"Gemeinsam für Erinnerung und Vielfalt"

Christian Karn. Mainz.
Heute vor 72 Jahren befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Nicht alle der 8.000 Gefangenen, die noch am Leben waren, konnten gerettet werden, rund eine Million Menschen sind im Lager gestorben, mehrheitlich ermordet worden - unter ihnen Eugen Salomon, der zweite Präsident und wichtige Wegbereiter des jungen FSV Mainz 05 in dessen ersten Jahren, und weitere 05er. Auf Initiative des Fanprojekts Mainz und des integrativen Mainzer Fußballvereins FC Ente Bagdad wird das Bundesligaspiel der 05er gegen Borussia Dortmund am Sonntag dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet.

Eugen Salomon (hinten links) ist der Prominenteste unter den 05ern, die in Auschwitz ermordet wurden. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist auch zumindest ein Spieler in der hinteren Reihe im Konzentrationslager gestorben. Wie viele weitere 05er Opfer des Nationalsozialismus wurden, wird sich nicht mehr lückenlos aufklären lassen. Das Bundesligaspiel am Sonntag wird dem Gedenken an Salomon und alle anderen Ermordeten gewidmet.Es ist wirklich kein rundes Jahrestag, dass heute vor 72 Jahren von Krakau aus die Rote Armee der UdSSR nach Westen vorstieß, um im Konzentrationslager Auschwitz diejenigen zu befreien und zu retten, die noch gerettet werden konnten. Viele waren es nicht; noch bei Ankunft der Soldaten waren die SS und das Lagerpersonal damit beschäftigt, noch möglichst viele Spuren zu verwischen und - weil die Gaskammern zum Teil schon demontiert waren - die verbliebenen Gefangenen lebendig zu verbrennen. Insgesamt rund eine Million Menschen (was in etwa dem gesamten Publikum aller Heimspiele des FSV Mainz 05 in zwei kompletten Bundesligajahren entspricht) sind im Lager gestorben, mehrheitlich ermordet worden, etwa 8.000 waren noch am Leben, als die Rote Armee eintraf und sie befreite, etliche von ihnen waren nicht mehr zu retten.

72 Jahre mögen keine runde Zahl sein; der heutige Gedenktag spielt aber angesichts jüngster Bemühungen, die politische Rechte wieder gesellschaftsfähig zu machen, in diesem Jahr eine umso bedeutendere Rolle. Daher wird auch das Bundesligaspiel zwischen dem FSV Mainz 05 und Borussia Dortmund am Sonntag, 17.30 Uhr, in einen Rahmen zum Gedenken an die vielen Opfer des Nationalsozialismus gestellt - zu denen auch Persönlichkeiten aus dem Fußball zählten, unter anderem mit Eugen Salomon der zweite Präsident und wichtigste Wegbereiter des jungen FSV Mainz 05 sowie weitere Spieler, Funktionäre und Angehörige der 05er.

Vor dem Anpfiff der Partie werden Fans beider Vereine sowie Spieler des integrativen Mainzer Fußballvereins FC Ente Bagdad gemeinsam mit den Mannschaften ein großes Banner mit der Aufschrift "Gemeinsam für Erinnerung und Vielfalt" auf den Platz tragen. 05-Präsident Harald Strutz, sein BVB-Kollege Reinhard Rauball und Serge Salomon, der Enkel des Ur-05ers, werden in einer kurzen Ansprache der Opfer gedenken und zur Erinnerung mahnen.

Initiiert wurde das Gedenken vom Fanprojekt Mainz e.V. und Ente Bagdad, unterstützt von den beiden beteiligten Bundesligisten und der Initiative "Nie wieder - Erinnerungstag im deutschen Fußball". Sie soll verdeutlichen, dass Antisemitismus, Rassismus und Homophobie im Fußball keinen Platz haben. Und dass es schlimm genug ist, dass am Bruchweg einst Hakenkreuzfahnen geweht haben - am Europakreisel soll's nicht noch einmal so weit kommen.

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