Gesucht: 05-Stürmer mit DNA und Killerinstinkt

Jörg Schneider. Estepona.
Die 0:1-Niederlage im ersten Testspiel des Winter-Trainingslagers an der Costa del Sol hat die Problematik noch einmal verdeutlicht: Ohne Shinji Okazaki geht dem Angriff des FSV Mainz 05 jegliche Gefährlichkeit ab. Da der japanische Torjäger jedoch die komplette Vorbereitung verpasst und wegen der Teilnahme an der Asien-Meisterschaft auch zum Rückrundenauftakt noch fehlt, muss Kasper Hjulmand Lösungen finden, um das Dilemma zu beheben. Im 05-Kader die Stürmer mit der richtigen DNA herauszufiltern, das ist eine der Hauptaufgaben in den nächsten Tagen in Marbella.

Ist Pablo De Blasis der 05-Stürmer mit der richtigen DNA und dem Killerinstinkt, um Shinji Okazaki zum Rückrundenstart zu ersetzen? Foto: René VigneronChristian Clemens, der neue Rechtsaußen, zeigte gute Ansätze mit viel Zug zum Tor und Willen zum Abschluss. Pablo De Blasis hatte einige ansprechende Offensivszenen im gegnerischen Strafraum. Ansonsten war’s relativ dünn, was die Angreifer des FSV Mainz 05 im Testspiel gegen den SC Freiburg anboten. Die Problematik ist auch im neuen Jahr unverändert. Die 0:1-Niederlage gegen den Bundesliga-Rivalen hat die Thematik neu belebt und verschärft. Ohne Shinji Okazaki fehlt dem Mainzer Angriff jegliches Gefahrenpotenzial, Durchsetzungsvermögen und Abschlussqualität. Das Problem ist dabei, dass Okazaki zurzeit mit seiner japanischen Nationalmannschaft an den Asien-Meisterschaften teilnimmt, die komplette Winter-Vorbereitung mit seinem Team verpasst und auch zum Rückrundenstart der 05er noch nicht verfügbar ist.

Dass Christian Heidel, der 05-Manager, bis Ende Januar noch einen Stürmer aus dem Hut zaubert, der dem Klub eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, regelmäßig Tore zu schießen, ist kaum zu erwarten, allerdings auch nicht ganz auszuschließen. Kasper Hjulmand steht also vor der großen Aufgabe, mit dem vorhandenen Offensiv-Potenzial Lösungen zu entwickeln, die das Team dahin bringen, im ersten Heimspiel gegen den SC Paderborn einen Sieg einzufahren.

„Wir brauchen definitiv solche Lösungen“, sagte der 05-Coach nach dem Training am Donnerstag in Marbella. „Das Thema bei uns ist schon: Wer macht die Tore?“. Die Trainingseinheit war ganz darauf abgestimmt. Bewegungen im Strafraum, letzter Pass, Abschluss. „Unsere Stürmer müssen jetzt alle zeigen, ob sie scharf sind, ob sie den Killerinstinkt entwickeln. Das ist eine Aufgabe für alle“, sagt der Däne, der allmählich Belege fordert.

Kasper Hjulmand im Pressegespräch im Mannschaftshotel in Estepona. Der 05-Trainer fordert mehr von seinen Stürmern. Foto: Jörg SchneiderWir werden in den nächsten Tagen sehr viel daran arbeiten. An der kollektiven Qualität, aber auch an der individuellen Qualität.“ Gegen die Freiburger mangelte es an beidem. „Wir sind sechs, siebenmal bis zur Grundlinie durchgekommen und dann war der Rückpass nicht gut. Die Bälle kamen meist auf den ersten Abwehrspieler, aber auch unsere Laufwege im Sechzehner waren nicht gut.“ Individuell vermisste der Coach die Signale seiner Stürmer. „Sich mal zu zeigen, zu signalisieren: ich bin da, ich will das Tor schießen, ich will etwas machen im Strafraum.“

Hjulmand spricht vom Killerinstinkt, den er in den Einheiten im Marbella Football Center wecken und fördern will. Die große Frage dabei, die sich der 05-Trainer selber stellt, ist jedoch: Ist so etwas trainierbar? Ist dieser Killerinstinkt latent da und muss nur geweckt werden? Im Prinzip muss es trainierbar sein, denn Hjulmand muss mit seinem Personal auskommen und mit seinen Profis Lösungswege entwickeln. Eine andere Möglichkeit wird’s nicht geben.

„Stürmer müssen eine besondere DNA haben“, sagt der 42-Jährige, „sie leben von den Toren. Dafür sind gewisse Qualitäten, aber auch eine besondere Mentalität nötig. Ich bin sicher, dass wir die individuelle Qualität im Training verbessern können. So etwas geht noch mit 40. Die DNA muss allerdings beim Spieler vorhanden sein.“

Drei Profis hat Hjulmand als Okazaki-Ersatz in der Sturmspitze auf der Rechnung: Pablo De Blasis, Sami Allagui und Petar Sliskovic. "In den nächsten Tagen und Wochen bis zum Start will ich sehen, wer voran kommt, wer mir zeigt, dass er die beste Form hat.“ Eine erhebliche Formsteigerung ist bei jedem der drei Neuner zwingend erforderlich.  

Das Ganze zu fördern, eine besondere Erfolgsmentalität bei seinen Stürmern zu schulen, sieht der Däne als wichtige Aufgabe an. Schon im Training stehe deshalb immer der Wettbewerbsgedanke im Vordergrund. „Wir nennen das Punktspiele im Training", sagt der 05-Trainer. „Es geht immer um die Konkurrenzsituation. Jeder Ballkontakt, jeder Zweikampf ist eine Möglichkeit, sich einen kleinen Sieg zu holen.“

Es ist in erster Linie die komplette 05-Offensivabteilung, die extrem gefordert ist, die mehr anbieten muss, als dies gegen die Freiburger der Fall war. „Wir brauchen in der Bundesliga so schnell wie möglich Punkte“,  sagt Hjulmand. „Wir sehen, wie knapp es ist in der Tabelle und wir wissen, dass es ganz eng und schwer werden wird. Deshalb müssen wir in der nächsten Zeit ganz hart arbeiten.“

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