Gesucht: Verstärkung für den Angriff

Jörg Schneider. Mainz.
Es bedarf keiner prophetischen Gaben, um zu behaupten, dass es in den Perspektivgesprächen, die Trainer und Manager in diesen Tagen führen und natürlich auch schon geführt haben, verstärkt um den Angriff gehen wird. Darum, ob und wie es dem FSV Mainz 05 in der nun beginnenden Winter-Transferperiode gelingen kann, Verstärkung für die oft kränkelnde Offensive aufzutreiben. Dass der Bundesligist in diesem Bereich dringend personellen Nachlegebedarf hat, ist offensichtlich geworden in den vergangenen Wochen dieser Vorrunde.

In den Gesprächen zwischen Christian Heidel und Kasper Hjulmand geht es in diesen Tagen verstärkt ums Thema Angriff. Foto: Jörg Schneider18 Punkte nach 17 Spieltagen signalisieren zwar noch keine direkte Notlage, bieten aber auch keinerlei Sicherheit in diesem extrem engen Tabellen-Segment der Bundesliga. Neun Begegnungen ohne Sieg haben das Hauptproblem des FSV Mainz 05 deutlich aufgedeckt: „Wir brauchen mehr Effektivität im Angriff, mehr Abschlüsse, besser herausgespielte Chancen“, erklärt Trainer Kasper Hjulmand. „Wir spielen gut und viel bis ins letzte Drittel, aber wir machen zu wenig potenzielle Chancen daraus. Uns fehlt Durchschlagskraft. Das ist das große Thema.“

Seit der Verletzung von Jonas Hofmann nach sechs Spielen mangelt es der 05-Offensive eindeutig an Qualität, am Zug zum Tor, Dribbelstärke, Durchsetzungsvermögen, Abschluss-Situationen. Die 05er sind weitgehend davon abhängig, dass Shinji Okazaki trifft. Doch auch der Alleinunterhalter ganz vorne zeigte am Ende Verschleißerscheinungen. „Wir sehen, dass ihm im Moment trotz seines immer totalen Einsatzes doch etwas die Kraft fehlt“, sagt der 05-Trainer. „Ich finde es brutal, wenn ich das Jahresprogramm von einem Spieler wie Shinji sehe. Er hat die WM gespielt, er hatte im Sommer acht Tage Urlaub, hat in jedem Länderspiel gespielt, viele lange Reisen absolviert“, so der 05-Trainer, „und am 27. Dezember geht es bei ihm nun schon wieder mit der Nationalmannschaft weiter.“ Der Japaner bestreitet Anfang des Jahres ebenso wie die koreanischen Kollegen Ja-Cheol Koo und Joo-Ho Park mit ihren Ländermannschaften den Asien-Cup. Das Trio verpasst die komplette Vorbereitung im Verein. Die Verantwortlichen im Klub können nur hoffen, dass die Spieler gesund zurückkommen. Ein Ausfall Okazakis wäre im Prinzip überhaupt nicht zu kompensieren. „Das Thema Nationalmannschaft muss irgendwann weltweit etwas zurückgefahren werden“, sagt Christian Heidel. „Die Spieler sitzen ja nur noch im Flugzeug.“

De Blasis im Aufwind

Nominell hat der Mainzer Coach zwar etliche Stürmer im Kader, doch die Probleme sind bekannt. Sami Allagui spielt nach seiner Rückkehr aus Berlin bislang oft im unteren Bereich seiner Möglichkeiten. Jairo, der junge Spanier, befindet sich nach wie vor in einem Gewöhnungsprozess an die Anforderungen, die das Bundesligaspiel an den Flügelmann stellt. Taktisch wie physisch. Das Potenzial ist da, aber wie viele andere vor ihm, braucht der 21-Jährige die Zeit, um sich nach und nach zu einer echten Verstärkung zu entwickeln.

Das gilt auch für Pablo De Blasis. Der kleine Argentinier hatte die größten Schwierigkeiten auf taktischem Terrain. Der unkonventionell, wie ein Straßenkicker spielende Angreifer, der aus der griechischen Liga kam, hat nun jedoch gegen den FC Bayern München erstmals seinen Wert für die Mannschaft angedeutet. Der 26-Jährige ist ein Fighter, macht auf dem Platz oft unberechenbare Dinge und kann mit dieser Art und Weise künftig eine Hausnummer werden. Gegen die Bayern nervte De Blasis die Abwehrstrategen Jerome Boateng und Dante häufig mit seinem energischen, wuseligen und aggressiven Spiel. Überraschend dabei die Kopfballfähigkeiten des 164 Zentimeter langen Stürmers. Auch der ständige Wechsel mit Okazaki im Zentrum gab den Verteidigern einige Rätsel auf und könnte sich zu einem 05-Prinzip entwickeln.

 Pablo De Blasis (Mitte) nervte die Bayern-Strategen Dante (links) und Jerome Boateng mit seinem wuseligen aggresiven Spiel gehörig. Der Argentinier deutete an, welchen Wert er in der Rückrunde für die Mannschaft haben kann. Foto: ImagoEr habe Zeit gehabt in dieser Vorrunde das Spiel von De Blasis zu analysieren, sagt Hjulmand. Von dem ehrgeizigen Profi mit der perfekten Berufsauffassung, der im Training immer alles gebe, um sich zu verbessern, um zu lernen, verspreche er sich noch einiges. Besonders von dessen Offensivzweikampfverhalten, von den Sprints des Argentiniers in die Tiefe.

Jonas Hofmann soll spätestens im spanischen Trainingslager Mitte Januar wieder ein vollwertiges Mannschaftsmitglied sein, doch nach der schweren und langwierigen Verletzung muss der Leihspieler aus Dortmund abwarten, wie reibungslos seine Wiedereingliederung funktioniert. Petar Sliskovic, der Torjäger der U23 der 05er, bleibt weiterhin eine Option als Einwechselspieler. Die Fähigkeiten des jungen Flügelstürmers Devante Parker könnte der 05-Trainer in der augenblicklichen Situation gut gebrauchen. Doch beim A-Jugendlichen ist Geduld angesagt. Parker hat ebenso wie Patrick Pflücke, der gegen die Bayern ein gutes Bundesligadebüt gab, noch ein halbes Jahr Schule vor sich bis zum Abschluss. Das Nachwuchs-Duo kann deshalb nicht das volle Trainingsprogramm mit den Profis durchziehen. „Sie müssen sich in der U23 entwickeln und so oft wie möglich bei uns trainieren“, sagt der Trainer, der beide deshalb auch im Januar mitnimmt ins Trainingslager nach Marbella.

„Es ist wichtig für einen Verein wie unseren, dass wir solche Spieler in Zukunft integrieren, aber der Übergang kommt nicht an einem Tag. Wir haben diese Geduld, für die Spieler ist es aber sicher schwieriger die Geduld aufzubringen. Sie werden kommen, da bin ich sicher.“

Bei allen positiven Entwicklungen, für die 05er wird die Rückrunde ein ständiger Kampf bleiben, um sich im halbwegs sicheren Fahrwasser aufzuhalten. Um mehr Spiele zu gewinnen, müssen die Mainzer mehr Tore schießen. Deshalb hat die Suche nach einer wirkungsvollen Verstärkung für den Angriff längst begonnen, auch wenn der 05-Manager öffentlich lediglich sagt: „Der Trainer und ich sprechen über die vergangenen sechs Monate und darüber, ob es Veränderungen im Kader geben muss.“ Der Transfermarkt im Winter, das lehrt die Erfahrung, ist komplizierter als die Periode im Sommer. Die Preise sind höher.

„Es gibt immer die sportliche und die wirtschaftlich Seite“, sagt Heidel. „Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, wer uns sofort stärker macht, aber auch für uns bezahlbar ist. Das ist jedes Jahr das Gleiche“, betont der 05-Manager, der sich jedoch, wie er sagt, intensiv mit den Möglichkeiten beschäftigt, den Kader zu optimieren. Die Konkurrenz ist unterdessen bereits aktiv. Der SC Freiburg steht, wie es heißt, vor der Verpflichtung von Angreifer Nils Petersen, dessen Klub Werder Bremen sich schon den jungen Levin Öztunali von Bayer Leverkusen ausgeliehen hat. Der Handel ist eröffnet.

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