Stefan Bell verlor in der Mitte das Kopfball-Duell, Niko Bungert und Jonas Lössl kamen nicht mehr hin, um Robert Beric entscheidend zu stören. AS Saint-Etienne schaffte noch den Augsleich. Foto: Imago  Sie waren sehr nahe dran am ersten Sieg in einem Gruppenspiel der Europa League. Das Kopfballtor von Kapitän Niko Bungert schien dem FSV Mainz 05 eine perfekte Premiere auf dem internationalen Parkett zu bescheren. Doch am Ende reichte der AS Saint-Etienne noch ein gewonnenes Kopfballduell und ein Moment der Unaufmerksamkeit in der 05-Abwehr, um ein glückliches 1:1 mit nach Frankreich zu nehmen. Glücklich auch deshalb, weil der norwegische Schiedsrichter Svein Oddvar Moen dem Bundesligisten zwei relativ klare Elfmeter verweigerte. „Ich glaube, wir haben trotzdem wirklich ein sehr gutes Spiel gemacht. Der erste internationale Auftritt war hervorragend aus meiner Sicht“, sagte Harald Strutz. „Dann haben wir natürlich einmal nicht aufgepasst. Das reicht im Fußball, um diesen vermaledeiten Ausgleich zu kriegen. Die Mannschaft hat aber eine sehr gute Leistung gezeigt. Es ist etwas enttäuschend, denn es wäre ein perfekter Auftakt gewesen. Wenn man weiterkommen will, muss man die Heimspiele gewinnen, aber dennoch sollten wir uns jetzt nicht entmutigen lassen. Die Stimmung heute im Stadion fand ich grandios. Die Choreografie war unfassbar gut. Das war ein toller Auftakt für den Verein in Europa“, erklärte der 05-Präsident.

„Wir sind Sportler, wir wollen Spiele gewinnen“, sagte Rouven Schröder nachher leicht frustriert. „Von daher ist es sehr, sehr ärgerlich, dass wir kurz vor dem Ende noch das Gegentor bekommen haben. Weil die Jungs ein gutes Spiel gemacht, vor allem defensiv sonst sehr konzentriert gearbeitet haben. Nach den vier Gegentoren gegen Hoffenheim wäre ein 1:0-Sieg das perfekte Ergebnis gewesen, ein perfekter Auftakt in die Europaliga. Das ist dann wirklich ärgerlich, dass du diesen letzten Standard nicht gut verteidigst. Der Kopfball geht quer und genau zwischen Torwart und Abwehrspieler, der Schütze rutscht mit einem langen Schritt rein. Vielleicht muss man da noch aggressiver verteidigen, sich einfach nochmal pushen und den Dreier nach Hause fahren mit aller Macht“, so der Mainzer Sportdirektor. „Sonst war es unter dem Strich ein sehr positiver Auftakt. Das ist auch ein Lernprozess für die Truppe. Wir bleiben aber optimistisch und positiv gestimmt. Man hat gesehen, dass Saint-Etienne nicht so eine Großmacht ist, dass wir mit fliegenden Fahnen aus dem Stadion rennen müssen. Wir hätten sehr gerne gewonnen.“

Stefan Bell war derjenige, der das Luftduell in der 88. Minute verlor, das zum Ausgleich führte. „Wirklich dumm gelaufen. Ärgerlich. Natürlich sind wir nun im ersten Moment sehr enttäuscht“, sagte der Innenverteidiger später. „Es war etwas Besonderes dieses erste Euro-League-Spiel. Die Stimmung war überragend. Die 20.000 haben mehr Lärm gemacht als oft ein ausverkauftes Stadion. Wir hatten am Anfang direkt Balleroberungen, sind den Gegner hoch angelaufen und haben damit das Stadion auf unsere Seite gezogen. Das hat uns das Gefühl gegeben, dass wir drin sind. Wir haben eigentlich das ganze Spiel über nichts zugelassen, auch wenn der Gegner in etlichen Phasen mehr Ballbesitz hatte. Es war zu keiner Zeit eigentlich ein Problem, dass der Gegner zu Chancen gekommen wäre oder wir die Kontrolle übers Spiel verloren hätten. Das Frustrierende ist, wir spielen gut, haben um einiges besser verteidigt als gegen Hoffenheim. Im Moment ist es so, dass auch Halbchancen irgendwie hinten reinkullern. Das war diesmal leider wieder so.“

Das 1:1 sei trotz allem ein guter und wichtiger Punkt, meinte der 05-Trainer. „Mit einem Punkt zu starten ist prinzipiell gut.  Wenn er so zustande kommt, trauert man jedoch den zwei verlorenen Zählern natürlich hinterher. Momentan ist es gerade so, dass uns das letzte Quäntchen Glück noch fehlt, solche Spiele auch zu gewinnen. Doch das Glück muss man sich erkämpfen“, sagte Martin Schmidt. „Da sind wir vielleicht noch nicht ganz so drin wie letztes Jahr, als wir selten was zugelassen haben, wenn wir vorne lagen. Das Wettkampfglück müssen wir uns wieder erkämpfen. Ich glaube aber, wir sind da auf einem guten Weg. Da war diesmal eine andere Schärfe drin in unserem Spiel als noch ein paar Tage zuvor. Wir wollten in Führung gehen, wir wollten das Spiel gewinnen. Es war ein schönes Tor von Niko Bungert als Kapitän. Das erste Europaliga-Tor war eine gute Sache für ihn. Wir haben es gut verteidigt. Es wurde eigentlich nie richtig gefährlich, bis auf diesen Freistoß kurz vor Schluss. Gegen eine solch robuste Mannschaft in den Zweikämpfen drin zu sein und das meiste zu kontrollieren, den Gegner fast komplett vom Tor wegzudrücken war gut. Hinten raus hat man die Erfahrung eines Teams gesehen, das schon häufiger in der Euro League gespielt hat: Einfach spielen, hoch in den Sechzehner rein, große Stürmer einwechseln und das Tor noch erzwingen.“

Schmidts französischer Kollege ließ dagegen kein gutes Haar an seiner Mannschaft. Der ASSE-Trainer hatte sich erheblich mehr erhofft in Mainz. „Wir waren eine Stunde total abwesend. Wir haben vergessen, was es notwendig ist, um  Europaliga zu spielen. Wir müssen einfach mehr zeigen auf internationalem Niveau. Mainz hat gezeigt, was es auf diesem Niveau braucht“, sagte Christophe Galtier.

Für den 05-Kapitän hätte es ein großer Abend werden können. Sein Kopfballtreffer, das erste Gruppenphase-Tor in der Vereinsgeschichte, reichte am Ende nicht für den Premieren-Sieg in der Europaliga. „Wir waren gut vorbereitet auf diese Partie. Die Freude über das erste Tor war groß. Wir haben uns das mit der Zeit auch erarbeitet, hatten die Kontrolle und haben folgerichtig das Tor gemacht. Leider haben wir uns am Ende etwas zu passiv gegeben und noch das Gegentor kassiert. Das ist sehr ärgerlich. Mit etwas mehr Cleverness hätten wir uns die ersten drei Punkte erarbeiten können. Es wäre verdient gewesen, denn wir haben keine großen Chancen zugelassen. Und dann geht die erste rein, obwohl das eigentlich auch gar keine Torchance war“, erklärte Niko Bungert.

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