Jairo trifft und nennt sich Jairo

Jörg Schneider. Mainz.
Zwölf Feldspieler ballern aus allen Lagen die beiden Torhüter warm. Das war im Großen und Ganzen das Freitag-Trainingsprogramm der Fußballprofis des FSV Mainz 05, die sich in Abwesenheit der 15 Nationalspieler am Bruchweg bemühen, ein vernünftiges Pensum zu absolvieren. Besonders auffällig als sichere Torschützen waren zwei Spieler: Neuzugang Jairo, der am Freitag sein erstes richtiges Mannschaftstraining mit den 05ern durchzog, und Petar Sliskovic, der nach wochenlanger Verletzung erstmals wieder das ganze Programm mitmachen konnte und einen starken Eindruck hinterließ.

Paarlauf im Training: Petar Sliskovic (links) und Jairo überzeugten mit Qualitäten im Torabschluss. Foto: Jörg SchneiderAuf der großen Tafel  in der Mannschaftskabine des FSV Mainz 05 stand „Homework“. Hausaufgaben für die Bundesligaprofis, verfasst in Englisch, weil das im Moment die Sprache ist, die am Bruchweg die allgemeine Kommunikation erleichtert. Zwei Tage frei für die Spieler, aber so richtig doch nicht. Jeder von denen, die derzeit am Trainingsbetrieb teilnehmen, das waren am Freitag zwölf Feldspieler sowie die jungen Torhüter Robin Zentner und Jannik Huth, hat ein spezielles Programm fürs Wochenende mitbekommen. 40-Minuten-Läufe. Für manche mehrfach am Tag, dazu noch ein paar andere Übungen. Kasper Hjulmand hatte bereits dieser Tage angekündigt, der unterschiedliche Physis-Level müsse ausgeglichen werden.

Liegestütze für die Fehlschützen

Das Dutzend der Feldspieler durfte in der langen Vormittagseinheit die beiden Torhüter aus Herzenslust warm ballern. Passspiel und Torabschluss standen auf dem Programm. Mehrere Teams, die ihre Pass- und Abschlussqualitäten unter Beweis stellten oder auch nicht. Die Verlierer der einzelnen Spielformen mussten zur Strafe jeweils 20 Liegestütze absolvieren. Auffällig bei dieser Art von Bewegungstherapie waren zwei Spieler, die beide erstmals eine richtiges Mannschaftstraining in voller Länge durchzogen: Jairo, der Neuzugang vom FC Sevilla, der bisher nur ein Spezialprogramm durchgezogen hat und Petar Sliskovic. Der lange Mittelstürmer bestritt sein erstes offizielles Training nach seiner Verletzung. Der 23-Jährige hatte sich im Trainingslager der 05er in England ein Knochenmarksödem im rechten Kniegelenk zugezogen. Ein heftiger Rückschlag. Bis dahin hatte der Torjäger der U23 zu den absoluten Aktivposten im Mainzer Angriff gehört – mit Chancen auf einen Startplatz.

Dass der Angreifer insgesamt gut drauf ist, bewies Sliskovic im Freitagstraining. Selbstbewusst und offenbar frei von allen Beschwerden, versenkte der 05-Profi mit beachtlicher Sicherheit einen Ball nach dem anderen im Netz und hinterließ schon wieder einen starken Eindruck. Das galt auch für Jairo. Auch der flinke Spanier demonstrierte eine feine, saubere Schusstechnik und kam auf eine beachtliche Abschlussquote.

„Er ist gut und er will“, sagt Fleming Pedersen, der Co-Trainer. „Aber wir müssen ihn noch aufbauen. Er muss viel trainieren.“ Er könne auch seinen linken Fuß benutzen, sagt der 21-Jährige, der einen Monat Vorbereitung mit dem FC Sevilla hinter sich hat. „Aber am liebsten schieße ich mit rechts.“ Da fühle er sich am sichersten. Er sei fit und wolle der Mannschaft auf seiner Lieblingsposition als Rechtsaußen helfen.

Künstlername nicht im Pass

Jairo, der sich vorzeitig aus dem Training verabschiedete, weil der Profi den Flieger in Frankfurt nach Spanien erreichen musste, ist noch einmal für zwei Tage nach Hause gejettet, um „ein paar Sachen zusammenzupacken, einige Dinge in Sevilla zu erledigen, Familie und Freundin zu treffen.“ Wobei Letztere, wie er mithilfe von Dolmetscher Martin Heininger mitteilte, wenig Zeit für ihn haben werde, weil sie sich im Klausuren-Stress befinde.

Jairo plauderte vor seiner Abreise noch schnell mit den Journalisten und stellte die Sache mit seinem Namen richtig. Der Mann heißt Jairo Samperio Bustara. Auf dem Trikot mit der Nummer 17, das der Außenstürmer demnächst trägt, steht Samperio. Doch der Spieler möchte Jairo genannt und geschrieben werden. Jairo ist sein Vorname. Der darf deshalb nicht auf dem 05-Dress stehen, weil der Spanier diesen Rufnamen nicht als Künstlernamen im Pass hat eintragen lassen. Die deutsche Fußball-Bürokratie verlangt so etwas. Also steht da offiziell Samperio und gerufen wird Jairo Jairo.

Mehr über den Hintergrund des U21-Nationalspielers und über dessen Wechsel nach Mainz in die Bundesliga lesen Sie demnächst hier in der nullfünfMixedZone.

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