Ganz schön spannend: Die Geschichte von Niki Zimlings Blitztransfer

Jörg Schneider. Mainz.
Niki Zimlings Blitzwechsel zu Ajax Amsterdam in der Nachspielzeit der Transferperiode kam auch für die Beteiligten beim FSV Mainz 05 am Montagabend völlig überraschend. Der erste Kontakt mit Marc Overmars, dem Manager des niederländischen Spitzenklubs, erfolgte um 18.30 Uhr. Der Anruf des früheren Nationalspielers löste hektische Betriebsamkeit aus. Um 22.30 Uhr war der Deal perfekt. Wie kann das gehen? Ganz einfach: In Holland gibt es keine Transferliste, und der niederländische Fußballverband hat den Zeitpunkt, an dem alle Verträge eingegangen sein müssen, nicht wie in Deutschland auf 18 Uhr festgesetzt. Im Nachbarland war erst um Mitternacht Feierabend.

Niki Zimling (am Ball) spielt jetzt für Ajax Amsterdam. Foto: Jörg SchneiderAm Montagnachmittag hieß es am Mainzer Bruchweg, das Thema Transfer sei abgeschlossen. Fristgerecht. Bis 12 Uhr am Mittag mussten alle Neuverpflichtungen, die der Bundesligist auf den letzten Drücker noch an Land gezogen hatte, auf der Transferliste angemeldet sein, um eine Spielberechtigung für die Profis zu erhalten Die DFL gab den Vereinen dann die Zeit bis 18 Uhr, alle Verträge und Unterlagen der Frankfurter Zentrale zuzustellen. Und dann verkündete Ajax Amsterdam am späten Abend die Verpflichtung von Niki Zimling und dass der Klub den 29-jährigen Dänen für ein Jahr mit Kaufoption ausgeliehen habe. Wie war das möglich?

Überraschender Anruf von Overmars

Die Geschichte ist eigentlich ganz einfach: Deutschland ist das einzige Land, das eine Transferliste führt und dafür die Anmeldefrist auf 12 Uhr mittags festgelegt hat. Außerdem ist jeder Landesverband innerhalb der Fifa selbst verantwortlich für den genauen Zeitpunkt, wann das Transferfester endgültig geschossen wird. Der Königliche Niederländische Fußball Bund (KNVB) fordert von seinen Vereinen den Eingang aller Vertragsunterlagen nicht wie in Deutschland bis 18 Uhr ein, sondern hat die Frist auf den 1. September um Mitternacht festgelegt. Die Engländer verfahren im Übrigen nach demselben Muster.

Das sagt Niki Zimling zum Wechsel

„Ich freue mich sehr, dass ich nun für einen großen Club und international spielenden Club wie Ajax Amsterdam auflaufen darf. Gleichzeitig bin ich traurig darüber, Mainz 05 und die vielen fantastischen Menschen im Verein und im Umfeld des Clubs zu verlassen, die meine Zeit hier so schön gemacht haben.“

Die Überraschung bei Christian Heidel und Axel Schuster war groß, als sich plötzlich Ajax Amsterdam meldete, nachdem das 05-Management fristgerecht alle Vertragsunterlagen bei der DFL eingereicht hatte und anschließend mit einem Feierabendbier auf das Ende der besonders zum Schluss hektischen und nervenaufreibenden Transferperiode anstieß. „Der Anruf von Marc Overmars kam um 18.30 Uhr“, berichtet Axel Schuster, der 05-Teammanager. Overmars, früherer Nationalspieler und aktuell Sportdirekter bei Ajax, fragte bei den 05ern nach, ob sich der Bundesligist vorstellen könne, Niko Zimling noch auszuleihen. Overmars, der am Montag noch den Transfer von Nationalspieler Daley Blind zu Manchester United eingetütet hatte, war bei der Suche nach einem erfahrenen Mittelfeldspieler auf den Dänen im Mainzer Kader gekommen.

Die 05er erklärten dem Holländer, das hänge davon ab, ob Zimling selbst willens sei, kurzfristig nach Amsterdam zu wechseln. Es folgte hektische Betriebsamkeit mit regem Telefon- und Mailverkehr zwischen den Vereinen, dem Spieler und dessen Berater Ivan Benes, der am Nachmittag noch am Bruchweg gewesen war und sich dann aber im festen Glauben, die Transfergeschichte sei zu Ende, in einen Kurzurlaub verabschiedet hatte. Benes war seinerzeit auch der Berater von Mohamed Zidan und vertritt aktuell auch den Rechtsaußen des FC Nordsjaelland, Uffe Bech, der am Bruchweg eine Option gewesen wäre, hätte der Wechsel von Jairo nach Mainz nicht funktioniert.

Zimling, der aufgrund der Mainzer Transferaktivitäten und seiner aktuellen Rolle als Ersatzspieler offenbar keine große Perspektive mehr gesehen hat im Kader von 05-Trainer Kasper Hjulmand, ist sich anscheinend schnell einig geworden. Auch die 05er stimmten den Modalitäten zu (die Ausleihgebühr soll bei rund einer halben Million Euro liegen, die Kaufoption bei etwa zwei Millionen) und um 22.30 Uhr war mit Ajax alles klar. Die 05er schickten alle relevanten Verträge unterschrieben per Email nach Amsterdam.

Fenster in Österreich, Russland und Türkei noch offen

Kurz vor Mitternacht reichte Overmars die Unterlagen beim KNVB ein – der Deal war perfekt. Zimling musste deshalb nicht auf die Transferliste, weil er ins Ausland wechselt und nur den Regeln und Pflichten des aufnehmenden Verbandes unterliegt. Die 05er mussten nur die DFL davon unterrichten, dass der bis Juni 2017 laufende Vertrag durch das Ausleihgeschäft verändert wurde.

Der FSV Mainz 05 kann nun definitiv keinen neuen Spieler mehr holen. Beziehungsweise Christian Heidel könnte zwar noch weitere Profis verpflichten, würde jedoch nach dem Ende der Transferperiode in diesem Jahr keine Spielgenehmigung mehr erhalten - es sei denn, sie stünden ohnehin bei keinem Klub mehr unter Vertrag. Rein theoretisch könnten jedoch immer noch 05-Profs abspringen. Möglich wäre das aufgrund der unterschiedlich festgelegten Fristen einiger Landesverbände. In Österreich schließt das Fenster heute um Mitternacht. In Russland und der Türkei gehen die Jalousien erst am 6. September runter.

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