Jannik Huth: Bisschen wenig aufs Tor

Jörg Schneider. Mainz.
In allen 13 Bundesligaspielen dieser Saison und allen bisherigen Gruppenspielen der Europaliga saß Jannik Huth als Ersatz-Torhüter auf der Bank des FSV Mainz 05. Die Abschiedsvorstellung im Europapokal durfte der 22-Jährige nun als Nummer eins im Tor erleben. „Es hat wirklich Spaß gemacht. Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn etwas mehr aufs Tor gekommen wäre, aber zum Reinkommen war es ganz gut“, sagte Huth nach seinem Profi-Debüt beim 2:0-Erfolg in der Opel Arena gegen Qäbälä FK.

Sicher bei hohen Bällen mit einer guten Ausstrahlung: Jannik Huth überzeugte bei seinem Profi-Debüt gegen Qäbälä trotz dauerhafter Unterforderung im Tor der 05er. Foto: ImagoViel zu tun hatte er nicht, und deshalb konnte Jannik Huth auch nicht großartig zeigen, was er alles so drauf hat zwischen den Pfosten. Doch der Torhüter des FSV Mainz 05 strahlte nach dem Abpfiff übers ganze Gesicht. „Es hat wirklich Spaß gemacht“, sagte der 22-Jährige nach seinem Profi-Debüt in der Europaliga beim 2:0-Heimsieg im letzten Gruppenspiel gegen Qäbälä FK. „Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn etwas mehr aufs Tor gekommen wäre, aber zum Reinkommen war es ganz gut. Es war ein Anfang, hoffentlich nicht das Ende“, sagte der Olympia-Silbermedaillengewinner von Rio de Janeiro nachher gut gelaunt.

Am Morgen, als ihm Stefan Kuhnert, der Torwart-Trainer der 05er, eröffnet hatte, dass er am Abend zwischen den Pfosten stehen werde im finalen Europacup-Spiel, da sei er etwas nervös geworden, berichtete Huth. „Im Laufe des Tages hat sich das aber gelegt. Es hat einfach Spaß gemacht, vor den Fans im Stadion mal zu spielen in der Europa League.“ Dass die Anhänger auf der Südtribüne bei jedem Ballkontakt lautstark „Huth, Huth, Huth“ skandierten wie bei Robert Huth, dem einstigen Nationalspieler, habe ihn gefreut und motiviert. „Das pusht einen auf jeden Fall. Es freut mich zu hören, dass ihnen mein Spiel gefällt. Leider konnte ich torwarttechnisch nicht so viel zeigen. Ich habe meist nur ein bisschen Fußball gespielt hinten rum.“ Doch die Nummer zwei im 05-Kader hatte eine gute Ausstrahlung, fing alle hohen Bälle locker ab und überzeugte mit seinen punktgenauen Abschlägen. In jedem Fall habe er nun Lust auf mehr bekommen, sagte Huth. „Ich werde im Training auf jeden Fall Gas geben, dem Trainer die Entscheidung jeweils so schwer wie möglich machen. Dann werde ich schauen, wie es aussieht.“

Für den 05-Coach war bereits Anfang der Woche klar, dass er in dieser Partie dem Ersatz-Torhüter die Chance geben werde. „Wir wollten Jannik belohnen für eine sehr solide Saison“, sagte Martin Schmidt. „Er hatte keine einfache Vorbereitung, war bei den Olympischen Spielen, hat dort eine Medaille geholt und ist U21-National-Torwart. Da gehört es auch dazu, dass man ihn irgendwann auf den Prüfstand stellt. Dieses letzte Europapokalspiel hat er sich verdient durch seine tägliche Arbeit, die er hochintensiv und mit viel Fleiß betreibt.“ Er habe sich in der Woche Jonas Lössl zur Seite genommen und dem Stamm-Keeper erklärt, dass er Huth gerne dieses Spiel geben würde, berichtete der 05-Trainer. „Jonas hat das sofort eingesehen. Es war für ihn vielleicht jetzt auch mal ganz gut für den Kopf, ein paar Tage ohne Druck raus zu sein, um dann am Sonntag für Gladbach alles wieder hochzufahren.“

Die Nominierung Huths für die Startelf sei für alle Seiten und  auch für Mainz 05 als Klub ein sehr wichtiger Schritt gewesen. „Das Ziel war eigentlich, heute eine bundesligataugliche Mannschaft auf dem Platz zu haben mit einigen Eigengewächsen“, sagte Schmidt. „Leider mussten wir Suat Serdar aus der Startelf rausnehmen, weil er muskulär wieder etwas gespürt hat, sonst hätten Eigengewächse in der Startelf gestanden mit Alexander Hack, mit Stefan Bell, mit Jannik und Suat. Wir haben dann später mit Aaron Seydel den vierten eingewechselt. Es ist wichtig, den hier ausgebildeten Spielern diese Bühne zu geben. Das sind Erfahrungen, die die Jungs mitnehmen. Es freut mich, dass wir dadurch unseren Fundus an eigenen Spielern nochmal verbreitern.“

Serdar fehlte also ebenso wie Niko Bungert, der ebenfalls in der Anfangsformation der 05er geplant war, aber wegen erneuter muskulärer Beschwerden kurzfristig rausfiel. Bei beiden wird es auch für den Sonntag und für das Bundesliga-Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach knapp. Und auch das Comeback von Yoshinori Muto lässt noch auf sich warten. Dem Trainer ist das Risiko noch zu groß, den Japaner zu früh ins Rennen zu werfen. „Er ist nicht ganz so weit“, sagte Schmidt. „Yoshi braucht noch Minimum eine Trainingswoche. Läuferisch ist er absolut schon auf dem Damm. Aber man sieht noch in einigen Phasen im Zweikampf, dass er auf der Seite des verletzten Beines nicht so hingeht. Und man sieht auch im Torschuss sowie im Passspiel, dass er immer noch den linken Fuß nimmt. Und nicht seinen rechten. Da merkt man, dass er sich noch nicht absolut wohlfühlt, sonst würde er mit rechts ran knallen.“ Da brauche es von allen noch etwas Geduld, um einen voll einsatzfähigen Torjäger zurück auf den Platz zu kriegen. „Bei ihm ist es zudem die Re-Verletzung, die noch etwas bremst. Wir werden ihn dann bringen, wenn er hundertprozentig fit ist.“

 

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