Heidel: Donati ist einer wie Pospech

Jörg Schneider. Mainz.
Vor dem Auswärtsspiel bei Hannover 96 zog Christian Heidel im Gespräch mit der nullfünfMixedZone ein positives Fazit der in dieser Woche abgelaufenen Transferperiode. Fünf Spieler sind gegangen, drei Neuzugänge gekommen. „Wir sind sehr zufrieden damit. Wir haben den Kader etwas verkleinert. Trotzdem ist es uns gelungen, die Qualität im Schnitt noch zu steigern. Ich bin sicher, wir haben ausnahmslos Spieler in unseren Reihen, die Bundesliga spielen können“, sagt der 05-Manager.

Dafür, dass die Verantwortlichen im Spätherbst noch darüber philosophiert hatten, ob in diesem Winter überhaupt Kaderveränderungen anstehen könnten, hat sich dann doch viel getan beim FSV Mainz 05 in der Anfang der Woche zu Ende gegangen Transferperiode. Fünf Spieler sind gegangen, drei Neuzugänge sind gekommen. Darüber hinaus haben sich Manager und Cheftrainer dazu entschieden, lukrative Angebote für einige Stammspieler abzulehnen. Yunus Malli erhielt keine Freigabe für einen Wechsel zu Borussia Dortmund. Yoshinori Muto musste sich frühzeitig jegliche England-Flausen aus dem Kopf schlagen, die diverse Millionen-Offerten von der Insel beim Japaner verursacht haben könnten. Und wie inzwischen bekannt wurde, sind auch diverse Angebote für weitere Stammspieler am Bruchweg eingetrudelt, auf die der Klub nicht eingegangen ist.

Christian Heidel und Martin Schmidt haben sich in der abgelaufenen Transferperiode viele Gedanken gemacht, um den Kader des Bundesligisten mittel- und langfristig gut aufzustellen. Jetzt zog der Manager ein positives Fazit. Foto: Jörg Schneider „Wenn wir eine gute Saison spielen, und das tun wir mit 27 Punkten nach 19 Spielen, schauen Vereine auf uns und sehen, dass wir eine gute Mannschaft haben, in der etliche Spieler interessant sind“, sagte Christian Heidel der nullfünfMixedZone. Das sei inzwischen Normalität. „Wir hätten in Gespräche gehen können. Doch als wir entschieden haben, dass Yunus nicht gehen kann, war auch klar, dass wir die Stamm-Mannschaft nicht auseinanderreißen“, so der Manager, der keine Namen nannte. „Deshalb haben wir verschiedene Anfragen nicht näher verfolgt, aber es gab schon eine Reihe von Profis, die ein Interesse im In- und Ausland ausgelöst haben. Ich denke aber, das wird im Sommer auch noch so sein. Wir sind zum Glück in einer wirtschaftlichen Situation und stehen nicht unter Druck, dass wir gezwungen sind, Spieler zu verkaufen, wenn wir es nicht wollen.“

Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind beim Bundesligisten alle Profis über diese Saison hinaus unter Vertrag. „Wir sind im Moment in einer besonderen Situation“, sagt Heidel. „Wir wissen nicht, wie lange es noch anhält, aber wir haben außer Elkin Soto keine langwierigen Verletzungsausfälle im Kader. Das hat dazu geführt, dass wir etliche Spieler, die Bundesliga spielen können, auf der Tribüne sitzen hatten. Die Frage war, ob wir das wollen oder ob wir das kleine Risiko eingehen, für die restlichen 15 Spiele unsere Quantität zu reduzieren, ohne dabei Qualität einzubüßen. Wir haben dann die Entscheidung getroffen, Spieler, die nicht dauerhaft unter den ersten 18 im Kader waren, woanders hin zu vermitteln.“

Heidel stimmte zu, dass Gonzalo Jara seinen Vertrag auflöste und nach Chile zurückging. Todor Nedelew wurde in die bulgarische Heimat nach Plowdiw ausgeliehen, Maximilian Beister zu 1860 München, Florian Niederlechner zum SC Freiburg und Niki Zimling zum FSV Frankfurt. Geholt hat der Klub in diesem Winter Karim Onisiwo aus Mattersburg, Giulio Donati von Bayer Leverkusen und in dieser Woche noch Emil Berggreen von Eintracht Braunschweig.

„Wir haben gesehen, dass für Maxi Beister nach den vielen Verletzungspausen der Sprung in die Stamm-Mannschaft einfach zu groß war, dass er hinten dran war. Das war im Moment zu viel für ihn“, sagt der 05-Manager. Vor allem nachdem die Mainzer den schnellen und robusten Karim Onisiwo aus Österreich als weitere Verstärkung für die Außenbahn verpflichtet hatten. Beister soll nun eine Klasse tiefer versuchen, sich die nötige Spielpraxis und Wettkampfhärte zu holen, damit das im Sommer möglichweise anders aussieht. Den Wechsel von Niki Zimling nach Frankfurt habe man etwas mit angeschoben. „Wir hatten den Eindruck, er kann mit seiner Situation hier sehr gut umgehen. In Gesprächen mit ihm und seinem Berater haben wir ihm aber noch einmal die Situation verdeutlicht und herausgearbeitet, dass er jetzt unbedingt spielen muss“, sagt der 52-Jährige. Sonst laufe der Däne Gefahr, dass ihn irgendwann keiner mehr nehme. Die 05er übernehmen einen Teil von Zimlings Gehalt beim Zweitligisten. „Das ist für alle Seiten die beste Lösung. Er kann hier mit seiner Familie wohnen bleiben, und Niki muss nun beweisen, dass er eine Rückrunde durchspielen kann.“

Einen Sonderfall nehme Florian Niederlechner ein. Man sei in Mainz absolut nicht unzufrieden mit dem Entwicklungs-Stürmer, der im Sommer aus Heidenheim gekommen war. Es sei ein reines Konkurrenz-Problem gewesen. „Schafft er es, an Muto und Jhon Cordoba vorbeizuziehen? Das sehen wir derzeit nicht“, sagt Heidel. „Wie aber soll er sich dann an die Bundesliga gewöhnen, wenn er nicht spielt?“ Als die Anfrage vom SC Freiburg gekommen sei, habe man darüber nachgedacht, ob das eine Hilfestellung für Niederlechners weitere Entwicklung sein könne. Vor allem deshalb, weil beim Aufstiegskandidaten der Angriff aus Verletzungsgründen minimiert ist und der 05-Profi gute Chancen auf einen Startplatz in der Zweiten Liga hat. Der 23-Jährige habe nun bis Ende nächster Saison die Zeit, sich in Freiburg ins Team reinzuspielen, möglichst viele Tore zu schießen, wahrscheinlich ab Sommer auch in der Bundesliga. „Und dann kommt er entweder zurück oder wir verkaufen ihn mit Gewinn." Der Sportclub hat eine entsprechende Kaufoption ausgehandelt. Einen Passus, dass Niederlechner im Erfolgsfall vorzeitig zurückkehrt, gibt es dagegen nicht. „Wir wollten diesen Wechsel aber nur machen, wenn wir einen anderen Stürmer dafür finden.“

1,7 Millionen Ablöse für Berggreen, eine Million für Donati

Diesen fanden die Verantwortlichen in Braunschweig, genauso wie die Bereitschaft für einen Wechsel zum Bruchweg. Der HSV hatte den Dänen, dem Fachleute eine Bundesliga-Karriere voraussagen, im Sommer verpflichten wollen. Der Deal war geplatzt. Jetzt gab es beiderseits kein Interesse mehr. Die 05er glauben jedoch daran, dass es der 23-Jährige eine Liga höher schafft. „Berggreen ist eine Verpflichtung für die Zukunft“ betont der Manager. Der Däne, der nach Heidels Angaben 1,7 Millionen Euro gekostet hat, soll sich akklimatisieren und den Konkurrenzkampf aufnehmen. Wer weiß schließlich, was im Sommer mit Muto passiert. Und auch mit Cordoba, der sicherlich eine starke Rückrunde spielen muss, damit die Mainzer bereit sind, den  stattlichen Millionenbetrag an Ablöse zu zahlen, der fällig wird, falls Heidel die Kaufoption für den Stürmer wahrnimmt am Ende der Runde.

„Wir wussten auch, dass Berggreen wegen Verletzung noch ein paar Wochen braucht“, sagt Heidel. Die Unterstellungen, der Stürmer habe Blessuren vorgetäuscht, um in Braunschweig gehen zu können, seien jedoch absurd. „Wir haben alle Untersuchungsberichte des Spielers gesehen. Das ist dummes Zeug.“ Dass Giulio Donati überhaupt zu kriegen war, sei jedoch ein Glücksfall gewesen. Offenbar habe der Bundesliga-Rivale der 05er den Profi bereist auf dem Markt gehabt, weil der Klub eine Verstärkung auf dessen Position im Auge gehabt habe. „Ich habe die Vermutung, dass bei den Leverkusenern ein Transfer nicht funktioniert hat, dass die einen Verteidiger holen wollten, was nicht geklappt hat“, sagt der 05-Manager. „Die Rahmenbedingungen haben gut gepasst.“ Bayer 04 habe den Spieler zunächst verleihen wollen. Doch die Leihe mit Kaufoption sei höher gewesen als die jetzige Ablösesumme, die der Manager auf genau eine Million Euro beziffert. Als Mainz 05 das Angebot gemacht habe, den Spieler sofort zu kaufen, dafür aber weniger zu bezahlen, habe Leverkusen schließlich zugestimmt. „Giulio ist einer wie Zdenek Pospech. Er hat fußballerisch auch seine Grenzen, aber ist in der Lage, alleine die rechte Seite zuzumachen und hat wie Zdenek eine Spielweise, die das Publikum sehr mag. Der passt bestens zu uns.“

Nun sind es doch acht Kader-Veränderungen geworden in diesem Winter, die Heidel aber zu einem positiven Transfer-Fazit veranlassen. „Wir sind sehr zufrieden damit. Wir haben den Kader etwas verkleinert. Trotzdem ist es uns gelungen, die Qualität im Schnitt noch zu steigern. Ich bin sicher, wir haben ausnahmslos Spieler in unseren Reihen, die Bundesliga spielen können. Und der Kader ist groß genug, um mögliche Verletzungen kompensieren zu können.“

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