Größter Transfer-Coup der Klub-Geschichte

Jörg Schneider. Mainz.
Rouven Schröder ist am Mittwochabend der größte Transfer-Coup in der Geschichte des FSV Mainz 05 gelungen: Der Sportdirektor transferierte Mittelstürmer Jhon Cordoba für die Rekordsumme von 17 Millionen Euro plus zusätzlicher Boni-Zahlungen zum Liga-Konkurrenten 1. FC Köln. Der 24-jährige Kolumbianer wollte unbedingt wechseln. „Bei dieser Größenordnung gibt es dann einfach keine zwei Meinungen mehr, sich zu trennen“, sagt der Sportdirektor, der das Optimale für seinen Klub herausgeholt hat. „Wir haben das Wirtschaftliche sorgfältig und seriös abgewogen. Bei diesem Gesamtpaket mussten wir das einfach machen.“

Das ist mal ein Timing. Die Medienartikel über die Verpflichtung von Viktor Fischer als vierten Neuzugang des Bundesligisten waren kaum geschrieben, da vermeldete der FSV Mainz 05 den größten Transfer-Coup seiner Vereinsgeschichte: Mittelstürmer Jhon Cordoba wechselt mit sofortiger Wirkung zum Liga-Konkurrenten 1. FC Köln. Und zwar für die stolze Ablösesumme von 17 Millionen Euro plus zusätzlicher Boni-Zahlungen. Der Rekord-Wechsel des 24-jährigen Kolumbianers ist damit der teuerste Transfer aller Zeiten. Bislang führten André Schürrle (mit allen Nebengeräuschen und Nachzahlungen rund 15 Millionen Euro), Yunus Malli (für 12 Millionen nach Wolfsburg), Johannes Geis (12 Millionen/Schalke) und Shinji Okazaki (11 Millionen/Leicester City) die Hitliste der Mainzer Millionen-Ablösesummen an.

Der Spielstil von Jhon Cordoba, der eine ganze Abwehr (hier Mats Hummels und Phillip Lahm von den Bayern) beschäftigte, wird den 05er künftig fehlen. Der Kolumbianer wechselt für eine Rekordsumme nach Köln. Foto: Ekkie Veyhelmann „Alles der Reihe nach“, sagte Rouven Schröder nach der Bekanntgabe des spektakulären Wechsels innerhalb der Bundesliga. „Zuerst die Neuzugänge unter Dach und Fach bringen, dann kommt der Abgang.“ Seit Wochen stand der 05-Sportdirktor mit seinem Kölner Kollegen Jörg Schmadtke in Verhandlungen wegen des Stürmers, der 2015 vom FC Granada nach Mainz gewechselt war und für die 05er insgesamt 51 Bundesligaspiele absolvierte, in denen er zehn Tore erzielte. Der Zeitpunkt des Wechsels überraschte dennoch, da die Kölner am Nachmittag noch die Verhandlungen mit dem chinesischen Erstligisten Tianjin Quanjian über den Transfer von Anthony Modeste für beendet erklärten, weil keine Einging zu erzielen gewesen sei. Da ging es immerhin um eine Ablösesumme von über 30 Millionen Euro. Modeste soll ebenso wie Cordoba am Montag das Training beim FC aufnehmen.

„Wir haben uns all die Wochen ausgetauscht und die Grenzen ausgelotet“, sagt Schröder, der von einem „sehr respektvollen Verhältnis mit Schmadtke“ sprach. „Klar ist doch, dass der eine möglichst günstig einkaufen und der andere den Spieler möglichst teuer abgeben will. Jetzt kann man sagen, für uns hat es hingehauen.“ Dass Cordoba offenbar unbedingt wegwollte und der sportlichen Leitung am Bruchweg dies auch nachdrücklich mitteilte, war ein Grund für den Wechsel. Ausschlaggebend war jedoch das Finanzielle. „Bei dieser Größenordnung gibt es dann einfach keine zwei Meinungen mehr, sich zu trennen“, sagt der Sportdirektor, der das Optimale für seinen Klub herausgeholt hat. „Wir haben das Wirtschaftliche sorgfältig und seriös abgewogen. Bei diesem Gesamtpaket mussten wir das einfach machen“, sagt Schröder.

„Der 1. FC Köln ist nach einer schönen Zeit in Mainz für mich genau der richtige nächste Schritt. Ich wollte die Möglichkeit, bei einem der großen deutschen Traditionsvereine in der Bundesliga und in der Europa League zu spielen, unbedingt nutzen", erklärte Cordoba nach der Vertragsunterzeichnung in Köln.

Natürlich ist der Weggang des wuchtigen Mittelstürmers ein großer sportlicher Verlust für das Team von Sandro Schwarz. Nicht von der Torquote her, sondern weil die leidenschaftliche, unermüdliche und aufopferungsvoll  kämpfende Spielweise des Kolumbianers extrem wertvoll für die Mannschaft war in der Vergangenheit. Cordoba beschäftigte immer eine komplette Abwehr, ging jeden Meter, war anspielbar behauptete die Bälle und stellte sich jedem Zweikampf. Lediglich sein Abschluss hätte ertragreicher sein können. Dieser Mittelstürmertyp fehlt nun und wird möglicherweise nicht ersetzt. Zumindest nicht kurzfristig. Schröder und Schwarz wollen zunächst einmal die Vorbereitung abwarten und wie sich der Kader in der Offensive präsentiert. „Ich glaube, wir sollten jetzt nicht anfangen zu fragen, wer ersetzt Jhon Cordoba?“, sagt der 41-Jährige. „Unser Spiel wird künftig eine andere Nuance bekommen, wir denken, dass es variabler wird.“

Und personell glaubt der Sportdirektor seinen Kader jetzt schon gut aufgestellt in der Offensive. Kenan Kodro, Alexandru Maxim, Viktor Fischer - die drei Neuzugänge. Dazu die etablierten Pablo De Blasis, Yoshinori Muto, Levin Öztunali, Jairo Samperio, Robin Quaison, Gerrit Holtmann, Karim Onisiwo. „Das liest sich schon mal nicht schlecht“, betont Schröder. „Damit sind wir schon ziemlich unberechenbar.“ Nicht genannt in dieser Aufzählung ist Emil Berggreen, dessen Leistungsstand derzeit gar nicht einzuschätzen ist. „Er war zwei Jahre lang verletzt, hat noch kein Spiel gemacht. Da müssen wir ganz vorsichtig sein. Er ist fit, aber wie stark er ist, das wissen wir nicht“, sagt Schröder, der zudem einräumt, dass in Sachen Abgänge möglicherweise noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. „Wir haben noch ein paar Sachen zu tun“, betont der 41-Jährige. „Wir werden den Kader durchgehen in den nächsten Wochen und über die einzelnen Spieler sprechen.“ Die Transferperiode läuft noch bis Ende August.

 

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