Immer die Linie hoch und runter

Jörg Schneider. Mainz.
Gleich zu Beginn der Winter-Transferperiode hat der FSV Mainz 05 seinen Kader auf zwei Positionen mit potenziellen Verstärkungen vergrößert: Vom FC Schalke 04 kommt Christian Clemens als neue Offensivkraft. Pierre Bengtsson vom FC Kopenhagen soll der linken Abwehrseite neue Stabilität geben. Für den 26-jährigen Schweden, der bereits seine ersten Trainingseinheiten bei seinem neuen Klub absolviert hat, ist das Engagement in Mainz eine Herausforderung, der er sich mit Freude und Ehrgeiz stellt. Daran ließ der Neuzugang bei dessen offizieller Vorstellung am Bruchweg keinen Zweifel.

Pierre Bengtsson im Training am Bruchweg mit Johannes Geis (links) und Yunus Malli. Foto: Jörg SchneiderGute, international erfahrene Außenverteidiger vom FC Kopenhagen gekommen, könnten beim FSV Mainz 05 zur Tradition werden. Zdenek Pospech machte den Anfang und hinterließ einen überragenden Eindruck. Nun schickt sich Pierre Bengtsson an, sich als feste Größe auf der linken Abwehrseite beim Bundesligisten  zu etablieren. Auch der Schwede ist ein taktisch geschulter, aus vielen Länderspielen und Europapokaleinsätzen gestählter und erfahrener Verteidiger, dem die Verantwortlichen eine höchst professionelle Einstellung und Arbeitsweise bescheinigen und der in seiner Umgebung nichts dem Zufall überlassen will.

Bengtsson, der fließend Englisch, aber nur ein paar Brocken Deutsch spricht, hat sich sofort nach seinem Umzug in die Landeshauptstadt einen Sprachlehrer zugelegt. „Ich möchte mich schnell wenigstens mit Basis-Deutsch verständlich machen“, sagt der Neuzugang bei seiner Vorstellung. Für ihn sei es ein wichtiger Schritt, in ein neues Land zu kommen. „Das bedeutet aber auch für mich, dass ich deutsch sprechen will, um mich der Kultur des Landes zu nähern, alles kennenzulernen. Ich möchte Teil des Lebens in dieser Stadt werden.“ Das sei wichtig, um auch beruflich die beste Leistung bringen zu können. „Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl bei Mainz 05, und habe mir gut vorstellen können, hier zu spielen. Es passt einfach. Ich habe hier die Möglichkeit, mich zu entwickeln, mich als Spieler zu verbessern. Ich bin 26 Jahre alt und bereit für den nächsten Schritt“, sagt der Schwede.

„Hier ist jetzt erst einmal alles neu für mich, der natürliche Eingewöhnungsprozess wird also noch etwas andauern. Aber mein Ziel ist es, der Mannschaft so schnell wie möglich zu helfen. Mein erster Eindruck von den Teamkameraden ist sehr gut. Die Mannschaft hat mich sehr herzlich empfangen. Ich freu mich sehr auf diese Aufgabe. Ich möchte ein guter Spieler hier werden und werde hart dafür arbeiten, um meinen Teil dazu beizutragen, dass wir die nötigen Punkte holen in der Rückrunde.“

"Meine Position ist links hinten"

Bengtsson ist vielfältig einsatzbar. In der schwedischen Nationalmannschaft ist er schon als rechter Verteidiger angetreten. In Kopenhagen auch schon mal in der vorgezogenen Position am linken Flügel. Seine Karriere begonnen hat der 05-Profi als zentraler Mittelfeldspieler. Doch Bengtsson selbst hat seine Rolle in Mainz klar definiert. „Meine Position ist links hinten. Da stelle ich mich der Konkurrenz“, sagt der 26-Jährige.

Neuzugang mit Profil: Pierre Bengtsson. Foto: Jörg SchneiderLinks hinten. Das heißt die Position des Linksverteidigers mit allem, was im Spiel dazu gehört. „In erster Linie viel laufen“, sagt der Neuzugang. „Als Verteidiger ist man immer auch Teil des eigenen Offensivspiels und muss dann schnell zurück in die Position. Immer die Linie hoch und runter rennen halt“, lautet sein pragmatischer Ansatz. Sein Trainer beschreibt ihn als guten Fußballer, starken Verteidiger, dessen linker Fuß eine Waffe werden könne bei Flanken und Standardsituationen.

Der Fußball in Deutschland sei generell schneller, dynamischer als in Skandinavien, sagt Bengtsson. In Kopenhagen, wo der Neu-05er bislang unter dem früheren Kölner Trainer Stale Solbakken arbeitete, aber allgemein auch in Dänemark sei das Spiel etwas statischer, Positionstreue eines der wichtigsten Prinzipien. Das Positionsspiel ist auch für Kasper Hjulmand elementar. Bengtsson glaubt jedoch, dass der Fokus hier mehr auf dynamischer Spielweise, schnellen Kontern, schnellem Gegenpressing und Ballbesitz liegt. „Die Ansätze der beiden Trainer und die Art und Weise, wie sie Fußball spielen wollen, unterscheiden sich schon. Aber ich bin gut darin, mich den Gegebenheiten anzupassen.“  

Das Talent des Schwedens ist vom Vater, einem Fußballtrainer im Amateurbereich, geweckt und gefördert worden. Doch der junge Bengtsson spielte erst einmal Eishockey bis zu seinem 14. Lebensjahr, ehe er sich ganz dem Fußball verschrieb. Und spätestens seit der begeisternden Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 rückten der deutsche Fußball und die Bundesliga stärker in sein Blickfeld. „Ich glaube, dass sich der Fußball hier in den letzten zehn Jahren massiv entwickelt hat zu einem der besten der Welt. Als ich jünger war, habe ich immer nur auf die Premiere League geschaut. Mittlerweile hat die Bundesliga ihr fast den Rang abgelaufen. Die Bundesliga Liga gehört absolut zu den Top-Ligen der Welt. Bei der Weltmeisterschaft im Sommer hat Deutschland beeindruckend unter Beweis gestellt, dass es aktuell fußballerisch das Maß aller Dinge ist. Ich selbst habe mit der schwedischen Nationalmannschaft mal 2:5 gegen Deutschland verloren. Ich denke, in meiner gesamten Karriere war dies das stärkste Team, gegen das ich bisher angetreten bin.“

Pierre Bengtsson, das verdeutlicht das erste Gespräch mit dem Neuzugang, ist ein Spieler mit eigenem Profil, mit starker Persönlichkeit. Einer, der über den Tellerrand schauen kann und seine neue Umgebung aktiv erobern will, um ein wichtiger Bestandteil des Ganzen zu werden. Was der Schwede tatsächlich auf dem Platz leisten, ob er sich seine Position auf der linken Seite sichern kann, wird er in den kommenden Wochen unter Beweis stellen müssen – und wollen.

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