Huth will Adler das Leben schwer machen

Jörg Schneider. Grassau.
„Die Rollen sind klar verteilt“, sagt Stephan Kuhnert. „Wir machen da kein Torwartfass auf.“ Der Torhütertrainer hat die interne Rangliste klar definiert: René Adler ist die Nummer eins beim FSV Mainz 05. Dahinter folgen Jannik Huth und Nachwuchs-Keeper Florian Müller. Huth, der im Abstiegskampf der abgelaufenen Saison Jonas Lössl im 05-Gehäuse verdrängt hatte, empfindet die Rolle des Herausforderers als großen Ansporn. „Ich werde dem René auf jeden Fall das Leben so schwer wie möglich machen“, sagt der 23-Jährige, der aktuell wegen einer Handverletzung im Trainingslager in Grassau pausieren muss.

Die interne Rangliste der Torhüter beim FSV Mainz 05 ist klar definiert. Der Bundesligist hat sich für die neue Saison mit der ehemaligen Nummer eins in Deutschland, René Adler, einen Spitzenmann auf dieser Position geholt, der vom ersten Tag an seine Rolle als Führungsspieler, als erfahrener und guter Schlussmann, der schon einiges erlebt hat in seiner Profi-Karriere, unterstreicht. Und der in allen Bereichen überzeugt. Als Teamplayer und als Torhüter. Adler strahlt Ruhe und Souveränität aus, beherrscht alle Facetten des Spiels, dirigiert seine Abwehr, gibt die Kommandos und hat eine auffällig gute Schusstechnik in der Spieleröffnung. Hinter dem 32-Jährigen stehen mit Jannik Huth ein schon bundesligaerfahrener und mit dem jungen Florian Müller ein extrem talentierter Nachwuchs-Keeper. „Wir machen da kein Torwartfass auf und sagen, sie kämpfen um die Nummer eins mit René. Das wäre ja Quatsch“, sagt Stefan Kuhnert im Trainingslager der 05er. „Die Rollen sind klar verteilt. Die Jungs haben hinter René Zeit sich zu entwickeln. Dann wird man sehen, wo die Reise hingeht.“

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf der Torhüter-Position gibt es bei Mainz 05 zum Saisonstart nicht. René Adler ist die Nummer eins, Jannik Huth erster Herausforderer. Foto: René Vigneron

In Grassau kann der 05-Torwärttrainer derzeit ohnehin nur mit Adler und dem aus Kiel zurückgekehrten Robin Zentner, der eigentlich in der U23 spielen sollte, arbeiten. Denn Huth ist verletzt, Müller arbeitet sich nach einer Verletzung im Reha-Training langsam wieder heran. „Es war das dritte Training. Da habe ich einen Ball unglücklich aufs Handgelenk bekommen. Gebrochen ist nichts. Aber ich habe Schmerzen beim Bewegen. Ich habe versucht mit Tape zu trainieren, das hat aber nicht funktioniert“, erklärt Huth.

Der 23-Jährige hatte ja bekanntlich in der Schlussphase der vergangenen Saison im dicksten Abstiegskampf Jonas Lössl im 05-Tor verdrängt und muss nun wieder die Rolle als Herausforderer akzeptieren. „Ich bin nicht enttäuscht darüber. Das ist absolut ein Ansporn für mich, Gas zu geben, mich weiter zu beweisen und auf die Chance zu warten, wenn sie kommt. Ich werde dem René auf jeden Fall das Leben so schwer wie möglich machen, dass er sich behaupten muss“, betont der Keeper. „Ich möchte schon so viel wie möglich spielen. Hoffentlich. Mein Ziel ist es nicht, die ganze Saison nur auf der Bank zu sitzen.“

Kuhnert bestätigt, dass sich die Rolle des Eigengewächses nicht groß verändert hat zu Beginn dieser Saison. „Jannik hat immer noch einen guten Stand. Aber es war klar, dass wir nicht mit Jannik, Flo Müller und Robin Zentner in die Bundesligasaison gehen konnten. Jetzt ist der René da, und das kann nur gut sein für die Jungs“, sagt der Coach. Die jungen Spieler sollen vom Routinier lernen. „Professionalität abgucken, wie man sich vorbereitet aufs Training, wie man spricht im Tor. Das gibt es sehr viele Sachen, die sie mitnehmen und als junge Kerle versuchen können aufzusaugen, um sie dann umzusetzen.“ Huths Entwicklung sei in jedem Fall sehr positiv. „Es ist ja auch wichtig, Torhüter hinten dran zu haben, zu denen man Vertrauen hat“, betont Kuhnert. „Er genießt das Vertrauen, auch von der Mannschaft. Es ist überhaupt kein Problem, wenn der René mal nicht spielen könnte, dann Jannik zu bringen. Weil man weiß, er hat in einer schwierigen Situation gezeigt, dass er nervlich und mit allem dazu in der Lage ist, Bundesligaspiele zu bestreiten. Jannik ist einer gewesen, der sich relativ langsam entwickelt hat, aber es kommt immer mehr dazu. Das ist das A und O, was man als Trainer auch sehen will. Wir haben immer an ihm festgehalten und an ihn geglaubt. Und er hat gezeigt, dass er es kann. Das ist doch super“, sagt Kuhnert.

Huth, dem gebürtigen Binger, der in Mainz zur Schule ging und seit 2007 für die 05er spielt, hat die Schlussphase der vergangenen Saison im Abstiegskampf viel gebracht, den 23-Jährigen auf einen neuen Level gehoben. „Ich bin durch die Verletzung von Jonas Lössl reingerutscht und habe mich gefreut, dass der Trainer mir weiter das Vertrauen geschenkt hat als Jonas wieder fit war. Das hat mich auch stolz gemacht. Dann auch noch der Klassenerhalt. Das war super.“ Sieben Spiele lang stand Huth im 05-Tor.

Der Torhüter-Trainer, aber auch Huth selbst bestätigt das gute Verhältnis, das die 05-Schlussleute aktuell untereinander zu Hause am Bruchweg und jetzt im Trainingslager in Grassau pflegen. „Wir haben eine gute Zusammenarbeit, verstehen uns super, es macht Spaß im Training“, sagt Huth. „René Adler hat sich als bodenständiger Typ präsentiert, als normaler Fußballer, ganz und gar nicht abgehoben oder sonst was. Er ist sehr offen, redet sehr viel mit uns. Er hat schon ein bisschen was erlebt, große Erfahrungen gemacht, da kann man sich viel abgucken. Wir reden im Training viel über einzelne Situationen, wie man stehen muss oder solche Dinge.“

 

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