Genug Euphorie für ein volles 05-Stadion?

Jörg Schneider. Mainz.
14 Punkte, ungeschlagen auf Platz drei nach acht Spieltagen. Vereinsrekord. Einen solch erfolgreichen Start in seine sechste Bundesliga-Saison in Folge hätte dem FSV Mainz 05 nach den unangenehmen Ergebnissen im Vorfeld und der erst spät abgeschlossenen Personallage kaum jemand zugetraut. Die Zufriedenheit im Klub ist groß und die Verantwortlichen sehen keinen Grund, angesichts der Begeisterung warnend den Zeigefinger zu heben. Im Gegenteil. Der 05-Manager wünscht sich, dass die Euphorie um das Team von Kasper Hjulmand noch ansteigt.

Gefragter Interviewgast: Ein angesichts der Situation gut gelaunter Christian Heidel. Foto: Jörg SchneiderKnapp 29.000 Zuschauer wollten kürzlich das Spitzenspiel der Bundesliga zwischen der TSG Hoffenheim und dem FSV Mainz 05 sehen, bei dem einer der beiden Kontrahenten vorübergehend die Tabellenführung der Bundesliga hätte übernehmen können. Nicht einmal 28.000 Besucher kamen nun zum Heimspiel gegen den FC Augsburg in die Coface Arena und sahen diesen 2:1-Sieg, mit dem sich die Mannschaft von Kasper Hjulmand auf Platz drei der Bundesligatabelle vorschob. Punkt- und torgleich mit den Hoffenheimern, hinter Spitzenreiter FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach.

Das Publikum reagiert noch zurückhaltend auf die 05er und deren jetzt aufgestellten vereinsinternen Startrekord. Möglicherweise haben die enttäuschenden Niederlagen in Europa- und DFB-Pokal zu einem abwartend-vorsichtigen Umgang mit den 05-Profis geführt. Auffallend ist die mangelnde Zugkraft der Mainzer schon. Denn inzwischen hat dieses Team die Negativergebnisse längst abgeschüttelt und präsentiert sich aktuell als eine der stärksten Mannschaften in der Liga. 14 Punkte nach acht Spielen. Noch immer ungeschlagen. Da wächst etwas, das die Verantwortlichen mit großer Zufriedenheit registrieren.

Nach dem Erfolg über die Augsburger war die Begeisterung auf den Rängen im Stadion jedenfalls groß, und auch der Manager sieht keinen Grund warnend den Zeigefinger zu heben, die aufkommenden Emotionen zu dämpfen. Ganz im Gegenteil. „Ich hätte nichts dagegen, wenn die Mainzer noch mehr in Euphorie verfallen würden. Dass die Stimmung noch besser wird, dass die Leute merken, was diese Mannschaft da treibt, und dass wir im nächsten Heimspiel gegen Werder Bremen ein volles Haus hätten.“

Punktausbeute mit neuer Wertigkeit

Das Team tue gerade vieles dafür. Und nach dieser schwierigen Zeit vor dem Saisonstart sei es begrüßenswert, wenn die Atmosphäre, die gesamte Stimmungslage noch enthusiastischer werde im Umfeld. „Wichtig ist, dass wir im Klub, die Mannschaft und der Trainer das Ganze richtig einschätzen“, sagt Heidel. Und das scheint der Fall zu sein. Nach dem Auftritt gegen den FC Augsburg redeten die Beteiligten mehr über die Mängel ihres Spiels, als dass sie den Erfolg hervorkehrten. Selbstkritik statt überschwänglichem Eigenlob.

„Solche Siege wie gegen diesen starken FCA sind fast die größten Siege. Wenn es spielerisch auf einmal nicht mehr läuft, und die Mannschaft bringt das Ergebnis mit großem Kampf und körperlichem Einsatz nach Hause. Das bringt dem Team ungeheuer viel“, sagt der 52-Jährige. „Wenn die Spieler nachher trotzdem unzufrieden sind, spricht das  für sie.“ Die bisherigen Ergebnisse der ersten acht Begegnungen und die Punktausbeute haben laut Heidel inzwischen eine neue Wertigkeit erhalten. „Wenn man sieht, wie locker Mönchengladbach in Hannover gewinnt und wie schwer sie sich gegen uns getan haben. Wenn man sich die Hoffenheimer betrachtet. Oder auch Paderborn und Frankfurt. Wir stehen nicht zufällig da, wo wir stehen.“

Er glaube schon, sagt Heidel, dass Mainz 05 inzwischen viele Spieler im Kader habe mit großer individueller Qualität. „Da muss die Mannschaft schon als Kollektiv versagen, wenn wir damit nicht in der Bundesliga bestehen. Wir haben gute Fußballer, einen guten Trainer und können durchaus erfolgreich sein in der Bundesliga. Das ist uns bewusst, und das haben wir auch nie in Abrede gestellt. Aber bei uns muss immer alles funktionieren, damit das so ist und so bleibt“, betont der 05-Manager.

Die Herausforderungen kommen noch

Die großen Herausforderungen stehen dem Team sicher noch bevor. „Es wird dann spannend, wenn es Rückschläge gibt“, sagt Heidel. „Ohne Probleme durch die Saison zu kommen, das gab es bei Mainz 05 noch nie, aber wir haben es immer wieder geschafft, da raus zu kommen. Die Herausforderung wird sein, wie die Mannschaft damit umgeht, wenn es mal zwei, drei Niederlagen gibt. Damit klarzukommen, war immer eine 05-Stärke. Das müssen Mannschaft und Trainer auch in dieser Runde wieder unter Beweis stellen.“

Diese 14 Punkte im Rücken, mit denen die 05er zum nächsten Spitzenspiel fahren, am Sonntag beim VfL Wolfsburg, sind jedenfalls schon mal ein echtes Pfund. „Ein guter Puffer“ sagt Heidel, „kein Polster. Ich bin immer froh, wenn der Abstand nach hinten recht groß ist. Nach acht Spielen ist das jetzt schon richtig viel.“ Selbst Borussia Dortmund liegt sieben Zähler hinter den Mainzern zurück. Zu den kritischen Tabellenrängen beträgt der Abstand acht Punkte. Jetzt gehe es darum, diese Grundlage kontinuierlich auszubauen, anstatt sich genüsslich darauf auszuruhen. „Da sehe ich aber kein großes Problem, denn unsere Mannschaft hat nicht diese Mentalität, sich auf etwas auszuruhen“, sagt der 05-Manager.

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