Im Schnitt ein Jahr und 13 Tage

Jörg Schneider. Mainz.
Das Amt des Cheftrainers eines Bundesligisten ist ein Job, der sehr erfolgsabhängig ist. Das weiß auch Kasper Hjulmand. Der neue Coach des FSV Mainz 05 vermittelt derzeit jedoch den Eindruck, dass er sich dieser Aufgabe mit Leib und Seele verschrieben hat. In der Mitgliederversammlung sagte der Däne, er fühle sich sehr geehrt, hier Trainer zu sein und werde in den nächsten Wochen, Monaten, vielleicht Jahren alles ihm Mögliche tun, um die Mannschaft in diesem Verein voran zu bringen. Am Tag danach, im Anschluss an das Morgentraining am Bruchweg, bekräftigte der 42-Jährige seine Aussagen. Hjulmand sagte, er fühle sich als Teil dieses Vereins, seine Strategie sei langfristig angelegt.

Okazaki macht Fortschritte

Zum Wochenauftakt am Bruchweg fehlte neben den länger verletzt ausfallenden Nikolce Noveski und Philipp Wollscheid auch Johannes Geis. Der Mittelfeldspieler hatte sich krank gemeldet und konnte nicht am Training teilnehmen. „Ich hoffe nicht, dass es länger dauert. Normalerweise sollte er am Donnerstag wieder trainieren“, sagte Kasper Hjulmand. Shinji Okazaki machte das Aufwärmprogramm und ein paar leichte Übungen mit der Mannschaft. Danach absolvierte der Japaner eine Spezial-Aufbaueinheit. „Das sieht bei ihm jetzt schon viel besser aus. Wir hoffen, dass er am Sonntag in Mönchengladbach dabei sein kann. Wir werden das Tag für Tag beobachten“, so der Trainer. Der 05-Torjäger hatte im Heimspiel gegen die Hoffenheimer wegen eines Blutergusses und muskulärer Probleme in der Wade nicht spielen können.

Mitgliederversammlungen eines Vereins sind nichts Neues für Kasper Hjulmand. Solche Veranstaltungen in Deutschland seien nicht anders als die in Dänemark. Am Montagabend hielt der Cheftrainer des Bundesligisten eine bemerkenswerte Antritts-Rede in der Generalversammlung seines neuen Klubs. Ein beeindruckender Auftritt: Hjulmand vermittelte eindringlich und glaubhaft den Eindruck, dass er sich mit Leib und Seele der Arbeit in diesem Verein verschrieben hat. Er fühle sich als ein Teil des Ganzen und werde alles in seiner Macht stehende tun, um die gute Entwicklung des Klubs weiter voranzutreiben. In den nächsten Wochen, Monaten, vielleicht Jahren.

Interessierter Besucher der Mitgliedersammlung: 05-Trainer Kasper Hjulmand (rechts) mit Teammanager Axel Schuster. Foto: Christian KarnLangfristigkeit, das weiß Hjulmand allerdings selbst, ist relativ in einem Bundesligaverein. Das Amt des Cheftrainers ist ein Job, der sehr erfolgsabhängig ist. „Nein, ich habe natürlich keine Sicherheit, dass ich jahrelang hier arbeiten kann. Überhaupt nicht“, sagte der 05-Coach am Dienstag nach dem Morgentraining. Er glaube, die durchschnittliche Verweildauer von Trainern in der Bundesliga liege bei einem Jahr und 13 Tagen. Es werde immer so sein, dass der Verein entscheide, ob seine Arbeit gut genug sei. „Oder sie sagen, es geht ohne mich.“

Das ändere allerdings nichts daran, dass er sich als ein Teil dieses Vereins sehe. Deshalb sei ihm auch die Mitgliederversammlung so wichtig gewesen. „Das war sehr gut. Dieses Gefühl von Zusammengehörigkeit in einem Verein zu erleben. Es gibt so viele Leute, die involviert sind und alle haben eine Rolle. Wir Trainer sind ein kleiner Teil dieser Gemeinschaft.“

Dass er selbst davon gesprochen habe, vielleicht über Jahre hier zu arbeiten, habe mit seinem Verständnis von Kontinuität zu tun. „Erfolgreiche Vereine haben immer einen langfristigen Plan. Eine Strategie, die nicht bis zum nächsten Sonntag ausgerichtet ist, sondern auf Jahre hin. Mir geht es  darum den Verein in der nächste Zeit voranzubringen.“ Das habe nicht alleine damit zu tun, auf welchem Tabellenplatz die Mannschaft stehe. Er sei nicht in Mainz, um eine Entwicklung zu starten, denn Mainz 05 habe schon seit Jahren eine sehr gute Entwicklung genommen. „Für mich ist es kein Anfang, sondern es geht darum, da weiterzumachen. Es geht um den gesamten Prozess. Ich habe immer gesagt, es ist so wichtig, dass wir an die Ausbildung der Spieler denken und unser Geschäft richtig betreiben.“

Sein eigener Plan dabei ruhe auf drei Säulen: „Strategie, Know how und Geld“. Hjulmand hat eine Strategie, wie er sagt. Das Know how betreffe die Menschen. Die richtigen Menschen in allen Bereichen und deren Qualitäten. Und das Finanzielle in einem Klub sei ebenso wichtig. „Es geht nicht nur mit Geld. Es geht nicht nur mit Strategie. Es geht nicht nur mit Know how. Alle diese drei Punkte müssen stimmen und im Einklang miteinander stehen. Das geht über den aktuellen Tabellenplatz der ersten Mannschaft hinaus“, erklärt der Däne.

Er stimme Christian Heidel zu, der am Montagabend von überzogenen Erwartungshaltungen gesprochen hatte. „Die Erwartungen richtig zu kommunizieren. Das ist wichtig. Wir haben nicht so viel Geld wie andere, aber wir können viel entwickeln und leisten. Deshalb ist es ganz wichtig, dass alle verstehen, wer wir sind, was wir wollen als Mainz 05.“  

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