Gebt ihm ein H!

Irmela Heß. Mainz.
Sie ist in diesen Tagen selten in Mainz zu hören. Denn die Humba wird nur gesungen, wenn der FSV Mainz 05 gewonnen hat und das Humba Täterä hat seine große Zeit erst in einigen Wochen. Aber ein bisschen stolz können die Mainzer trotzdem sein. Denn einer von ihnen, der heute im Musikerhimmel seinen 100. Geburtstag feiert, hat das Lied komponiert: Toni Hämmerle. An ihn soll an dieser Stelle erinnert werden. Denn sein Hit hat ebenfalls Geburtstag: Vor 50 Jahren kletterte „Humba Täterä“ unter die Top 20 der deutschen Schlager.

Humba Täterä

Man hört so oft, die Blasmusik ist heut nicht mehr modern,
und trotzdem hör' ich sie halt immer wieder gern.
Denn überall wo Blasmusik erklingt, ihr lieben Leut',
ja da herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit.

Ja da geht's humba humba humba täterä, täterä, täterä.
Ja da geht's humba humba humba täterä,
dann ruft der ganze Saal: Das Selbe noch einmal!

Und schießt bei uns der Sportverein am Sonntag mal ein Tor,
steht alles auf den Kopf, denn das kommt selten vor.
Dann geht es mit hipp hipp hurra ins Dorf vom Fußballplatz
und im Vereinslokal gibt's dann Rabatz.

Ja da geht's humba humba humba täterä, täterä, täterä.
Ja da geht's humba humba humba täterä,
dann ruft der ganze Saal: Das Selbe noch einmal!

Toni Hämmerle, der Komponist des "Humba Täterä", kam heute vor 100 Jahren auf die Welt. Foto: privatWenn Toni Hämmerle nicht gewesen wäre, hätten wir heute weniger Fastnachtssongs – und wir hätten vermutlich die Humba im Stadion nicht. Vielleicht müssen wir aber auch Anatoli Grigorjewitsch Nowikow danken, der die Musik zum Weltjugendlied schrieb, die Hämmerle angeblich inspiriert hat. Egal. Das Ergebnis zählt. Und das hat vor 50 Jahren das Publikum der Fernsehsitzung „Mainz wie es singt und lacht“ derart in Stimmung und Schwingung gebracht, dass es nicht mehr aufhören wollte zu singen. 

Toni Hämmerle hatte am Mainzer Peter Cornelius-Konservatorium Musik studiert und arbeitete seit 1933 als Musiklehrer. Im Krieg verlor er seine Sehkraft, zog mit seiner Frau Tina nach Gießen um und arbeitete dort später als Telefonist. Doch die Verbindung nach Mainz riss nicht ab. Und täglich setzte er sich ans Klavier - eines seiner Instrumente ist noch heute im Mainzer Fastnachtsmuseum zu sehen - und komponierte. Seine ersten Lieder nahm er auf Tonband auf, für die sich aber erst mal niemand interessierte.

Dann hörte Hämmerle in der Kampagne 1952 den Mainzer Dachdecker Ernst Neger singen und schickte ihm zwei Lieder. Das war die Geburtsstunde des erfolgreichen Paars Hämmerle/Neger und vieler Hits, die bis heute in Fastnachtstagen zu hören sind, unter anderem: „Hier am Rhein geht die Sonne nicht unter“, „Gell, du hast mich gelle gern“, „Auf einmal ist man fünfzig“, „Mit dem Herz musst Du immer dabei sein“. Hämmerle komponierte dann auch Lieder speziell für Margit Sponheimer, für Paul Kuhn, Camillo Felgen und Ralf Bendix.

Dass er bescheiden und humorvoll auch im Hinblick auf seine Blindheit war, ist in vielen Geschichten überliefert, die man unter anderem in den biographischen Aufzeichnungen Margit Sponheimers nachlesen kann. So soll er einem befreundeten Busfahrer, der ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er eine schwarze und eine braune Socke trug, geantwortet haben: „Stell‘ Dir vor: Zuhause habe ich noch so ein Paar.“ Und heute zeugt ein „Ponyhof Toni Hämmerle e.V.“ in Ahlen noch davon, dass er auch andere Menschen – dort Kinder mit Sehbehinderungen - unterstützte.

Aber zurück zum „Humba Tätärä“. Das war so bekannt, dass angeblich Entwicklungshelfer in Afrika Einheimische aufklären mussten, dass es sich dabei nicht um die deutsche Nationalhymne handelte.

Mainzer Liedgut lateinamerikanisch interpretiert: Elkin Soto bei der Humba. Foto: imagoWie es der Riesenhit, als Hämmerle schon lange tot war (er starb 1968), ins Mainzer Bruchweg-Stadion geschafft hat? Und wer genau die Form der Präsentation mit dem Aufrufen der einzelnen Buchstaben im Zwiegesang zwischen Spieler und Fans erfunden hat? Das lässt sich kaum rekonstruieren. Fakt ist: Von Mainz aus zog das Lied in die Welt - und als Humba-Ritual in viele andere Fußballstadien). Toni Hämmerle hätte das bestimmt gefallen. Und vielleicht erschallt das nächste oder die nächste Humba dann ein wenig lauter …. auch als Dankeschön an seinen „Erfinder“.