Jairo: 05-Training statt Medizincheck

Jörg Schneider. Mainz.
Das am Dienstagmorgen aufgekommene Gerücht, Jairo Samperio stehe vor einem Wechsel nach Hannover und absolviere am Dienstag bereits den Medizincheck bei den 96ern, hat sich bislang nicht bestätigt. Der Spanier trainierte eifrig mit den Profis des FSV Mainz 05 am Bruchweg. Die Verantwortlichen wollten die Spekulation nicht kommentieren. Dennoch dürfte der 24-Jährige in dieser Transferperiode wohl den Bundesligisten verlassen. Unterdessen hat sich Gaetan Bussmann im Training einen Muskelfaserriss zugezogen. Der Linksverteidiger, der nach einer Leistenoperation an seinem Comeback gearbeitet hatte, fällt für geraume Zeit aus.

Die Methoden von Medizinchecks im Vorfeld eines Transfers müssen entweder einen ganz neuen Stand der Technik erreicht haben, so, dass der körperliche Zustand eines Spielers auch über eine große räumliche Distanz genauestens geprüft werden kann. Oder die entsprechenden Ärzte in Hannover machen heute Abend, nach der zweiten Einheit am Bruchweg und einer gut dreistündigen Fahrt von Mainz nach Hannover Überstunden. Jairo Samperio, der wie ein Internet-Portal am frühen Morgen vermeldete, vor dem Wechsel zu Hannover 96 stehen und in der niedersächsischen Landeshauptstadt heute bereits den Medizincheck absolvieren soll, trainierte jedenfalls am Dienstag beim Start in die Trainingswoche des FSV Mainz 05 eifrig mit den 05-Profis am Bruchweg.

Einem Gerücht zufolge sollte Jairo Samperio am Dienstag den Medizincheck bei Hannover 96 absolvieren. Der Spanier trainierte aber mit den 05-Profis am Bruchweg. Foto: Jörg SchneiderRouven Schröder wollte am Rande des Platzes die Personalie nicht kommentieren. Wasserstandsmeldungen gebe es wie gewöhnlich nicht von ihm, sagte der Sportvorstand. Dass Jairo, der in den beiden ersten Pflichtspielen der Saison nicht im 05-Kader stand, für andere Klubs interessant sei, sei relativ normal. Es gebe auch einen Markt für den Offensivspieler. Doch noch sei nichts klar. Die Situation ist bekannt: Die 05er hatten dem 24-Jährigen, dessen Vertrag am Ende dieser Spielzeit ausläuft, erklärt, er müsse entweder am Bruchweg verlängern oder sich einem anderen Verein anschließen, den vorhandenen Angeboten nachgehen. Jairo selbst hat sich offenbar inzwischen für einen Wechsel entschieden, der dann vor dem 31. August über die Bühne gehen wird. In dem Gerücht, dass den Spanier mit den 96ern in Verbindung bringt, ist von einer Ablösesumme von sieben Millionen Euro die Rede, die Schröder aufrufen soll für den Spieler. Eine eher utopische Summe, die der 41-Jährige so kommentierte, dass dieser Betrag wohl nur dann zu erzielen sei, wenn beim Verhandlungsführer des aufnehmenden Vereins Alkohol im Spiel sei.

„Auch von mir wird es keine Wasserstandsmeldungen geben zu irgendwelchen Gerüchten“, sagte Sandro Schwarz nach dem Vormittagstraining. „Wir wissen um die Situation, die vertragliche Lage ist bekannt. Ich kann dazu nur sagen, Jairo  ist im Moment Spieler von Mainz 05. Er hat die Dinge im Training zuletzt gut gemacht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Der 05-Trainer hatte zu Beginn der Saison-Vorbereitung mit dem Profi gesprochen, ihm offenbar auch gesagt, dass er ihn gerne weiterhin in Mainz sehen wollte. Denn Jairo könnte mit seinen Qualitäten gerade in der veränderten Spielweise ein wichtiger Faktor sein. Die offensiven Mittelfeldspieler rücken im Schwarz-System bei eigenem Ballbesitz von außen nach innen in die Halbräume. Als technisch starker und guter Gegenpressing-Spieler, der Zug zum Tor und Abschlussqualitäten hat, wäre Jairo für diese Rolle normalerweise bestens geeignet.

Doch die Vorbereitung sah anders aus. Der Profi, der im vergangenen Jahr nach Verletzung kaum noch zu seiner Form aus dem ersten Jahr in Mainz zurückgefunden hatte, blieb mit seinen Leistungen deutlich hinter den Erwartungen und dem, was seine Konkurrenten an Niveau auf dieser Position anboten, zurück. Das war auffallend. Von einem Kaderplatz war der Spieler weit weg. Offenbar beschäftigte sich Jairo zu sehr mit der Wechsel-Situation und war deshalb nicht in der Lage, die nötige Konzentration, Bereitschaft, Qualität und Ernsthaftigkeit auf den Platz zu bringen.

„Ich glaube, es ist menschlich“, sagt Schwarz verständnisvoll. „Ich glaube, dass Jairo irgendwann im Sommer an einem Punkt war, an dem er mit dem Kopf und gedanklich eventuell schon irgendwo anders gewesen ist. Aus den ersten Gesprächen heraus hat man dann gedacht, vielleicht funktioniert es trotzdem nochmal. Ich denke, es ist eine menschliche Reaktion, dass er irgendwie schon möchte und einen guten Willen hat, aber vielleicht die Dinge nicht mehr so umsetzen konnte“, erklärte der 05-Trainer. „Wir werden es sehen.“ Man darf wohl davon ausgehen, dass Jairo in den kommenden Tagen wechseln wird. Ob nach Hannover, zurück in die spanische Liga oder sonst wohin ins europäische Ausland muss sich zeigen. Das Interesse an dem Offensivmann ist jedenfalls da.

Ähnlich dürfte auch die Situation für Jairos Landsmann José Rodriguez sein. Der Spanier, der nach seiner Ausleihe aus Málaga zurückkehrte und die Vorbereitung beim Bundesligisten seriös absolvierte, gehörte bis jetzt ebenfalls nicht zum Kader und gilt als klarer Wechselkandidat, weil die Perspektive am Bruchweg für den 22-Jährigen nicht berauschend ist angesichts der Konkurrenz im zentralen Mittelfeld. „Da ist von Rouvens Seite aus auch alles klar kommuniziert“, sagt der Trainer. „Da müssen wir auch abwarten. Ich kann nur immer sagen, alles diejenigen, die im Moment auf dem Trainingsplatz stehen, werden so behandelt, dass sie in der Verlosung bei uns drin sind in der Kadervorbereitung. Trotzdem müssen wir auch da gucken, wie sich die Sache entwickelt.“

Inzwischen ist auch bekannt worden, dass Gaetan Bussmann einen heftigen Rückschlag in seinen Ambitionen, bald wieder ein Kandidat für die linke Außenverteidigerposition zu werden, hinnehmen musste. Der Franzose, der nach einer Leistenoperation an seinem Comeback gearbeitet hatte, zog  sich Ende der vergangenen Woche im Training einen Muskelfaserriss zu und fällt noch einmal für geraume Zeit aus. „Es ist schon besser geworden, aber wir müssen jetzt sehen, wie lange es dauert“, erklärt Schwarz, der jedoch keinen Anlass sieht, eventuell für die Abwehr noch einen Linksfuß auf den letzten Drücker zu verpflichten. „Wir haben nicht das Gefühl, dass wir da etwas tun müssen. Wir haben generell nicht das Gefühl, dass es notwendig ist, am Kader noch herumzudoktern“, betont der 38-Jährige.  

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