Heidel: „Ich hatte richtig Bammel“

Jörg Schneider. Gelsenkirchen.
Die erste Runde ging an Christian Heidel: Sein neuer Klub, der FC Schalke 04, gewann das Bundesliga-Spiel gegen den FSV Mainz 05 in der Veltins Arena deutlich mit 3:0 und wiederlegte alle Befürchtungen, die den langjährigen 05-Manager vorher plagten. „Ich hatte richtig Bammel“, gestand Heidel nach der Partie, die ganz im Zeichen des ersten offiziellen Wiedersehens stand, erleichtert. Der 53-Jährige erlebte einen entspannten, erfolgreichen Abend sowie ein freundliches, unverkrampftes und herzliches Treffen mit den alten Weggefährten.

Plauderrunde beim Wiedersehen in der Veltins Arena: Harald Strutz, Axel Schuster, Christian Heidel und Jürgen Doetz. Foto: ImagoSie hatten sichtlich Spaß miteinander. Gut eine Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff der Partie formierte sich das Grüppchen an der Seitenlinie der Veltins Arena. An der Stelle im Innenraum, an der alle vorbei mussten, die auf den Rasen gelangen wollten. Christian Heidel und dessen Boss beim FC Schalke 04, Clemens Tönnies. Harald Strutz, der 05-Präsident und dessen Vize Jürgen Doetz sowie der mit dem Ex-05-Manager nach Gelsenkirchen abgewanderte frühere Teammanager Axel Schuster. Ein Grüppchen in reger Unterhaltung. Freundliche Gespräche. Gelächter. Gesten. So, wie früher. Immer wieder unterbrochen von Händeschütteln und Umarmungen mit den Spielern, Trainern und dem Funktionsteam der 05er. Das Wiedersehen der alten Weggefährten hatte nichts Verkrampftes. Da war in diesen Augenblicken der ersten offiziellen Wiederbegegnung als Verantwortliche verschiedener Lager nichts zu spüren von den atmosphärischen Störungen, die es durchaus gibt zwischen Strutz und Heidel.

Der neue Vorstand Sport und Kommunikation hatte ein paar Tage zuvor noch dem 05-Chef widersprochen, der kürzlich im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Mainz erklärt hatte,  dass aus Schalke seinerzeit durchgesickert sei, Heidel werde nach Gelsenkirchen wechseln. Strutz habe damals mit ihm im Büro zusammengesessen, und man sei sich einig gewesen, in der Öffentlichkeit noch nicht über das Thema Schalke zu sprechen, weil zu dem Zeitpunkt nichts entschieden gewesen sei, konterte Heidel in mehreren Interviews im Vorfeld der Wiedersehens-Partie. „Zwei Stunden später erklärt er in zwei TV-Interviews, ich hätte ein Angebot von Schalke 04. Da war ich schon perplex. Er hat sich dann bei mir entschuldigt, er habe einen Blackout gehabt." Eine Geschichte, die am Sonntag in Gelsenkirchen offenbar kein Thema war. Das frühere 05-Führungs-Duo plauderte locker in der Gruppe. „Wir haben uns ganz normal begrüßt“ sagte Strutz später. „Eine ganz normale Begegnung“, ergänzte Heidel. Beim vorangegangen Vorstandsessen, dass Schalke 04 vor Heimspielen mit der Führungsriege des Gegners arrangiert,  fehlte der 05-Vorsitzende wegen eines privaten Termins. Auch Heidel sagte später, er sei nur ganz kurz da gewesen. Das mag an den Nachwirkungen des Vorabends gelegen haben.

Da gab es im Haus von Christian Heidel in Essen ein rauschendes Wiedersehensfest mit 25 Gästen aus Mainz. „Da musste ich mir einige Sprüche anhören. Auch wegen der Tabellensituation“, erzählte der 53-Jährige nach dem 3:0-Sieg seines neuen Klubs über seine alte Liebe. Die Revanche werde folgen, versprach der Schalke-Vorstand. „Ich bereite einen großen Zettel vor, auf dem 3:0 steht, den zeige ich denen, die heute Abend noch da sind.“ Heidel hat die erste Runde klar geworden im Premieren-Duell mit seinem Ex-Klub, zeigte aber nach außen hin keinerlei Triumph-Gefühle. Weder bei den drei Toren („Rumhüpfen hätte einfach nicht gepasst, aber gefreut habe ich mich trotzdem über die Tore“), noch später. Nur die gute Laune war erkennbar. Heidel erlebte einen entspannten Abend, den er so nicht erwartet hatte.

„Ich muss sagen, ich hatte richtig Bammel vor diesem Spiel, weil uns das 05-Spiel eigentlich nicht so passt“, erzählte er später. „Ich hätte niemals mit einem 3:0-Sieg gerechnet.“ Für ihn sei es auch ein extrem komisches Gefühl gewesen, ins Stadion zu kommen. „Da sind zwei Mannschaften auf dem Platz, die einem beide sehr nahe stehen. Die Spieler saßen ja fast alle schon bei mir im Büro und haben einen Vertrag unterschrieben.“ Am Ende waren sich alle einig, dass der FC Schalke an diesem Tag besser war als die 05er, die nicht an ihre bisherigen Saison-Leistungen anknüpfen konnten. Warum auch immer.

„Mainz 05 hat trotz dieser Niederlage eine tolle Mannschaft“, sagte der Ex-05-Manager artig. „Man muss sich nur ansehen, welche Spieler sie noch einwechseln können. Sie werden ihren Weg gehen und diese Saison wieder eine gute Rolle spielen.“ Seiner Ansicht auch in der Europaliga, in der ja auch Heidels neuer Klubs bestens unterwegs ist. „Vielleicht sehen wir uns ja im Mai in Stockholm.“ Dort steigt bekanntlich am 24. Mai nächsten Jahres das Finale der Europa League.

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