Geduldig sein und bereit für den Moment

Jörg Schneider. Mainz.
Im Auswärtsspiel am Samstag beim SV Darmstadt 98 kann Trainer Martin Schmidt personell aus dem Vollen schöpfen. Derzeit gibt es im Kader des FSV Mainz 05 nur zwei Profis, die nicht im Mannschafstraining stehen und bei denen ungewiss ist, wann sie als ernsthafte Kandidaten für einen Kaderplatz in Frage kommen: Karim Onisiwo kann wegen seiner hartnäckigen Fußverletzung noch immer nicht gegen den Ball treten. Im Fall von Emil Berggreen haben die 05er die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der Däne gegen Ende der Saison noch zu dem einen oder anderen Kurzeinsatz kommen kann.

Seit André Ramalho vom zentralen Mittelfeld auf die Innenverteidiger-Position gerückt ist und dort einen Stammplatz behauptet, hat sich die Anzahl der Abwehrspieler im Kader des FSV Mainz 05 auf neun Profis erhöht. Das bedeutet für die Mehrzahl der 05-Verteidiger, dass sie viel Geduld aufbringen müssen. Im Moment sieht der Trainer des Bundesligisten wenig Veranlassung, seine hintere Viererkette auseinanderzureißen. „Unsere Defensive steht aktuell gut“, sagt Martin Schmidt. Die 05er kassierten seit der Niederlage in Hoffenheim keine Gegentore mehr aus dem Spiel heraus. Die Treffer gegen Werder Bremen und zuletzt der frühe Rückstand beim 1:1 gegen den VfL Wolfsburg resultierten aus Standardsituationen. Der qualitativ stark besetzte Wolfsburger Angriff schaffte es zuletzt ebenso wie eine Woche zuvor Bayer Leverkusen nicht, gegen die Mainzer Abwehr eine klare Torchance herauszuarbeiten. „Da möchte ich ohne Not nichts umstellen“, erklärt der 05-Trainer.

Die Reihe mit Giulio Donati, Stefan Bell, Ramalho und Gaetan Bussmann hat sich derzeit festgespielt. Daniel Brosinski, die ganze Saison über Startelf-Spieler, saß zuletzt genau wie Niko Bungert 90 Minuten lang auf der Bank. Alexander Hack unterstützt derzeit das Team der U23 im Abstiegskampf der Dritten Liga. Dort half auch Leon Balogun nach überstandener Verletzung aus. Der Verteidiger kassierte allerdings beim 3:1-Sieg gegen Preußen Münster die Gelb-rote Karte, war zuletzt gesperrt und könnte es nun im Auswärtsspiel bei seinem Ex-Klub Darmstadt 98 am Samstag erstmals in diesem Jahr wenigstens wieder auf die Bank schaffen. Der junge Marin Sverko war zunächst in die U19 abkommandiert und hatte zuletzt ebenfalls zwei 90-Minuten-Auftritte als Linksverteidiger in der Elf von Sandro Schwarz. „Ich würde auch gerne mal Brosinski wieder spielen lassen und auch Bungert, aber solange wir so solide verteidigen und aus dem Spiel heraus keine Tor kriegen, zerhacke ich das nicht“, sagt Schmidt. „Das müssen die Spieler einsehen und sie sehen das auch ein. Die haben die Professionalität und erkennen, dass der Coach da nicht viel ändern kann.“ Intensiv arbeiten, gut trainieren, sich anbieten und wenn es soweit ist, bereit sein - das ist das Los der Reservisten.

An dieser Situation hat sich wenig geändert: Schon seit dem Trainingslager in Marbella steht für Karim Onisiwo und Emil Berggreen Jogging im Vordergrund. Foto: Jörg Schneider Im Derby in Darmstadt könnte sich die Viererkette unter Umständen aus taktischen Erwägungen heraus verändern. Schmidt hat diese Woche im Training in einigen Spielformen Ramalho wieder auf die sechs vorgezogen. In einer Partie, in der damit zu rechnen ist, dass die Mainzer größere Ballbesitzzeiten kriegen, sei dies eine Option, den spielstarken Brasilianer eventuell nach vorne zu ziehen. Da sich auch Suat Serdar nach langer Verletzungspause im Training wieder topfit präsentiert und auf einen Einsatz drängt, ist im Mittelfeld der Konkurrenzdruck wieder groß: Danny Latza und Fabian Frei behaupteten zuletzt die Doppelsechs, Jean-Philippe Gbamin und Serdar oder eben Ramalho sind ebenfalls in der Verlosung fürs Derby.

Im Mannschaftstraining fehlen momentan nur zwei Spieler, bei denen ungewiss ist, wann sie als ernsthafte Kandidaten für einen Kaderplatz in Frage kommen: Karim Onisiwo und Emil Berggreen. Onisiwo, in der Vorrunde lange Zeit Stammspieler im Angriff, hat sein letztes Spiel im Dezember im Derby gegen Eintracht Frankfurt absolviert. Seitdem plagt den Österreicher ein Knochenödem am Fuß. Der schnelle Flügelmann hat die komplette Vorbereitung verpasst und fühlt sich augenblicklich mehr als Leichtathlet, denn als Fußballer. „Karim ist läuferisch aufbelastet und war nahe am Teamtraining dran. Dann geht er ins Balltraining und spürt sofort wieder diesen Druckschmerz auf dem Fuß“, erklärt Schmidt. „Da bringt es nichts weiter zu gehen, sonst entzündet es sich wieder und er muss wieder hinten anstehen. Erst bei völliger Schmerzfreiheit kann er gegen den Ball treten. Darauf warten wir im Moment.“ Keine einfache Situation für den Stürmer. „Er ist topfit, kann aber einfach nicht gegen den Ball treten. Das ist das, was ihn im Kopf belastet. Man könnte Medikamente geben, damit könnte er spielen, aber das bringt ja auf Dauer auch nichts.“

Im Fall von Emil Berggreen haben die 05er die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der Däne gegen Ende der Saison noch zu dem einen oder anderen Kurzeinsatz kommen kann. Der Heilungsprozess des Mittelstürmers sei gut sieben Monate nach dessen Kreuzbandriss im Prinzip im Plan. Auch wenn sich der Einstieg ins Mannschaftstraining verschoben habe. Berggreen sollte im März komplette Einheiten mit dem Team absolvieren. Doch aufgrund von Schmerzen an der Operationsnarbe musste der Stürmer wieder rausgenommen werden aus der Belastung. „Das wird jetzt wieder gesteigert und aufbelastet“, sagt Schmidt. „Aber natürlich, wenn Mitte Mai Schluss ist mit der Saison und du jetzt zwei, drei Wochen verloren hast, verlierst du das hinten raus auch. Ich will aber nicht sagen, dass die Saison für Emil zu Ende ist. Es ist alles gut, im Knie ist alles top. Die Muskulatur ist auftrainiert. Er war sogar läuferisch schon soweit. Er ist im Kopf klar, er ist dabei. Das Ziel bleibt, dass er hinten raus nochmal über die Bank kommt, mit Wettkampfgefühl in die Sommerpause geht und dann als vollwertiger Spieler in die Vorbereitung einsteigen kann.“

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