Heidel: Geis und Malli kriegen ihre Einsätze

Jörg Schneider. Mainz.
Dass Horst Hrubesch im Auftaktspiel der deutschen U21-Nationalmannschaft bei den Europameisterschaften in Prag sowohl Johannes Geis als auch Yunus Malli 90 Minuten auf der Bank hat schmoren lassen, löste vor allem in Mainz Verwunderung aus. Doch die beiden Nichtstarter vom FSV Mainz 05 könnten angesichts der schwachen Vorstellung der DFB-Auswahl beim 1:1 gegen Serbien im Nachhinein sogar zu den Gewinnern des Abends zählen. Einen Sieger mit 05-Vergangenheit gab es in jedem Fall: Torschütze Filip Djuricic beeindruckte mit einer überragenden Halbzeit.

Gut gelaunte Ex-Kollegen nach dem 1:1 in Prag: Torschütze Filip Djuricic mit den beiden 05ern Yunus Malli und Johannes Geis, die vergebens auf ihren Einsatz in der U21-Nationalmannschaft warteten. Foto: ImagoSo ganz nachvollziehbar war diese Aufstellung von Horst Hrubesch nicht. Schon gar nicht für alle diejenigen, die sich näher mit dem FSV Mainz 05 beschäftigen. Der DFB-Trainer ließ sowohl Johannes Geis als auch Yunus Malli im Auftaktspiel der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Prag auf der Bank schmoren. Beim dünnen 1:1 der DFB-Auswahl gegen Serbien verzichtete der Erfolgscoach im deutschen Nachwuchsbereich vor allem im Mittelfeld völlig überraschend auf  den Leistungsträger vom Bruchweg. Sein hochgelobtes Team bot in seinem ersten Auftritt in diesem Wettbewerb eine höchst bescheidene Vorstellung.

Dass Hrubesch Emre Can, den jungen Star des FC Liverpool, als einen der Sechser im Mittelfeld nominieren würde, war klar und auch logisch. Dass aber Moritz Leitner den zweiten Platz auf der Doppelsechs einnahm, verwunderte doch. Leitner, der in der abgelaufenen Bundesliga-Saison im Abstiegskampf des VfB Stuttgart nie eine Rolle spielte, so gut wie keine Einsätze bei Huub Stevens erhielt und zeitweise sogar in die U23 abgeschoben war, machte eine unglückliche Figur und musste zur Pause gehen. Für den von Borussia Dortmund ausgeliehenen Mittelfeldspieler kam der Leipziger Joshua Kimmich, der bisher ebenfalls nicht über den Talentstatus hinausgekommen ist. Und auch Kimmich trug in Prag wenig dazu bei, das Spiel der deutschen Mannschaft im Mittelfeld zu ordnen und zu lenken.

Das war auffallend, besonders in der schwachen ersten Hälfte: Can und Leitner schafften es gegen die auf schnelles Umschaltspiel setzenden Serben nie, das deutsche Defensivverhalten zu organisieren. Der Gegner beeindruckte die DFB-Auswahl mit seinem klassischen, flachen 4-4-2, in dem zwei eng stehende, mit viel Laufarbeit und körperlicher Präsenz verschiebende Viererketten, mit aggressivem Pressing klare Vorteile erarbeiteten. Viel Gefahr mit blitzschnellen, Ein-Kontakt-Kombinationen im Umschaltspiel nach Ballgewinnen schufen. Die deutschen Sechser liefen meist mit, nicht in der Lage, die Räume in der Zentrale einzuengen. Im Aufbauspiel fehlte das Tempo in der Spieleröffnung. Can und Leitner leisteten sich wie viele andere in Hrubeschs Mannschaft leichte Abspielfehler, hatten keine Passgenauigkeit in der Verlagerung, das Positionsspiel funktionierte kaum. Der Liverpooler rettete mit seiner schönen Einzelaktion zum 1:1 wenigstens den Punkt.

Der allerdings war lange schmeichelhaft, denn die Serben hatten einige Großchancen gegen die oft behäbig wirkenden  DFB-Fußballer. Und auch Max Meyer vom FC Schalke 04 hatte als Zehner kaum Szenen. Wenn es beim DFB-Team mal etwas vielversprechender nach vorne ging, dann über die Flügel. Ob das Ganze mit Malli und Geis anders ausgesehen hätte, ist nicht zu beantworten. Doch die Frage, warum der Trainer auf Geis verzichtete, ist Horst Hrubesch von den Journalisten vor Ort, offenbar bis jetzt gar nicht gestellt worden.

05-Manager: Diskussionen um Geis nicht förderlich

Immerhin war der 05-Spielmacher in allen Vorbereitungs- und Qualifikationsspielen dieser U21 einer der absoluten Leistungsträger. Geis hat zwei Bundesliga-Spielzeiten nacheinander als Stammspieler hinter sich, hat dabei derart gute und konstante Leistungen gezeigt, dass die halbe Bundesliga und ausländische Klubs hohe Millionenbeträge bereit sind zu zahlen für diesen 21-Jährigen. Yunus Malli hat eine starke Bundesligasaison absolviert, hat einen großen Schritt nach vorne gemacht, sich als Stammspieler in Mainz etabliert, in der kürzlich zu Ende gegangenen Runde sechs Treffer erzielt und als Zehner drei Torvorlagen gegeben.

Wenn man es positiv sehen will, dann gehören die beiden 05-Profis nach diesem schwachen Erstauftritt zu den Gewinnern ihrer Mannschaft und dürfen sich berechtigte Hoffnungen machen, bereits am Samstag gegen Dänemark ihr EM-Debüt zu geben. „Yunus und Geisi werden noch zu ihren Einsätzen kommen. Da bin ich sicher“, sagt Christian Heidel. Der 05-Manager glaubt nicht, dass die permanenten Transfer-Spekulationen um Geis den Ausschlag für dessen Nichtberücksichtigung gegeben haben. „Die vielen Diskussionen um Geisi sind bestimmt nicht förderlich, aber Horst Hrubesch kennt ihn und weiß, dass er absolut in der Lage ist, dies auszublenden. Hrubesch konnte sich immer auf ihn verlassen.“

Und dann war da ja noch jener Mann, den Heidel im vergangenen Sommer von Benfica Lissabon ausgeliehen hatte, der in Mainz nie über eine Statistenrolle hinausgekommen war und im Winter weiterzog nach England zum FC Southampton. Filip Djuricic war zwar auch dort kein Stammspieler, doch offenbar hat sich der 23-Jährige in der Premier League das Selbstbewusstsein geholt, um gegen die U21 ein Spiel hinzulegen, wie man es in Mainz gerne einmal gesehen hätte von dem technisch versierten Offensivspieler.

Djuricic spielte eine überragende erste Hälfte. Immer anspielbar, ballsicher, mit schnellen Körperdrehungen, technisch perfekt mit viel Durchsetzungsvermögen und Torgefahr. Sehenswert sein Treffer zum 1:0 der Serben: Ballannahme im Mittelfeld, schnelle Raumüberwindung. Dann der Beinschuss gegen den Wolfsburger Innenverteidiger Robin Knoche, rein in den Strafraum, Champions-League-Sieger Marc-André ter Stegen ausgeguckt und eiskalt vollstreckt. Einfach Klasse. Allerdings gelang Djuricic nach der Pause nicht mehr viel. Da sah sein Spiel schon wieder eher aus wie in seiner Mainzer Zeit. „Filip hätte ja nicht unbedingt im Spiel gegen Deutschland beweisen müssen, dass er weiß, wo das Tor steht“, kommentierte Heidel den Auftritt des Serben. „Er hat sich bei uns immer tadellos verhalten, und ich wünsche ihm noch viel Erfolg in den nächsten Spielen.“

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