Heidel: „Wir haben uns nicht verkauft“

Jörg Schneider. Mainz.
Der Deal ist fix: Das internationale Sportmarketing-Unternehmen Infront Sports & Media wird ab sofort exklusiver Vermarktungspartner des FSV Mainz 05. Infront übernimmt bei den 05ern in den kommenden zehn Jahren das Mandat für die Gesamtvermarktung. Wie hoch das finanzielle Gesamtpaket ist, ob die im Vorfeld kolportierten rund 260 Millionen Euro der Wirklichkeit entsprechen, wollten die Beteiligten nach der Vertragsunterzeichnung am Freitag nicht kommentieren. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass die Partnerschaft den 05ern zusätzliche Marketing-Einnahmen von rund fünf Millionen Euro pro Jahr garantiert.

Mega-Deal über zehn Jahre vereinbart: 05-Manager Christian Heidel, Infront-Geschäftsführer Reinhardt Weinberger und FSV-Präsident Harald Strutz. Einen Tag nach den Gerüchten folgte am Freitagmorgen die Vertragsunterzeichnung. Das internationale Sportmarketing-Unternehmen Infront Sports & Media wird ab sofort exklusiver Vermarktungspartner des FSV Mainz 05. Infront übernimmt das Mandat bei den 05ern für die Gesamtvermarktung. Dazu gehören hochwertige Partnerpakete wie das Haupt- und Trikotsponsoring, das Stadion-Namensrecht, Bandenwerbung bei den Heimspielen sowie umfassende Hospitality-Leistungen in der Coface Arena. Der Vertrag läuft für mindestens zehn Jahre bis einschließlich der Saison 2024/2025.

Im Vorfeld war die Rede von einem Gesamtpaket in Höhe von etwa 260 Millionen Euro, die dieser Deal den Mainzern in die Vereinskasse spülen soll. Die Beteiligten waren am Freitag jedoch nicht bereit, irgendwelche Zahlen zu kommentieren. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass die Partnerschaft mit Infront den 05ern pro Jahr zusätzliche Vermarktungseinnahmen von rund fünf Millionen Euro garantiert.

„Wir haben durch die hervorragende Arbeit unseres vereinsinternen Marketing-Teams unter Geschäftsführer Dag Heydecker die Marketing-Erlöse des Vereins in den vergangenen acht Jahren verfünffacht. Die anhaltend rasante Entwicklung der Bundesliga verpflichtet uns jedoch in Verantwortung für den Verein, unsere wirtschaftlichen Ressourcen optimal auszuschöpfen und damit unsere Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. Wir freuen uns, dass wir hierfür in Infront einen großen und erfahrenen Partner gewonnen haben, der uns mit seiner Vertriebsstärke und seinem bestehenden nationalen und internationalen Netzwerk optimal bei unserer Vermarktung unterstützen kann. Durch finanzielle Garantien erreichen wir eine hohe wirtschaftliche Planungssicherheit und damit eine Basis für die weitere sportliche Entwicklung von Mainz 05“, sagte 05-Chef Harald Strutz.

„Wir sind froh, dass wir den Vertrag heute Morgen unterscheiben konnten“, sagte Christian Heidel. „Die Betonung muss auf konnten oder sogar auf wollten liegen und nicht auf mussten“, so der 05-Manager. „Das Entscheidende war, dass wir vom ersten Tag an klar deutlich gemacht haben, dass Mainz 05 kein Verein ist, der unterschreibt, weil er wirtschaftliche Probleme hat, sondern weil wir aus einer wirtschaftlichen Stärke heraus handeln können. Deswegen hat die ganze Geschichte ein Jahr gedauert. Wir sind seit zwölf Monaten in sehr konkreten Gesprächen gewesen, haben sehr hart, aber offen und fair verhandelt.“ Der 05-Manager fügte hinzu, der Verein habe das gewollt, „weil ich schon vor einem Jahr gesagt habe, dass man gerade in einer Erfolgsphase alles auf den Kopf stellen muss. Alles überprüfen. Wo können wir uns verbessern? Wie sind wir für die Zukunft aufgestellt? Das Ergebnis aus diesen langen Gesprächen in den Bereichen Vermarktung und Sponsoring war, dass es besser ist, in der nächsten Periode von zehn Jahren einen großen Partner mit ins Boot zu nehmen. Es ist ein Partner, kein Erwerber von irgendwelchen Rechten.“

05er haben zweitgrößtes Mandat bei der Infront-Gruppe in Deutschland

Die Zielsetzung laute, den Verein breiter in der Vermarktung aufzustellen auch auf internationaler Ebene, ohne dass der Klub seine Identität verliere. „Mainz 05 hat sich dann vor zwei Monaten dafür entschieden, dass dies der beste Weg ist. Wir haben uns nicht verkauft, sondern im Interesse aller breiter aufgestellt. Und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem wir es nicht machen mussten. Das Thema war nicht, dass wir kurzfristig viel Geld brauchen. Es geht um Planungssicherheit und Nachhaltigkeit. Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wenn man einen Vertrag über zehn Jahre abschließt und dafür ein Jahr lang braucht, kann sich jeder vorstellen, dass wir uns bis ins kleinste Detail Gedanken gemacht haben“, erklärte Heidel.

Infront sehe sich als Vermarktungspartner, nicht als Finanzierungspartner, betonte  Reinhardt Weinberger, Geschäftsführer Infront Germany. Mainz 05 bleibe das Gesicht dieser Zusammenarbeit nach außen, sein Unternehmen sei der Dienstleister im Hintergrund. „Wir haben uns eine integrierte Vermarktungspartnerschaft auf die Fahnen geschrieben. Das geht nur, wenn wir die Themen gemeinschaftlich weiterentwickeln können. Für uns ist das Mandat sehr wichtig.“ Denn die Zusammenarbeit mit den 05ern gehöre zu den drei größten Mandaten der gesamten Infront-Gruppe.

Infront Sports & Media ist mit 600 Mitarbeitern und 25 Niederlassungen in 13 Ländern eine der führenden internationalen Sportmarketing-Gruppen. Das Unternehmen mit Hauptsitz im schweizerischen Zug, das inzwischen einen chinesischen Gesellschafter hat, ist Partner von 160 Sportverbänden und -vereinen.  Das größte Infront-Mandat hat der 1. FC Köln in Deutschland vor den 05ern. Darüber hinaus hat die Firma Mandate beim AS Monaco, Inter Mailand und dem AC Mailand. „Wir werden hier ein Büro im Verein eröffnen mit sieben Mitarbeitern. Wir freuen uns, dass drei Mitarbeiter von Mainz 05 zu uns rüber wechseln. Das ist ein großer Vorteil, dass wir nicht bei null anfangen“, erklärte Weinberger.

„Wir haben die Herausforderung, das Marketingvolumen des Vereins zu erhöhen und sind zuversichtlich, dass wir das schaffen“, so der Infront-Geschäftsführer. „Jetzt geht es darum, die Themen zukunftsfest zu machen.“ Ein Ziel sei natürlich der internationale Markt. Vor allen Dingen der stark expandierende asiatische und dort der chinesische Markt. Eine große Herausforderung in Mainz sei aber zunächst der Hospitality-Bereich. „Bei den Business Seats kann die Auslastung durchaus höher sein. Das hat sicherlich erste Priorität. Das Infront-Team in Mainz wird mit Unterstützung unseres nationalen und internationalen Vertriebs alles daran setzen, eine solide wirtschaftliche Basis für den sportlichen Erfolg zu schaffen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Klub, seinen bestehenden Sponsoren und künftigen Partnern wollen wir die Marke 1. FSV Mainz langfristig stärken – wobei der Erhalt der fannahen und heimatverbundenen Vereinskultur stets im Vordergrund steht“, sagte Weinberger.   

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