Genug für 14 Tage

Christian Karn. Mainz.
Es ging rund in der Opel Arena: Zwölf Sekunden war das Heimspiel des FSV Mainz 05 gegen den SC Freiburg erst alt, als es die erste von sieben Gelben Karten gab, 94:13 Sekunden waren vorbei, als Karim Onisiwo mit dem 4:2 die Partie entschied. Es war ein hektisches Spiel, ein Kampfspiel, ständig unterbrochen. Es gab eine Elfmeter-Wiederholung, es gab zwei verletzte Freiburger und zwei Gelbsperren für die 05er, es gab Yunus Mallis Rekordtor, Kopfballtore beider 05-Kapitäne, einen tragischen und am Ende doch glücklichen Held, es gab genug Szenen für 14 Tage - vor allem gab es nach den beiden Niederlagen vor der Länderspielpause einen zwar nicht immer souveränen, aber wichtigen Heimsieg.

FSV Mainz 05 - SC Freiburg 4:2 (2:0)

Samstag, 19. November 2016, 26.573 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Lössl - Donati, Bell, Bungert, Brosinski - Gbamin, Frei - Onisiwo, Malli (90+4. Jairo), de Blasis (76. Ramalho) - Córdoba (90. Balogun).
Reserve: Huth, Öztunali, Bussmann, Hack. Trainer: Schmidt.

SC Freiburg: Schwolow - Stenzel, Torrejón, Söyüncü, Föhrenbach (80. Möller Daehli) - Höfler, Abrashi - Frantz, Philipp (15. Petersen), Grifo - Niederlechner (82. Haberer) .
Reserve: Gikiewicz, Ignjovski, Gulde, Schuster. Trainer: Streich.

Schiedsrichter: Ittrich (Hamburg).

Tore: 1:0 Bungert (15., Malli), 2:0 Malli (20., wdh. Foulelfmeter, Söyüncü an Córdoba), 2:1 Grifo (67., Niederlechner), 3:1 Bell (82., Malli), 3:2 Petersen (85., Stenzel), 4:2 Onisiwo (90+5., Jairo).

Gelbe Karten: Bell, Frei, Onisiwo, Brosinski - Niederlechner, Söyüncü, Grifo.

Nach zwölf Sekunden war's schon abzusehen, dass das ein hektisches Spiel werden könnte zwischen dem FSV Mainz 05 und dem SC Freiburg. Vier Sekunden vorher hatte Florian Niederlechner, der Ex-Mainzer im Freiburger Team, seinem alten Kollegen Stefan Bell im Kopfballduell den Ellenbogen ins Gesicht gehauen, die Spielunterbrechung inklusiver Gelber Karte und Behandlungspause war fünfmal so lang wie die Spielzeit bis dahin. Und es blieb hektisch. Mindestens einmal, vielleicht zweimal glaubten die 05er das Spiel entschieden zu haben, zweimal kamen die Freiburger zurück. In der 95. Minute erst stellte Karim Onisiwo mit dem 4:2 den Sieg sicher. Bis dahin hatte es auf beiden Seiten viele Torchancen gegeben, viel Hektik, von Anfang an viele Freistöße, gegen Ende immer mehr Streit auf dem Spielfeld. Die Freiburger verloren zwei Mann durch Verletzungen, einer zumindest wird in diesem Jahr wohl nicht mehr spielen. Die 05er verloren nur kurzfristig zwei Spieler - Stefan Bell und Daniel Brosinski werden in Berlin wegen Gelbsperren fehlen.

Fünf Veränderungen gab es im 05-Team nach dem 1:3 in Leipzig und der Länderspielpause, drei davon in der Abwehr. Dort behielt nur Giulio Donati seinen Platz; die Kapitäne Niko Bungert und Stefan Bell kamen für Leon Balogun und Alexander Hack in die Startelf, Daniel Brosinski rückte aus dem Mittelfeld auf die linke Abwehrseite. Fabian Frei kam nach seiner Verletzung zurück, Yunus Malli war wieder in der Aufstellung anstelle des verletzten Suat Serdar, außerdem spielte Pablo de Blasis für Jairo Samperio.

Die Gäste hatten die erste Torchance: In der 5. Minute kam ihr Torjäger Maximilian Philipp etwas zu einfach an einen Freistoß, schoss aber übers Tor. Bald darauf war für den Angreifer auch schon Schluss; nach einem verlorenen Zweikampf gegen Bungert musste Philipp in der 12. Minute aufgeben. Ohne Gegnerkontakt war der Angreifer umgeknickt, es sieht nach Bänderriss aus. Die 05er waren bis dahin nicht gut hineingekommen in diese von Anfang an etwas hektische, oft unterbrochene Partie. Sie hielten den SC gut vom Tor weg, aber Konstruktives kam erst in der Überzahlphase vor der Einwechslung von Nils Petersen - der nur wenige Sekunden auf dem Platz war, als die 05er in Führung gingen. Niko Bungert hatte allen Platz der Welt im Strafraum, konnte sich beim Eckball die offene Ecke aussuchen (15.).

Es ging schlecht weiter für den SC. An der Mittellinie setzte sich Jhon Córdoba nach einem langen Schlag von Fabian Frei gegen die weit aufgerückte Abwehr durch. Der junge Verteidiger Caglar Soyüncü - der schon beim 0:1 Bungert alleinegelassen hatte - vermied lange die Notbremse, hatte den Kolumbianer im Strafraum an sich auch schon gestellt, war aber körperlich unterlegen, konnte den Stürmer nicht aufhalten, klammerte sich fest, zog in zu Boden - Gelbe Karte, Elfmeter. Malli traf, Schiedsrichter Patrick Ittrich winkte aber sofort ab: Acht Mann (fünf Freiburger, drei Mainzer, insbesondere Pablo de Blasis) waren zu früh im Strafraum. Malli durfte nochmal schießen, wieder nach rechts, diesmal etwas höher, und konsequenterweise hätte Ittrich auch diesen Schuss wiederholen lassen müssen, weil wieder vier Mann zu früh gestartet werden. Ittrich ließ es durchgehen, das 2:0 galt im zweiten Versuch (20.). Es war Mallis Rekordtor - mit 29 Treffern ist der Türke gleichauf mit Mohamed Zidan der beste Mainzer Bundesliga-Torjäger.

Weitere Ansätze kamen schnell. Ein abgefangener Querpass von Córdoba (21.). Ein eigentlich misslungener Pass von Malli, nach dem Karim Onisiwo einen unerwarteten Weg in den Strafraum fand (24.). Erst dann wieder ein Abschluss des SC - harmlos, auf den Mann. Der von Petersen in der 28. Minute war schon besser, Jonas Lössl musste weit hinunter in die Ecke, hatte die nötige Zeit. Noch besser aber war nach Mallis Pass und seinem eigenen Wackler um den Verteidiger Karim Onisiwos Schuss in der 31. Minute, den der Freiburger Torwart Alexander Schwolow stark parierte. Lössl wiederum hatte in der 32. Minute Glück, dass nach Vincenzo Grifos tückischem Freistoß der Abpraller beim eigenen Mann landete. Schwolow hielt den Distanzschuss von Giulio Donati (33.). Dann ging Jean-Philippe Gbamin zu Boden, die Freiburger waren auf einmal sehr zahlreich im Strafraum, Lössl hielt stark gegen Grifo. Ein paar Minuten war's dann ruhiger, dann knallte Fabian Frei den Ball an die Latte, Córdoba stand eine Winzigkeit zu ungünstig zum Abpraller. Niederlechner und Mike Frantz kombinierten sich blitzschnell durch den Strafraum und Lössl hätte keine Chance gehabt, war froh, dass der Schuss des Kapitäns das lange Eck knapp verfehlte (42.). Der Torwart musste immer hellwach sein in diesem Kampfspiel, diesem intensiven Spiel. Tief in der Nachspielzeit parierte Lössl noch einen Niederlechner-Kopfball, dann war Halbzeit. Es war kein hochklassiger Fußball, es gab wegen der unzähligen Freistoßpfiffe auch kaum Spielfluss, aber es gab interessante Szenen vor den Toren. Und es gab einen Gegner, der mehr vom Spiel hatte, als das 2:0 suggerierte.

Und doch waren es die 05er, die auch in der zweiten Hälfte die Strafraumszenen hatten. Anfangs wenig Außergewöhnliches, aber sie waren immer wieder vorne, versuchten es immer wieder, griffen an - zwischendrin aber brachte Nils Petersen einen platzierten Kopfball auf die obere rechte Ecke, aber Lössl hielt den Ball sogar fest (56.), hielt auch - spektakulär - den Schuss von Petersen in der 59., blockte den Schuss von Frantz in der 62. Minute. So konkret waren die Mainzer Angriffe der zweiten Hälfte nicht, bis in der 65. Minute aus einer aussichtslos scheinenden Position Gbamin einfach mal abzog und den Pfosten traf.

In der 67. Minute passierte es. Gbamin blieb im Zweikampf liegen. Vincenzo Grifo kam zu leicht in den Strafraum. Und alles konnte Lössl auch nicht reparieren, an den Heber des Spielmachers kam er nicht heran - mal wieder ein Gegentor in dieser klassischen Phase nach einer Stunde. In dieser kritischen Phase, denn es war einfach nicht gut, was die 05er vor und nach dem Gegentor machten. Viele Fehlpässe sammelten sie zwar im Mittelfeld ein, aber sie waren passiv, warteten zu sehr darauf, dass die Freiburger die Bälle von selbst ablieferten, hatten kein gutes Zweikampfverhalten mehr. Córdoba regte sich fürchterlich auf, als er an der Seitenlinie gegen zwei Mann immerhin einen Einwurf erzwungen hatte; der Mittelstürmer hätte sich mehr Hilfe der Kollegen gewünscht. Gbamin baute ab, Karim Onisiwo gab sich Mühe, war fleißig, aber ihm gelang nichts. In der 73. Minute erst holte Martin Schmidt sich André Ramalho zur Einwechslung an die Bank. Der Brasilianer kam für de Blasis ins Spiel, der Brasilianer übernahm immer wieder die Zehnerposition, Malli ging dann nach außen.

Der letzte kritische Moment: Lössl hatte gegen Marc Torrejón gehalten, schnappte sich von zwei Mann bedrängt den Eckball - rettete die Führung in die 94. Minute. Foto: VeyhelmannDie 05er kamen zunächst auf die beste Art aus dieser kritischen Phase. Sie drängten den SC Freiburg im Laufe einiger Minuten immer weiter zurück. Sie bekamen in der 82. Minute einen Eckball. Und auch der andere Kapitän machte sein Tor, Stefan Bell erhöhte mit einem Kopfball auf 3:1. Freiburg aber antwortete sofort. Der bis dahin grandiose Lössl ließ eine Flanke fallen, Petersen verkürzte auf 3:2 (85.). Es wurde immer hektischer. Donati hatte den Ball in der Hand, wollte ihn nicht den Freiburgern überlassen, die den Anstoß natürlich beschleunigen wollten. Grifo, der seit geraumer Zeit die Gegenspieler und den Schiedsrichter nervte, provozierte ein Doppel-Gelb mit Daniel Brosinski (88.). Die Freiburger wollten einen Handelfmeter (93.), Lössl hielt gegen Torrejon (93.). Aber einen letzten Konter, eine letzte Szene hatten die 05er noch. In der 95. Minute brachten Brosinski und der erst 25 Sekunden vorher eingewechselte Jairo den Ball noch einmal in die Spitze. Söyüncü war gerade erst mit Ramalhos Hinterkopf zusammengerasselt, war benommen, biss nochmal die Zähne zusammen, konnte aber nicht mehr eingreifen, kam noch kontrolliert in die Horizontale, verlor danach offenbar das Bewusstsein. Karim Onisiwo stürmte unterdessen diagonal am gefährlich entgegenspringenden Torwart Alexander Schwolow vorbei, schob aus spitzem Winkel den Ball knapp am Pfosten vorbei zum 4:2 ins Tor. Ittrich pfiff nicht mehr an.

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