Halimi bietet sich Bröndby an

Christian Karn. Mainz.
Auf dem Transfermarkt hält sich der FSV Mainz 05 in diesem Sommer bislang zurück. Neuzugänge und Abgänge gibt es bis auf fünf nach Mainz oder von den 05ern zu ihren Stammklubs zurückkehrende Leihspieler sowie ein paar U23-Spieler, die formal für die Europa League gemeldet worden waren, noch nicht. Jedoch deutet sich vage eine erste neue Ausleihe an: Besar Halimi - der im Profikader annähernd keine Rolle gespielt hat - wird in dieser Woche in Kopenhagen bei Bröndby IF trainieren.

Es geht schon rund auf dem Transfermarkt. So hat Bayern München mit angeblich 42 Millionen Ablöse für den Franzosen Corentin Tolisso einen Vereinsrekord aufgestellt, hat Eintracht Frankfurt schon sechs Zugänge gemeldet, ebenso Hannover 96, ebenso der FC Augsburg. Der FSV Mainz 05 hält sich bisher zurück. Selbst Gerüchte (Robert Zulj? Michael Gregoritsch?), die der Verein nicht kommentiert, die sich am Ende sowieso meist in Luft auflösen, sind rar. Formal gibt es bisher drei Zugänge und sechs Abgänge. Doch werden Todor Nedelew, José Rodríguez und Robin Zentner, die von ihren Ausleihen nach Plowdiw, Málaga und Kiel zurückkommen, nicht die besten Aussichten im Profikader haben. Und während André Ramalho und Bojan Krkic, die nach beendeter Leihe zu ihren Stammklubs Bayer Leverkusen und Stoke City zurückkehren, tatsächlich in der Bundesliga regelmäßig eingesetzt wurden, waren Daniel Bohl (nach Halle), Mounir Bouziane (nach Rostock), Patrick Pflücke (zum BVB-Regionalligateam) und Lukas Watkowiak (SV Wehen) Spieler der U23, die lediglich in der erweiterten Spielerliste für den Europapokal standen bzw. wegen zu vieler Ausfälle ausnahmsweise hochgezogen wurden. Bouziane wurde sogar einmal eingewechselt, Watkowiak saß mal auf der Bank, die anderen beiden nicht einmal das.

Besar Halimi stellt sich in dieser Woche bei Bröndby IF vor. Die 05er erwägen eine einjährige Ausleihe des Mittelfeldspielers. Foto: imagoEchte Zugänge: Null. Echte Abgänge: Null - aber der erste könnte kurz bevor stehen. Besar Halimi, dessen Stellenwert jedoch kaum höher war als der von Bohl, Bouziane, Pflücke, Watkowiak, präsentiert sich in dieser Woche dem dänischen Erstligaklub Bröndby IF. „Wir sind von Besar Halimis Talent nach wie vor absolut überzeugt, auch wenn es für ihn aktuell noch schwierig ist, Einsätze in unserem Bundesligateam zu bekommen", sagt 05-Sportdirektor Rouven Schröder. "Spielpraxis auf einem höheren Niveau zu bekommen, wäre für ihn nun ein wichtiger Zwischenschritt in seiner Entwicklung" - um es doch noch bei den 05ern zu schaffen? Oder um sich für andere Vereine anzubieten? Erst einmal gehe um eine einjährige Ausleihe, melden die 05er.

Halimi kam 2015 von den Stuttgarter Kickers zu Mainz 05, wurde aber sofort in seine Heimatstadt Frankfurt zum damaligen Zweitligaklub FSV ausgeliehen. Dort war der Nationalspieler Kosovos mehr oder weniger Stammspieler, nicht jedoch der erhoffte Leistungsträger. Als er ein Jahr später tatsächlich am Bruchweg auftauchte, saß Halimi schnell nicht einfach nur ein bisschen zwischen den Stühlen. Denn den einen Stuhl hatte der Verein weggetragen, den anderen hatte der Mittelfeldspieler umgeworfen. In den ersten neun Spielen stand er immerhin zweimal im Kader. Anschließend war er in zwei von drei Wettbewerben, an denen die 05er teilnahmen, nicht spielberechtigt. In den 25 Mann starken Kader für die Europa-League-Gruppenphase hatten die 05er den Frankfurter nicht aufgenommen.

In der Bundesliga kam eine mysteriöse Sperre dazu, die Folge einer mutmaßlichen Tätlichkeit im Drittligaspiel gegen Rot-Weiß Erfurt, die aber keiner gesehen hatte, nicht mal die Fernsehkameras. Obwohl Halimi im Sommertrainingslager in Italien als Wochengewinner gegolten hat - ebenso wie José Rodríguez, der sich ebenso wenig durchsetzte - ging nach der Sperre keine Tür mehr für ihn auf. Selbst im Drittligateam war er lange nicht mehr gefragt, erst in der Schlussphase der Saison war er ein wertvoller Leistungsträger für den heutigen Chefcoach Sandro Schwarz.

Bröndby ist aktueller dänischer Vizemeister, mit deutlichem Rückstand auf den Lokalrivalen FC Kopenhagen, für den der Ex-05er Pierre Bengtsson künftig spielen wird. Die Dänen trainieren bereits wieder, da ihre neue Saison schon Mitte Juli anfängt, fünf Wochen vor der Bundesliga.

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