Hjulmand: Die Mentalität ist unsere große Stärke

Jörg Schneider. Estepona.
Am heutigen Dienstag endet das Trainingslager des FSV Mainz 05 an der Costa del Sol. Eine Woche lang hat sich der Bundesligist bei optimalen Bedingungen im Marbella Football Center auf eine der schwierigsten Rückrunden der vergangenen Jahre vorbereitet. Kasper Hjulmand zog im Team-Quartier in Estepona ein positives Fazit der Arbeit in Andalusien, blieb dabei jedoch inhaltlich weitgehend an der Oberfläche. „Wir sind bereit“, sagte der Däne. Seine Mannschaft habe die richtige Mentalität und den nötigen Teamgeist, um die schwere Aufgabe zu bewerkstelligen.

Wenig Zeit für Interviews und Mediengespräche: Kasper Hjulmand im Trainingslager. Foto: Jörg SchneiderPressearbeit, das ist in diesem Trainingslager des FSV Mainz 05 in Marbella wieder einmal deutlich geworden, fällt Kasper Hjulmand nicht leicht. Oder gehört bei ihm zur Kategorie lästige Pflichtaufgabe. Das Gespräch mit den Medien ist für den 05-Trainer mehr oder weniger etwas, was getan werden muss, das der Däne jedoch möglichst schnell hinter sich bringen will. Fünf Minuten auf dem Platz hin und wieder nach den Trainingseinheiten, eine Viertelstunde vor dem Mittagessen für das Abschlussgespräch mit den mitgereisten Journalisten im Mannschaftshotel in Estepona. Das muss reichen.

Für eine tiefgründige öffentliche Analyse, einen etwas genaueren Einblick in das Innenleben und den Zustand des Bundesligisten zu Beginn des neuen Jahres, ist der 05-Coach nicht bereit. Vieles, was Hjulmand sagt, wiederholt sich, vieles bleibt an der Oberfläche und mündet immer wieder in den gleichen Statements. An sich kein Problem. Ein Trainer muss nicht alles erzählen, ein Trainer soll Spiele gewinnen. Doch Hjulmand und dessen Profis haben seit geraumer Zeit, genauer seit neun Bundesligaspielen nicht mehr gewonnen und diese Serie auch in den Testspielen an der Costa del Sol fortgesetzt.

Nach der Woche in Marbella bleiben etliche Fragen offen. Hjulmand nähert sich diesen Themen nur an der Oberfläche. Der Trainer wirkt distanziert im öffentlichen Umgang. Das mag an der Sprache liegen, daran, dass dem Dänen trotz bemerkenswerter Fortschritte im Deutschen noch die Begrifflichkeiten fehlen, um seine Vorstellungen näher zu erläutern. Das mag auch daran liegen, dass die extreme Fokussierung auf seine Arbeit keinen Raum lässt für Dinge die außerhalb von Trainingsprogrammen, Analysen und Teamgesprächen liegen.

In elf Tagen beginnt für die 05er eine der schwersten und kompliziertesten Rückrunden der vergangenen Jahre. Nur ein Punkt trennt den Klub vom Relegationsplatz. Da muss Hjulmand auf Anhieb Ergebnisse liefern. Da wäre es hilfreich gewesen, sich in dieser Trainingslagerwoche in Spanien das Gefühl zurückzuholen, Spiele gewinnen zu können, um sich selbst und einer nervösen Öffentlichkeit positive Signale zu liefern, Vorfreude zu schüren. Doch am Ende bleibt eine 0:1-Niederlage gegen den SC Freiburg stehen sowie ein mühsames 1:1 gegen Eintracht Braunschweig. Zwei Spiele, in denen die Mannschaft zwar von ihrer Spielstruktur, von ihrer Organisation her und in vielen Bereichen einen mehr als ordentlichen Eindruck hinterließ. Zwei Spiele, in denen jedoch offensiv wenig  passierte, die herausgespielten Torchancen an einer Hand abzuzählen waren.

Eine hastige Viertelstunde vor dem Mittagessen gab Kasper Hjulmand den Medien für sein Fazit der Tage von Marbella. Foto: Jörg SchneiderDas muss man nicht überbewerten. Testspiele im Trainingslager mit schweren Beinen und müdem Geist haben nicht immer die ganz große Aussagekraft. Es gab schon Mannschaften, die überragende Vorbereitungen absolvierten und dann in der Liga Woche für Woche die Hütte voll bekamen. In Mainz soll und muss das Gegenteil der Fall sein. Schritt für Schritt soll sich die Mannschaft in den verbleibenden elf Tagen die Form und die Stärke holen, um diese richtungsweisende Startphase in der Rückrunde erfolgreich zu meistern.

„Ich hätte natürlich gerne die Testspiele gewonnen. Siege wären wichtig gewesen für das Gesamtgefühl, aber ich glaube, wir sind trotzdem ein großes Stück weiter gekommen und bereit“, sagt der 42-Jährige. Er sei zufrieden mit der Arbeit des Kaders auf dem Trainingsplatz in Marbella. Die Stimmung sei gut gewesen, die Entwicklung und die Integration der neuen Spieler seien vorangeschritten. „Aber ich weiß auch, dass wir in der nächsten Woche noch viel Arbeit haben, um es besser zu machen. Die Spieler haben gut gearbeitet. Vor allen Dingen ist wichtig, dass fast alle der verletzten Spieler jetzt wieder dabei sind. Das ist gut für die Konkurrenzsituation. Am Anfang des Trainingslagers war keiner der Verletzten dabei, jetzt sind bis auf Christoph Moritz alle wieder da.“

Er habe das Gefühl, die Mannschaft wisse genau Bescheid, was auf sie zukomme, was gerade zu Beginn der Rückrunde mit der Englischen Woche gefordert sei. „Wir haben die Mentalität, um in diesen ersten Spielen Vollgas zu geben. Wir wissen, dass es eine schwierige Rückrunde wird, dass wir ganz hart arbeiten, kämpfen und immer total alles geben müssen, aber wir freuen uns darauf.“

Der Teamgeist sei groß bei Mainz 05. „Den brauchen wir unbedingt. Wir müssen zeigen, wenn Gegenwind kommt, dass wir zusammen stehen und in jedem Spiel wie verrückt um den Erfolg kämpfen“, sagt der 05-Trainer. „Wir haben die Grundlagen dafür, und die Mentalität ist unsere große Stärke.“

Natürlich sei die Situation schwierig. „Aber so ist es im Profifußball. Ich bin optimistisch. Wir sind nicht stärker als die anderen Mannschaften um uns herum, aber mit Ruhe, Qualität und Kontinuität in unserer Arbeit, wenn wir uns jeden Tag verbessern, dann haben wir gute Möglichkeiten zu bestehen.“

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