Guardiolas Lob wollte Schmidt nicht hören

Jörg Schneider. Mainz.
Auch drei Tage nach der Niederlage mochte Martin Schmidt das allgemeine Lob, das der FSV Mainz 05 für seine Gesamtleistung gegen den FC Bayern München erhalten hatte, nicht teilen. Denn unter dem Strich stand am Ende eine 0:3-Pleite, die nach Ansicht des 05-Trainers und dessen Profis so nicht nötig gewesen wäre. Die Mannschaft habe es den Bayern zu leicht gemacht, deshalb seien Frust und Selbstkritik bei allen groß. „Das sind Gegentore, die wir normalerweise verteidigen können“, sagte Schmidt nach dem Training am Dienstag.

Pep Guardiola hat dem Trainer des FSV Mainz 05 nach dem 3:0-Sieg des FC Bayern München in der Coface Arena erzählt, dass er mit viel Respekt nach Mainz gekommen sei und schon durch seine Aufstellung habe verhindern wollen, dass sich ein ähnlicher Spielverlauf wie im vergangenen Dezember wiederhole. Damals hatten die Bayern mit viel Glück und einem Tor von Arjen Robben in der 90. Minute drei Punkte aus Mainz mitgenommen. „Pep hat mir gesagt, dass er sich nicht getraut hat zu rotieren und bewusst seine derzeit beste Besetzung gegen uns gestellt hat“, berichtete Martin Schmidt in der kleinen Presserunde am Dienstag nach dem Training am Bruchweg.

Normalerweise habe der Bayern-Coach aufgrund der Englischen Woche und dem bevorstehenden Champions-League-Auftritt wie in der Woche zuvor in Darmstadt mit Sebastian Rode, Joshua Kimmich, Arturo Vidal und Mario Götze in der Startaufstellung antreten wollen. Das sei ihm aber in Mainz zu gefährlich erschienen. Das 3:0 gab dem Katalanen Recht. Der 05-Trainer hatte dagegen drei Tage später an der Niederlage noch immer zu knabbern und war ebenso wie seine Spieler nicht bereit, sich für die Gesamtleistung gegen die Weltauswahl aus München loben zu lassen.

Pierre Bengtsson schaffte es vor dem Führungstor der bayern nicht, die Flanke von Tempo-Sprinter Kingsley Coman zu verhindern. „Das Team war total unzufrieden, weil es gemerkt hat, da war etwas mehr drin“, betonte Schmidt. Nach diesem von Thomas Müller verschossenen Elfmeter hätte das durchaus so ein Tag werden können, an dem sich die Mannschaft sage, mit diesem Glück könne diesmal etwas mehr drin liegen.  „Dann hatten wir die Chancen von Pablo De Blasis und Yoshinori Muto. Das waren Gelegenheiten, wenn du da 1:0 in Führung gehst, hast du das Gefühl,  das kann wieder so ein Spiel geben wie vor einem halben Jahr.“ Im Nachhinein habe niemand im Team wirklich den Eindruck verspürt, es sei doch gar nicht so schlecht gewesen. „Es war effektiv so, dass sich die Bayern in der ersten Halbzeit außer dem Elfer keine einzige Chance erspielt haben. Weil wir hinten gut und dicht standen, weil wir sehr viel gearbeitet, viel verteidigt, die Außen gedoppelt haben. Ich glaube, dass die Niedergeschlagenheit bei uns wegen der Art, wie wir verloren haben, so groß war“, sagte der 48-Jährige. „Dass wir beispielsweise zweimal die Außenbahn nicht verteidigt kriegen. Bei der Flanke zum ersten Tor sogar außen mit zwei gegen eins.“

Unmittelbar nach der Partie hatte der 05-Coach noch geglaubt, dass dritte Tor sei nicht zu verteidigen gewesen. In der Aufarbeitung der Partie hat Schmidt sein Urteil revidiert. „Das war ein einfaches Überlaufen, Passen, Tor. Beim zweiten Treffer war es einfaches Durch-die-Mitte spielen.“ Zu leicht  für den Rekordmeister. „Das sind Gegentore, die wir normalerweise verteidigen können. Wir hatten alle das Gefühl, dass das eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre“, so der Schweizer.

„Eine solche Flanke mit anschließendem Kopfballtor habe ich bei uns seit dem Gladbach-Spiel nicht mehr gesehen. Das hatten wir im Griff. Und wenn ich mir vorstelle, wie viele Flachpässe rein kamen in den Spielen zuvor gegen Hoffenheim und Leverkusen. Die haben wir gefühlt im Dutzend verteidigt. Erste innere Linie zu und abgehakt. Ich muss schon sagen, da war der Frust über die eigene Verteidigungsart in den Spielern drin.“ Ihm selbst sei es nicht anders gegangen. „Auch mir haben tröstende Worte nicht viel gebracht, weil ich wusste, da war schon ein Tick mehr möglich.“

Wenn die Mannschaft das Ganze so solide und aufsässig weiter hätte verteidigen können wie vor der Pause, dann glaubt Schmidt, hätte sich durchaus ein Unentschieden-Spiel entwickeln können. „Die Bayern kamen nach der Halbzeit auch nicht zurück und haben großartig was umgestellt. Von der 45. bis zur 55. Minute hatten wir zwei Top-Spielaufbau-Situationen  mit Halbchance. Auch mein Gefühl war nachher irgendwie so, dass ich enttäuschter war als ich vorher gedacht habe. In ein solches Spiel geht man ja rein und sagt, wenn du heute verlierst und dich einigermaßen aus der Affäre ziehst, dann ist es halt so, weil es die großen Bayern sind.“ Er sei jedoch am Ende genauso frustriert gewesen wie nach einer Niederlage gegen einen normalen Gegner. „Das hat mir schon gezeigt, dass wir mehr wollten und mehr draus hätten machen können.“

Nach dem Gegentor, spätestens aber nach dem 0:2, sei der Glauben verloren gegangen, das Ziel dann in extreme Ferne gerückt. „Und bei denen war der Bann gebrochen. Ab da ging es für sie, da kamen die Bayern ins Rollen“, sagte Schmidt. Das Ganze ist nun aufgearbeitet, die Frustbewältigung hat stattgefunden. Jetzt richten die 05er den Blick nur noch nach vorne. Und zwar nach Darmstadt, wo die 05er am Freitagabend die nächste schwere Aufgabe erwartet. Dort wollen die Mainzer mit einer stärkeren Auswärtsleistung als zuletzt verlorenen Boden gut machen.

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