Heidel: „Wir werden noch etwas tun“

Jörg Schneider. Mainz.
Mit der Verpflichtung von Leon Balogun vom SV Darmstadt 98 ist die Transferaktivität des FSV Mainz 05 längst noch nicht abgeschlossen. „Wir werden noch etwas tun“, kündigt Christian Heidel an. Sollte der Manager damit auf die Gerüchte um den Basler Mittelfeldspieler Fabian Frei anspielen, dürften die Wechsel-Spekulationen um Johannes Geis bald konkret werden. Denn der Schweizer Nationalspieler wäre teuer, und Heidel hat für die Transfers von Yoshinori Muto und Florin Niederlechner bereits tief in den Geldbeutel greifen müssen. „Die Saison ist aber wie immer sehr solide und seriös durchfinanziert, da muss sich keiner Sorgen machen“, sagt Heidel.

Groß gewachsen, körperlich robust, ein erfahrener Verteidiger und hungrig auf die Bundesliga: Leon Balogun entspricht genau dem Anforderungsprofil, das die 05er gesucht haben. Foto: Imago Das sieht bisher sehr gut aus, was der FSV Mainz 05 da in seinen Kaderplanungen für die neue Bundesligasaison unternommen hat. Vier Neuzugänge hat Christian Heidel bis jetzt für seinen Trainer angeheuert. Und hinter den Verpflichtungen, die der 05-Manager und Martin Schmidt an Land gezogen haben, scheint ein klarer, vernünftiger Plan zu stecken. Yoshinori Muto, der Linksaußen vom FC Tokio, soll dem Mainzer Angriff Tempo und Dribbling auf der Außenbahn zuführen, dazu mehr Torgefahr.

Von Florian Niederlechner, als zentraler Mittelstürmer vom FC Heidenheim gekommen, erwarten die 05er mehr Optionen im Sturm, zusätzliche Abschlussqualitäten. Danny Latza vom VfL Bochum kommt als weitere Option fürs defensive Mittelfeld und mit Leon Balogun vom SV Darmstadt 98 stellt sich nun ein starker, auch körperlich großer Außenverteidiger für die rechte Seite vor, der dazu innen einsetzbar ist. Interessant dabei ist aber auch die Tatsache, dass sich die 05er neben Muto drei Leistungsträger aus der Zweiten Liga geangelt haben, die teilweise schon über viel Erfahrung verfügen.

Drei neue deutsche Profis (Balogun, der für die nigerianische Nationalmannschaft spielt, ist in Berlin geboren und hat eine deutsche Mutter) für einen Kader, der in der vergangenen Saison einen großen internationalen Anstrich hatte. Dieses Trio verkörpert dazu das, was in Mainz ohnehin gefragt ist: Alle drei sind hungrige Profis, für die die Bundesliga keine Routine ist, sondern etwas Besonderes darstellt. Eine große Herausforderung, in der sie sich beweisen wollen, die aber auch Identifikations-Potenzial besitzen. Das soll in der bald beginnenden Saisonvorbereitung, bei aller Klasse, Routine und Cleverness im Kader, bei den 05ern wieder verstärkt zu spüren sein.

Transfer-Abwicklung aus 8.000 Kilometern Entfernung

Die Planungen des 05-Managers sind damit jedoch noch nicht abgeschlossen. „Wir werden noch etwas tun“, sagte Christian Heidel der nullfünfMixedZone nach dem Balogun-Deal. Wenn man der Basler Zeitung Glauben schenken darf, dann ist Fabian Frei vom FC Basel der nächste Zugang am Bruchweg. Der 26-jährige Schweizer Nationalspieler mit Champions-League-Erfahrung ist ein starker und erfahrener zentraler Mittelfeldspieler. Allerdings ein teurer, der abgelöst werden muss. Das könnte dafür sprechen, dass die Wechselspekulationen um Johannes Geis, der am Samstag nun auch sein Kurz-Debüt bei der U21-Europameisterschaft in Prag gegeben hat, beim 3:0 gegen Dänemark in der Schlussphase spielte, bald konkret werden. Das Thema bleibt spannend.

Heidel möchte nicht über Zahlen sprechen, doch der Paketpreis für Muto und Niederlechner dürfte für Mainzer Verhältnisse hoch gewesen sein. Höher jedenfalls, als die Erlöse, die Heidel beispielsweise mit dem Verkauf der zuletzt ausgeliehenen Profis Sebastian Polter, Niki Zimling oder Dani Schahin als Refinanzierung generieren kann. „Die Saison ist aber wie immer sehr solide und seriös durchfinanziert“, sagt Heidel, „da muss sich keiner Sorgen machen.“

Der Mainzer Manager hat die Transfers von Niederlechner und zuletzt Balogun von seinem Urlaubsort in Florida aus abgewickelt. Am Beispiel des Darmstädter Rechtsverteidigers erzählt der 52-Jährige, wie ein solches Verfahren abläuft. „Auch in den USA gibt es Telefon und Computer. Die Selektion wurde natürlich schon vorher in Mainz gemacht. Die Verhandlungen mit Leons Berater Jörg Neubauer habe ich dann von hier aus geführt.“ Mit den Darmstädtern habe er in diesem Fall ja nicht verhandeln müssen, weil der Vertrag des Spielers auslief. Er habe jedoch 98-Sportmanager Tom Eilers, den früheren Zweitliga-Torhüter der 05er, vor der Veröffentlich des Wechsels informiert. „Das gehört sich so“, sagt Heidel. „Den Vertrag habe ich dann hier in den USA gemacht, nach Mainz geschickt, und Leon hat ihn nach dem Medizincheck am Mittwoch dann am Freitag in meinem Büro unterschrieben. Das geht alles.“

Balogun tritt am Bruchweg künftig in den Konkurrenzkampf mit Daniel Brosinski. „Brosinski hat eine sehr gute Saison gespielt, allerdings ohne Druck. Unser Streben ist es, auf allen Positionen doppelt und qualitativ gut besetzt zu sein. Ein gesunder Wettbewerb ist immer leistungsfördernd. Und Leon kann sicher auch als Innenverteidiger spielen“, erklärt Heidel.

Sowohl die Erfahrung des 26-jährigen Deutsch-Nigerianers, als auch dessen Längenmaß von 1,90 Metern hat die 05er interessiert. „Beides war ein Kriterium. Wir haben eine sehr junge Mannschaft“, sagt der Manager. „Außer Elkin Soto ist kein Spieler 30 Jahre oder älter. Die Idee war schon, einen Spieler Mitte 20 zu verpflichten. Und ein Spieler unter 1,85 Metern wäre auf dieser Position in diesem Jahr durchs Raster gefallen.“

Balogun habe auch andere Möglichkeiten gehabt. „Leon hat sich in der Nationalmannschaft von Nigeria auch international in den Fokus gespielt. Insbesondere in den Gesprächen mit seinem Berater hatte ich von Beginn an ein gutes Gefühl“, sagt der 52-Jährige. „Martin Schmidt hat sich vor seinem Urlaub mit dem Spieler getroffen und war vom Typ total begeistert. Der Rest war dann mein Job. Und das ging auch aus 8.000 Kilometern Entfernung.“   

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