Heim- und auswärtsstark

Christian Karn. Mainz.
2014 – ein ereignisreiches und spannendes Jahr für den FSV Mainz 05 in der Bundesliga mit vielen Höhen und einigen Tiefen, aufregend und facettenreich. Mit Erfolgen und Niederlagen, alten und neuen Protagonisten. Die nullfünfMixedZone beleuchtet noch einmal die vergangenen zwölf Monate der Fußballer vom Bruchweg mit Geschichten, Bildern und Zahlen, mit Besonderheiten und Randerscheinungen. Heute im Rückblick: Die erste Hälfte der Rückrunde mit allen Spielen, Aufstellungen und Toren.

In der ersten Hälfte der Rückrunde war der FSV Mainz 05 überall in der Bundesliga ein gefürchteter Gegner - heim- und auswärtsstark. Das 0:3 in Wolfsburg war die einzige Niederlage - eine, die sich 60 Minuten lang nicht angedeutet hatte. Es gab aber auch vier Punkte im Doppel-Auswärtsspiel auf Schalke und in Leverkusen, es gab dieses kuriose 4:2 in Hoffenheim, es gab 17 Punkte in acht Spielen. Dank einer oft perfekt eingestellten Mannschaft, dank großer taktischer Flexibilität, auch dank weniger Ausfälle legten die 05er in dieser Phase der Saison die Basis für die Europapokal-Qualifikation.

VfB Stuttgart - FSV Mainz 05 1:2 (1:1)

25. Januar 2014.

Im vergangenen Winter war die Bundesliga ganz klar getrennt in eine untere und eine obere Hälfte. Die untere führte der VfB Stuttgart an mit 19 Punkten. Letzter der oberen waren die 05er mit fünf Punkten mehr. Zum ersten Rückrundenspiel trafen sich die entfernten Tabellennachbarn in Stuttgart. Erst einmal verkürzte der VfB den Abstand durch das frühe Tor von Mo Abdellaoue. Davon ließen sich die 05er aber nicht groß irritieren: Shinji Okazaki, im vorherigen Sommer in Stuttgart aussortiert, traf wie schon im Hinspiel. Und kurz vor Schluss kam der große Auftritt eines Nachwuchsmanns, der im vorherigen Auswärtsspiel der 05er beim VfB erstmals in der Bundesliga mitgespielt hatte: Benedikt Sallers Debüt hatte 15 Minuten gedauert, sein zweiter Auftritt in Stuttgart nur sieben. Das reichte dem 21-Jährigen, der mit 16 nach Mainz gekommen war, zum Siegtreffer. Und brachte die 05er, die am Ende der Hinrunde nicht allzu konsequent gepunktet hatten, wieder in Reichweite des sechsten Platzes.

FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Park - Geis - Moritz (83. Saller), Malli (59. Koo), Soto (59. Diaz) - N. Müller, Okazaki.
Tore: 1:0 Abdellaoue (11., Ibisevic), 1:1 Okazaki (40., Moritz), 1:2 Saller (87., Park).

FSV Mainz 05 - SC Freiburg 2:0 (1:0)

Die Koreaner Joo-Ho Park und Ja-Cheol Koo verneigen sich nach ihren Toren vor der Fantribüne. Foto: imago

1. Februar 2014.

Mainzer Heimspiele gegen Freiburg waren zuletzt nicht ohne. Da war zum gleichen Zeitpunkt der Saison 2011/12 der umstrittene Platzverweis gegen den SC in der dritten Minute, da war zum annähernd gleichen Zeitpunkt der Saison 2012/13 der Auftritt von Felix Zwayer mit diversen nicht gegebenen Elfmetern und dem Platzverweis gegen Shawn Parker, da war das Pokalspiel. Regelrecht banal war daher nun das lockere 2:0. In der ersten Hälfte traf Joo-Ho Park mit einem kapital abgefälschten Distanzschuss, worauf den Freiburgern nicht mehr viel Zielführendes einfiel. In der 86. Minute zeigte hingegen Parks gut eine Woche zuvor für viel Geld verpflichteter Landsmann Ja-Cheol Koo zum ersten Mal, warum Tuchel nach eigener Aussage auch persönlich nach China gefahren wäre, um ihn zu holen - nicht aus Versehen aus dem falschen Land, sondern aus dem Wolfsburger Trainingslager: Koos 2:0 war ein Kunstwerk.

FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Diaz (90. Bungert) - Geis, Park - Moritz (75. Koch), Malli (58. Koo), Choupo-Moting - Okazaki.
Tore: 1:0 Park (24., Moritz), 2:0 Koo (86., Geis).

VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 3:0 (0:0)

8. Februar 2014.

0:3 verloren - das sieht nicht schön aus. Und wird in diesem Fall dem Spiel nicht gerecht. Denn eine Stunde lang waren die 05er nicht schlechter als der umständliche VfL Wolfsburg. Dessen Mittelstürmer Bas Dost war schon so gut wie ausgewechselt, als er das Spiel entschied: Stefan Bells Attacke gegen den Niederländer konnte man aus allen Perspektiven betrachten, aber es half nicht: Die Elfmeterentscheidung zum 0:1 war sehr knapp, aber auch sehr richtig. Dost selbst erhöhte auf 2:0 und Luiz Gustavo, der bei einem eher fahrlässigen als brutalen Zweikampf nach fünf Minuten Christoph Moritz' Partie beendet hatte und mit Gelb davongekommen war, schoss das 3:0. Zu hoch, sicherlich. Aber was hilft's? Mit einem Sieg hätten die 05er den VfL überholt und sich den wertvollen sechsten Platz geschnappt. So hatten sie nun als Neunter drei Punkte Rückstand. Aber: Die Saison war noch lang.

FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bungert, Bell, Park - Geis - Koch (71. N. Müller), Koo (71. S. Parker), Moritz (6. Diaz) - Okazaki, Choupo-Moting.
Tore: 1:0 Rodriguez (59., Foulelfmeter, Bell an Dost), 2:0 Dost (66., Olic), 3:0 Luiz Gustavo (75., Knoche).

FSV Mainz 05 - Hannover 96 2:0 (0:0)

14. Februar 2014.

Und drei Wochen später - dazwischen lagen Länderspiele und der DFB-Pokal - sah es schon wieder besser aus. Hannover 96 kam nach Mainz, eine Mannschaft, die nicht gerade zu den Angstgegnern der 05er gezählt werden muss. Wenn auch keine Tore fielen, deutete sich schon in der ersten Hälfte an, dass die Mainzer gute Chancen hätten, die Partie zu gewinnen. Yunus Malli eröffnete die starke Offensivleistung der 05er in der zweiten Hälfte mit dem Führungstor (51.). Einziges Manko: Der zweite Treffer gelang erst tief in der Nachspielzeit: Nachdem Malli, Okazaki, Saller und er selbst (dreimal) gute Möglichkeiten ausgelassen hatten, traf Maxim Choupo-Moting in der 93. Minute doch noch zum 2:0. Und Ruhe war.

FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Diaz - Geis, Park (46. Choupo-Moting) - Saller (78. Zimling), Malli (60. Koo), N. Müller - Okazaki.
Tore: 1:0 Malli (51., N. Müller), 2:0 Choupo-Moting (90+3., Zimling).

FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 0:0

21. Februar 2014.

Engagement und Flexibilität - die Überschrift vieler Tuchel-Spiele. Mit etwas Glück hätte das auf Schalke zum Sieg reichen können. Ohne dieses Glück kam ein taktisch geprägtes 0:0 heraus. Schalkes Torwart Ralf Fährmann vereitelte nach einer halben Stunde Shinji Okazakis große Chance aufs Führungstor; viele Möglichkeiten hatten die 05er anschließend bei aller Bereitschaft nicht mehr. Aber auch vor dem anderen Tor war nicht zu viel los: Nikolce Noveski fälschte einen Schuss von Jefferson Farfan zur Ecke ab und Max Meyer machte wenig aus einem Fehlpass von Loris Karius. Die 05er waren taktisch überlegen, mussten sich mit einem Punkt zufrieden geben - aber auf Schalke fällt das nicht so schwer.

FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Diaz - Geis - Moritz, Koo (71. Choupo-Moting), Soto - N. Müller (83. Saller), Okazaki (71. S. Parker).

Bayer Leverkusen - FSV Mainz 05 0:1 (0:1)

Fassenacht in der BayArena: Sebastian Polter und Loris Karius feiern den Auswärtssieg. Foto: imago

1. März 2014.

Die Fassenacht konnte kommen: Aus zwei schweren Auswärtsspielen gegen Spitzenteams kamen die 05er mit insgesamt 1:0 Toren heraus, beim Sieg in Leverkusen einerseits dank einer gewissen Portion Spielglück, aber auch dank einer außergewöhnlichen Defensivleistung, perfekter taktischer Abstimmung und einem technisch feinen Tor von Choupo-Moting: Stefan Bell bohrte den Querpass mit voller Wucht in den Strafraum und der Angreifer schnickte die Kugel mit der Hacke ins lange Eck. Bayer Leverkusen, ohnehin schon stark im Pressing und im Spiel gegen den Ball, wurde nach diesem Tor in der Schlussphase der ersten Hälfte noch offensiver, noch druckvoller, aber da entwickelten die Mainzer ihre wirklich Stärke in diesem Spiel: Disziplin und Ordnung, Überzeugung und Konsequenz. So dass am Ende mit von den Fans gestifteten Kostüme die Fastnachtsfeierlichkeiten einige Kilometer rheinabwärts des Doms stiegen.

FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Diaz - Geis - Moritz, Koo (71. Saller), Park (90. Soto) - Okazaki, Choupo-Moting (65. Polter).
Tor: 0:1 Choupo-Moting (37., Bell).

FSV Mainz 05 - Hertha BSC 1:1 (0:0)

9. März 2014.

Gegen Hertha BSC stand Maxim Choupo-Moting schon wieder im Mittelpunkt - zunächst hätte der Stürmer darauf sicher gut verzichten können. Sein Fehler war's, sein Dribbling gegen eine pressende Überzahl, der den Berlinern die Führung in der Coface Arena ermöglichte. "Bitte kein Tor", habe er noch gefleht, verriet Choupo-Moting, erhört wurde er nicht. Also kümmerte sich der Nationalspieler Kameruns persönlich um die Kompensation des Schadens: Wunderbarer Pass in den Rücken der Abwehr, in den Rücken des defensiv schuftenden Ex-Mainzers Sami Allagui, in den Lauf von Joo-Ho Park. Foul, Elfmeter, 1:1. Torschütze: Choupo-Moting. Und von da an: Risikominimierung. Punktverwaltung. Denn beide hielten den Druck auf die Aufbauspieler aufrecht, beide wagten deswegen keine großen Offensivaktionen. "Das war schon dem Spiel geschuldet", erklärte Christoph Moritz. "Beide Mannschaften wussten nicht so recht, ob sie konsequent auf den Dreier gehen sollten." 1:1 am Ende, das passte.

FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Park - Moritz, Geis - S. Parker (54. Koo), N. Müller (76. Diaz), Choupo-Moting (89. Malli) - Okazaki.
Tore: 0:1 Ramos (51., Skjelbred), 1:1 Choupo-Moting (65., Foulelfmeter, Allagui an Park).

TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 2:4 (0:0)

15. März 2014.

Eine Besonderheit der Saison 2013/14: Wo Hoffenheim spielte, fielen Tore. 72:70 insgesamt für die TSG, 2,12:2,06 pro Spiel - gewaltig. In Mainz hatten die Hoffenheimer im Hinspiel bereits eine 2:0-Führung abgegeben und sich mit einem 2:2 zufrieden geben müssen. Im Rückspiel setzten die 05er noch eins drauf. Zuerst jedoch verschoss Sejad Salihovic einen umstrittenen Elfmeter für die TSG, so dass es mit 0:0 in die Halbzeit ging. Sieben Minuten brauchten die Hoffenheimer, um nach der Pause doch das Spiel mit dem schnellen 2:0 zu entscheiden - jedenfalls sah es eine Viertelstunde lang so aus. "Wir waren klar unterlegen, lagen verdient in Rückstand", sagte Thomas Tuchel. Aber innerhalb von acht Minuten warfen die 05er alles um: 1:2 durch Maxim Choupo-Moting, der Schlüsselmoment des Spiels. 2:2 durch Benedikt Saller - ein Zufallstor, denn der Mainzer wurde vom Gegenspieler angeschossen, aber wer fragt danach? Und 3:2 durch Shinji Okazaki, der in der Nachspielzeit noch einmal traf zu einem der kuriosesten 05-Siege in achteinhalb Jahren Bundesliga.

FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Diaz (59. N. Müller) - Geis (59. Saller) - Moritz, Koo (71. Malli), Park - Okazaki, Choupo-Moting.
Tore: 1:0 Polanski (49., ohne Vorarbeit), 2:0 Roberto Firmino (52., Johnson), 2:1 Choupo-Moting (67., Bell), 2:2 Saller (73., angeschossen), 2:3 Okazaki (75., Choupo-Moting), 2:4 Okazaki (90+2., N. Müller).
Besonderes: Salihovic schießt einen Elfmeter (Noveski an Volland) über das Tor.