Hondas Aluminium-Hattrick

Christian Karn. Mainz.
Nach zwei Gruppenspieltagen stehen fünf der acht Viertelfinalisten der Asienmeisterschaft in Australien fest. Japan ist noch nicht dabei, was jedoch nicht an den Ergebnissen der Mannschaft um den Mainzer Shinji Okazaki liegt, sondern an der Konstellation der Gruppe. Ein Punkt gegen Jordanien am Dienstag reicht den Japanern nach dem 1:0-Sieg gegen Irak am Freitagvormittag, um den Gruppensieg zu sichern.

Irak stellte sich in Brisbane als lästiger Gegner für die japanische Nationalmannschaft heraus: Aus dem Spiel heraus offensiv ungefährlich, aber mit dem offensichtlichen Plan, möglichst viele Freistöße in den Strafraum zu schlagen. Und defensiv zahlreich. De facto erwarteten die Iraker ihre Gegner mit einer Dreier- direkt hinter einer Viererkette. Und weil das japanische Mittelfeld zu einer ganz ungewohnten Ungenauigkeit neigte, kontrollierte der Favorit das Spiel zwar halbwegs, aber es war nicht das typische japanische Spiel.

Vielleicht liegt das an Nachrichten aus Spanien. Dort ließ ein valencianisches Gericht am Anfang der Woche eine Klage gegen den japanischen Nationaltrainer Javier Aguirre zu. 2011 soll Real Zaragoza mit einem gekauften Sieg gegen UD Levante den Abstieg vermieden haben; eine knappe Million Euro soll unter anderem über das Konto des damaligen Zaragoza-Trainers Aguirre geflossen sein. Er selbst streitet jede Beteiligung ab, verliert aber in diesen Tagen offenbar die Rückendeckung des japanischen Verbands, der andeutete, sich nach dem Turnier vom Mexikaner zu trennen, der erst im vergangenen Juli die Nationalmannschaft übernommen hatte.

Ohne die gewohnte Unterstützung seines Mittelfelds musste sich Shinji Okazaki (hier gegen Hannovers Christian Schulz) im Spiel gegen Irak selbst um den Spielaufbau kümmern.Gegen Irak sah Aguirre in der 17. Minute die erste Torchance. Nach einem technischen Fehler des irakischen Offensivspielers Amjad Kalaf am eigenen Strafraum und einer Flanke des Linksverteidigers Yuto Nagatomo (Inter Milan) köpfte der ungedeckte Keisuke Honda aus fünf Metern, aber recht spitzem Winkel an den Pfosten. In der Entstehung ein typischer Spielzug der Japaner, die nach solchen Fehlern augenblicklich im Angriffsmodus sind, im Abschluss eine typische Szene für den Rechtsaußen des AC Milan an diesem Tag: Keisuke Honda hätte der entscheidende Akteur sein müssen, war das auch, aber nicht so wie geplant. In der 23. Minute verwandelte Honda den Elfmeter, den er selbst herausgeholt hatte, zum Siegtor, aber aus dem Spiel heraus traf er nur Latte (47.) und Pfosten (17., 65.).

Das Elfmeterfoul hätten sich die Iraker verkneifen können; der Angriff über Yasuhito Endo, Takashi Inui und Shinji Kagawa, dessen Schuss der irakische Torhüter überragend hielt, war schon vorbei. Honda versuchte, mit dem Rücken zum Tor seitlich im Strafraum, zumindest den Abpraller unter Kontrolle zu bringen und wurde dabei von zwei Verteidigern eingequetscht. Den Elfmeter rollte der Rechtsaußen ohne Wucht rechts ins Tor.

Der Angriff ohne Okazakis Beteiligung war jedoch eine Ausnahme. Kagawa und Honda, die beiden Spielmacher, und der alte Endo (Gamba Osaka) hinter ihnen brachten im Kombinationsspiel kaum einen Ball an den Mann, spielten unpräzise, unsauber. Inui war auf dem linken Flügel noch der brauchbarste nominelle Mittelfeldspieler. Der Mainzer Mittelstürmer ließ sich daher ständig zurückfallen. Okazaki war die Schaltzentrale, der Verteiler, der viele Ballkontakte hatte und in der 32. Minute seine erste Torchance, einen Kopfball auf den Mann.

Leicht hatte Okazaki es nicht. Kurz nach dieser Szene bekam der 05er einen heftigen Tritt des Verteidigers Waleed Salem an die Schienbeine - sicher unabsichtlich, weil beide zum Ball wollten und keiner zurückzog. Okazaki musste behandelt werden, konnte aber weiterspielen und machte Salem keine Vorwürfe. Auch den Tritt des übereifrigen Salam Shaker an den Kopf in der 60. Minute steckte der Stürmer weg.

In der zweiten Hälfte wurde Irak stärker, ohne aber Torchancen zu bekommen; der schwache Abschluss in der 41. Minute war die einzige im Ansatz gefährliche Szene der Vorderasiaten. Zwar holten sie sich durch konsequentes Umfallen bei Körperkontakt 23 Freistöße vom übertrieben kleinlichen iranischen Schiedsrichter Alireza Faghani, aber führten diese nicht gut genug aus. Statt dessen hatte Honda direkt nach Wiederanpfiff die große Chance zum 2:0. Sein Passversuch in den Strafraum wurde abgeblockt, kam direkt zurück und Honda schoss halt selbst. Unhaltbar - aber an die Latte (47.). Mit einem Doppelwechsel - Hannovers Hiroshi Kiyotake und Yasuyuki Konno von Gamba Osaka für Endo und Inui - brachte Aguirre nach einer Stunde das Mittelfeld wieder unter Kontrolle. Aber bis auf Hondas Pfostenschuss aus nahezu identischer Position wie in der 17. Minute am anderen Tor (65.) passierte offensiv nicht mehr viel. Den 1:0-Sieg brachten die Japaner schließlich über die Zeit.