Huth: Herausforderer und Herausgeforderter

Christian Karn. Mainz.
Auf der Torhüterposition dürfte die Kaderplanung des FSV Mainz 05 nun abgeschlossen sein. Von den insgesamt fünf Torhütern der vergangenen Saison - Stammkeeper Loris Karius und insgesamt vier Mann auf der Bank - sind zwei gegangen, Karius und Daniel Zeaiter. Robin Zentner war schon weg, ist kurz wieder aufgetaucht und schon wieder verschwunden. Es bleiben Gianluca Curci und Jannik Huth, der nun seinen Vertrag vorzeitig bis 2020 verlängerte und mittelfristig mit dem jungen Florian Müller um die Kronprinzenrolle hinter dem Neuzugang Jonas Lössl konkurrieren dürfte.

Matti Steinmann zur U23

Unterdessen hat die U23 der 05er ihren fünften externen Neuzugang geholt. Nach dem Rechtsaußen Patrick Huth (TSV Schott), dem Innenverteidiger Maximilian Roßmann (Alemannia Aachen), dem Linksverteidiger Maurice Neubauer (Schalke 04 II) und dem Linksaußen Benjamin Trümner (TSG Hoffenheim II) verpflichteten die 05er nun Ville Matti Steinmann vom Hamburger SV. Der Mittelfeldspieler, der bereits einmal in der Bundesliga eingesetzt wurde, war zuletzt an den Drittligisten Chemnitzer FC ausgeliehen. Außerdem rücken aus der U19 der Torwart Florian Müller, der Sechser Mike Andreas, der Spielmacher/Stürmer Heinz Mörschel und der Konterstürmer Leon Kern auf. Dem gegenüber stehen bislang die Abgänge der Torhüter Daniel Zeaiter (MSV Duisburg) und Denis Wieszolek (Astoria Walldorf), der Verteidiger Marc Wachs (Dynamo Dresden), Fabian Kalig (Erzgebirge Aue), Tobias Schilk (Hallescher FC), der Mittelfeldspieler Michael Falkenmayer (Karriereende), Maximilian Wagener (Ende der Ausleihe von Bayer Leverkusen), Benedikt Saller und Alexander Wähling (jeweils Vertragsende) und der Stürmer Lucas Höler, Julian Derstroff (beide SV Sandhausen).

Vordergründig war das Tor des FSV Mainz 05 im vergangenen Jahr sehr gut bewacht: Loris Karius war immer parat, steigerte sich noch einmal im Vergleich zu seinen ersten Jahren in der Bundesliga, machte sich als einer der Toptorhüter des Landes dermaßen interessant, dass er künftig beim großen Liverpool FC spielt.

Hinter Karius war die Sache schon nicht mehr ganz so klar. Nomineller Ersatztorwart war der erfahrene Italiener Gianluca Curci, der bald 200 Mal in der Serie A spielte, 22 Mal in der U21-Nationalmannschaft, der in wenigen Wochen 31 Jahre alt wird. Der in der Tat 23 Mal auf der Bank saß, aber auch immer mal fehlte. Der in den Testspielen große Fähigkeiten zeigte, aber auch öfter mal Elfmeter verursachte und hielt. Der vermutlich auch einen Pflichtspielmodus hat, den er nur im 05-Trikot noch nicht zeigen konnte. Denn Karius war ja immer parat, verpasste keine Sekunde der abgelaufenen Saison. Curcis Vertrag gilt noch bis 2017.

In den ersten Wochen, als der Grieche Stefanos Kapino schon weg, Curci aber noch nicht da war, saß Robin Zentner zweimal auf der Bank. Der 21-Jährige wurde aber bald an Holstein Kiel verliehen, spielte halbwegs regelmäßig in der 3. Liga, kam nun nach beendeter Leihe zurück, verlängerte seinen Vertrag bis 2019 und wurde direkt wieder der KSV Holstein zur Verfügung gestellt.

Die tatsächliche Nummer 3 - in der Bundesliga achtmal auf der Bank, weil Curci das eine oder andere Wehwehchen hatte - war gleichzeitig die Nummer 1 in der Drittligamannschaft: Jannik Huth, 22 Jahre alt, Ersatztorwart der U21-Nationalmannschaft. Lediglich einmal fiel auch Huth aus, so dass der künftige Duisburger Daniel Zeaiter, der sonst Huth in der 3. Liga vertrat, wenn dieser bei den Profis gebraucht wurde, nachrückte.

Jannik Huth hat in allen Jugendmannschaften der 05er die Qualitäten nachgewiesen, die ihm jetzt einen Profivertrag für die kommenden vier Jahre bescherten. Foto: imagoDer gebürtige Binger spielt seit neun Jahren für Mainz 05. Ein bisschen wünscht man sich immer noch, er wäre ein paar Zentimeter größer geworden als 1,85 - selbst Bundesliga-Stammtorhüter hatten aber schon größere Handicaps bezüglich ihrer Reichweite, und man hat in den Toren des Profifußball selten so gute Techniker gesehen wie Huth, der mit den Füßen konstruktiver spielt als der typische Torwart, der auch unter Bedrängnis mehrerer anlaufender Stürmer Rückpässe konstruktiv verwerten kann.

Auf sein Bundesligadebüt wird Huth unter normalen Umständen noch eine Weile warten müssen. Als Karius' Nachfolger wurde gerade erst Jonas Lössl verpflichtet; der dänische Nationaltorhüter wird, wenn nichts Ungewöhnliches passiert, als Nummer 1 in die Saison gehen. Hinter ihm kommt Bewegung in die Geschichte. Huth hat nun ein Jahr vor Ablauf des alten Kontrakts einen neuen Vertrag unterschrieben, mit dem er bis 2020 den 05ern angehören soll. "Er geht in den Konkurrenzkampf um die Kaderplätze bei den Profis", teilten die 05er mit. Konkret: In den Konkurrenzkampf mit dem deutlich älteren Curci. Und in die Situation, nicht nur Herausforderer zu sein, sondern auch herausgefordert zu werden. Denn mit dem hochtalentierten U19-Nationaltorwart Florian Müller, der 2013 vom 1. FC Saarbrücken zu den 05ern kam und nun aus der U19 herauswächst, ist in der 3. Liga der nächste ambitionierte Torhüter angekommen, um dort Huth den Platz streitig zu machen und mittelfristig mit diesem um den Platz hinter Lössl zu konkurrieren.

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