Jairo: Botschaft angekommen und verstanden

Jörg Schneider. Mainz.
Die Länderspielpause neigt sich dem Ende zu. Kenan Kodro ist der erste der Nationalspieler, der am Mittwoch wieder im Training des FSV Mainz 05 stand. Ab sofort beginnt für den Bundesligisten die kurze Vorbereitung auf das Heimspiel am Samstag gegen Bayer Leverkusen. Jean-Philippe Gbamin hat die Zeit genutzt, um sich in Form zu bringen und könnte wieder eine Option auf der Doppelsechs sein. Auffällig auch die Wandlung von Jairo Samperio, der nach seinem geplatzten Vereinswechsel offenbar die Botschaft verstanden hat und im Training den Ehrgeiz zeigt, ein ernsthafter Kader-Kandidat zu werden.

Kenan Kodro ist der erste aus dem Kreis der Nationalspieler des FSV Mainz 05, der ins Training des Bundesligisten zurückgekehrt ist. Der Bosnier, der beim 4:0 seiner Nationalmannschaft am Sonntag gegen Gibraltar sein erstes Tor für seine National-Auswahl erzielte, nachdem der Stürmer zuvor beim schmerzhaften 2:3 gegen Zypern noch wegen Sprunggelenkproblemen gefehlt hatte, trainierte am Mittwoch wieder mit den 05ern. Kodros übrige Kollegen werden im Laufe des Tages, spätestens am Donnerstag zurückerwartet. Dann ist der Kader komplett und am Bruchweg der öffentliche Teil der Wochenarbeit erledigt. Es beginnt dann hinter verschlossenen Türen die Vorbereitung auf das zweite Heimspiel der Saison, am Samstag (15.30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen.

Die aktuelle Länderspielpause kam für den 05-Trainer und dessen Kader nicht gerade zu einem günstigen Zeitpunkt. Sandro Schwarz musste nach den zwei Niederlagen zum Auftakt gegen Hannover und in Stuttgart auf acht Spieler verzichten. Dabei hätte der Coach nach dem 0:1 beim VfB eigentlich den kompletten Kader benötigt, um zielführend an den Mängeln zu arbeiten, Fehler abzustellen und vorhandene Stärken zu intensivieren. So bleiben jetzt nur zwei Tage, um sowohl personell als auch taktisch ein solides Konzept zu entwickeln, das dazu taugt, in der Partie gegen die Werkself die Wende einzuleiten und die ersten Punkte einzufahren, damit sich die Stimmung aufhellt. Und die Mannschaft den eigenen Glauben stärkt, trotz des Fehlstarts auf dem richtigen Weg zu sein, sich neues Selbstbewusstsein zu verschaffen für die folgenden Aufgaben bis zur nächsten Länderspielunterbrechung. Denn leichter wird es nicht für die 05er im Monat September. Eine Woche nach dem Leverkusen-Spiel müssen die Mainzer zum FC Bayern München, vier Tage danach kommt die TSG Hoffenheim in der Englischen Woche in die Opel Arena, danach folgt das Heimspiel gegen Hertha BSC und wiederum am Samstag drauf die Auswärtspartie in Wolfsburg.

Wer drückt wen raus? Jean-Philippe Gbamin meldet im Training Ambitionen fürs Leverkusen-Spiel an und Jairo fällt mit neuem Ehrgeiz und Engagement auf. Foto: Jörg Schneider„Der Fokus bei uns liegt darauf, positiv nach vorne zu schauen“, sagt Schwarz. Trainer und Mannschaft sind selbstkritisch mit den Niederlagen umgegangen. Die Analyse hat ein klares Bild ergeben, woran es lag. Die Basis, vor allem die Defensivbasis, stimmte in beiden Auftritten. Im Spiel nach vorne haperte es. Leichtfertige Ballverluste, kein klares Offensivspiel, kein temporeiches und zielstrebiges Umschaltspiel, zu wenig Durchsetzungsvermögen im letzten Dritte und schließlich mangelnde Chancenverwertung. Zu vieles blieb da im Ansatz stecken. Für den Trainer sind das jedoch Dinge, die das Team einfach besser kann und möglichst am Samstag auch besser machen soll. Am Bruchweg hat niemand den Eindruck, dass die Grundvoraussetzungen nicht stimmen, dass die Mannschaft mit dieser neuen und noch nicht komplett verfestigten Spielart keine Spiele gewinnen kann. Und auch das tägliche Training liefert keine Hinweise dafür, dass etwas grundsätzlich schief laufen könnte. „Wir hatten das anders auf der Rechnung. Wir hatten das Gefühl, dass wir jeweils das Ergebnis hätten ziehen können. Trotz allem gilt es diese Dinge anzunehmen, als Herausforderung anzunehmen und in die richtige Richtung zu lenken“, betont der 05-Trainer.

Die Trainingsgruppe, die Schwarz seit Stuttgart zur Verfügung hatte, ist überschaubar. Das hinderte die verbliebenden 05-Profis jedoch nicht daran, intensiv an den Inhalten zu arbeiten. Aggressive Zweikampfschulung stand genauso auf dem Plan wie Umschaltspiel sowie Spielformen mit Tiefenpässen ins letzte Drittel, Tor-Abschluss-Übungen.

Und es gab auch positive Entwicklungen. Niko Bungert steht wieder im Training, Gaetan Bussmann macht bereits wieder Teile des Trainings mit, Karim Onisiwo hat seine muskulären Beschwerden abgelegt und ist wieder einsatzbereit. Und Jean-Philippe Gbamin, der die Vorbereitung wegen einer Gesäßmuskelverletzung verpasst hatte, ist seit geraumer Zeit wieder voll ins Mannschaftstraining integriert. Der Franzose zeigt viel Präsenz in den täglichen Einheiten, strahlt eine gute Robustheit aus und könnte vielleicht schon am Samstag gegen Leverkusen eine Option auf der Doppelsechs sein. Denn dort brauchen die 05er gegen die spielstarke Bayer-Elf mehr Aggressivität im Zweikampf-, Pressing- und Gegenpressing-Verhalten, von den Sechsern muss mehr Ballsicherheit ausgehen, mehr Mut und Ideen im klaren Spiel nach vorne.

Auffälliger Wandel: Jairo Samperio (hier mit Pablo De Blasis) hat wieder Spaß am 05-Training. Foto: Jörg SchneiderAuffällig ist zudem die Wandlung von Jairo Samperio. Der Spanier, dessen Vorstellungen vom Vereinswechsel geplatzt sind und dessen anderweitige Ambitionen dazu geführt hatten, dass der technisch starke Offensivmann die komplette Vorbereitung verschludert hatte, deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben war, hat offenbar begriffen, dass er nun Leistung bringen muss. Jairo muss eine gute und seinen Fähigkeiten entsprechende Saison spielen, um seine sportliche Zukunft vorantreiben zu können. Ob die in Mainz oder woanders liegt, darf für den 24-Jährigen keine Rolle spielen. Nur mit einer guten Saison bei den 05ern bleibt der Profi im Gespräch. Offensichtlich hat Schwarz dies dem Spieler im eingehenden persönlichen Gespräch verdeutlicht. Der Ehrgeiz, das Engagement und vor allem die Qualität, die Jairo in den Einheiten nach dem Ende seiner Freistellung plötzlich an den Tag gelegt hat, deuten darauf hin, dass die Botschaft angekommen und verstanden worden ist.

Der flinke, leichtfüßige Dribbler ist eigentlich geradezu prädestiniert für die Rolle als Außenspieler, der von der Bahn nach innen zieht, sich in den Halbräumen tummelt und mitankurbelt. Nicht zuletzt, weil Jairo auch gut in der Defensivumschaltung, im Gegenpressing ist. Dazu kommt die Technik im Abschluss, mit der Jairo in Bestform wichtige Treffer erzielt hat. Ob der Sinneswandel schon ausreicht, um den Profi gegen Leverkusen in den Kader zu nehmen, muss man abwarten, doch für die kommenden Wochen könnte der Spanier für den Trainer die Option werden, mit der die Verantwortlichen von Anfang an gerechnet haben.  

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