Jannik Huth hält zwei Elfmeter

Jörg Schneider. Colorado Springs.
Jannik Huth bescherte dem FSV Mainz 05 den zweiten Sieg im zweiten internationalen Testspiel im Rahmen seines Trainingslagers in Colorado Springs. Weil die Partie gegen den mexikanischen Zweitligisten Leones Negros aus Guadalajara als Colorado Cup deklariert war und es nach 90 Minuten 1:1 gestanden hatte, musste eine Entscheidung im Elfmeterschießen her. Der U21-Nationaltorhüter parierte zwei Strafstöße. Der Bundesligist wirkte am Mittwochabend im Stadion der Air Force Academy aufgrund des harten Trainingsprogramms doch sehr geschlaucht und hatte viele Probleme gegen die spielstarken Mexikaner.

Christian López schießt, Jannik Huth wird halten. Und das Elfmeterschießen so gut beginnen für die 05er. Fotos: Daniel Bongartz

Leones Negros - FSV Mainz 05 1:1 n.V. (1:1, 1:1), 2:3 i.E.

Donnerstag, 14. Juli 2016.

FSV Mainz 05: Lössl (58. Huth) - Donati (46. Breitenbach), Balogun (58. Hack), Bell (46. Häusl), Brosinski (58. Muto) - Frei (46. Rodríguez), Bohl (46. Klement) - Jairo (58. Clemens), Halimi, Onisiwo (46. Holtmann) - Córdoba (58. de Blasis).

Tore: 0:1 Córdoba (20., Jairo), 1:1 C. López (32., nach abgewehrtem Freistoß).

Elfmeterschießen: Huth hält gegen C. López, 0:1 de Blasis, 1:1 Romo, Morán hält gegen Clemens, Huth hält gegen Santos, 1:2 Halimi, Lomelí schießt über das Tor, Morán hält gegen Muto, 2:2 Lugo, 2:3 Holtmann.

Der FSV Mainz 05 kann am Samstag mit zwei überdimensionalen Pokalen im Gepäck die Heimreise antreten. Nach dem Freedom Cup, den sich die Mannschaft von Martin Schmidt mit einem 6:0-Sieg gegen die Colorado Springs Switchbacks am Dienstag gesichert hatte, holte sich der Bundesligist nun auch noch den Colorado Cup im Duell mit dem mexikanischen Zweitligisten Leones Negros aus Guadalajara. Im amerikanischen Vermarktungsjargon reicht die Ankündigung eines internationalen Testspiels als Werbung für eine solche Partie nicht aus. Das Kind muss einen wichtigen Namen kriegen. Deshalb musste am Ende auch ein Elfmeterschießen her, um den Sieger an diesem Abend vor ein paar hundert Zuschauer  im 05-Traingsstadion der Air Force Academy zu ermitteln.

Jannik Huth war schließlich derjenige, der den größten Anteil daran hatte, dass die Mainzer diesen Cup gewannen. Der 05-Torhüter parierte zwei Elfmeter und verunsicherte offenbar einen dritten mexikanischen Schützen so sehr, dass dieser den Ball in den Nachthimmel von Colorado Springs drosch. Bei den Mainzern versagten Christian Clemens und Yoshinori Muto die Nerven am Elfmeterpunkt. Pablo De Blasis, Besar Halimi und schließlich Gerrit Holtmann sorgten für einen positiven Ausgang eines hammerharten Testspiels für die Mainzer Profis.

Denn der technisch starke, spielerisch phasenweise sogar etwas bessere Zweitligist vom Universitäts-Klub aus Zentral-Mexiko war wesentlich näher dran am Sieg als der insgesamt doch sehr müde und geschlaucht wirkende Bundesligist. Auch wenn die Mainzer in der Schlussphase der Partie noch etliche Konterchancen vergaben. „Es war eine verdammt harte Nummer“, sagte Martin Schmidt nachher.  „Dieser mexikanische Zweitligist hat uns am Anfang den Tarif durchgegeben, wie hart das hier abgehen soll. Irgendwann haben wir den Kampf dann angenommen und sind verdient in Führung gegangen. Der Ausgleich war aber genauso verdient. Wir waren gefährlich im Konter, sie waren etwas spielstärker, was wir auch erwartet hatten. Dass wir heute nicht so in die Zweikämpfe wie normal gekommen sind, ist kein Zufall, weil man den Spielern die Müdigkeit richtig angemerkt hat. Aber mit einer guten Verantwortlichkeit, die wir als Bundesligist hier auch haben, haben wir es dann im Elfmeterschießen gewonnen.“ Dennoch war der 05-Trainer mehr als zufrieden mit diesem Auftritt. „Du kannst dich als Trainer glücklich schätzen, wenn du in der Vorbereitung solche Testspiele hast. Von der Stimmung von außen, von der Aggressivität, ein spielstarker Gegner. Wenn man es dann noch positiv gestalten kann, ist es umso besser.“ Die Härte, die das mexikanische Team ins Spiel trug, habe sich nach einer gewissen Zeit ausgeglichen. „In der zweiten Halbzeit waren wir dann fast die Böseren.“

Pokale machen immer Spaß: Nach einem gar nicht bedeutungslosen Testspiel freut sich der FSV Mainz 05 über den Colorado Cup.Die 05er dominierten die Partie von Beginn an auf ihrem Trainingsrasen. Gegen die Leones Negros, die im klassischen 4-4-2 gegen den Ball spielten und offensiv eine Art 4-2-4 praktizierten, gelangen den Mainzern immer wieder Balleroberungen und Kontermöglichkeiten. 11:1 Ecken vor der Pause spiegelten die Verhältnisse wider. Nach gut 20 Minuten war es Jairo, der bis dahin sehr auffällig agierte, nachher aber wie etliche andere körperlich stark abbaute, der mit einer tollen Aktion auf der rechten Seite, mehrere gegnerische Verteidiger stehen ließ, in die Mitte passte, wo sich der robuste Jhon Cordoba trotz harter Bedrängnis und Deckung durchsetzte, das 1:0 erzielte. Die 05er waren immer dann stark, wenn es gelang, nach Balleroberung mit Tempo über Jairo oder Karim Onisiwo auf den Flügeln durchbrachen, doch allzu häufig kamen die Pässe nicht an oder die Abschlüsse gelangen nicht. Da ging doch recht viel schief im Mainzer Spiel.

Der Gegner kam immer besser ins Spiel, zeigte eine veritable Ballsicherheit und gepflegtes Kurzpassspiel, brauchte aber eine Standardsituation für den Ausgleich. Christian López, der Abwehrchef, war es, dem ein zu kurz abgewehrter Freistoß vor die Füße fiel und der in der 32. Minute das 1:1 gegen Jonas Lössl erzielte. Schmidt wechselte in der Pause sein Team durch und stellte zehn Minuten später eine interessante Viererkette auf den Platz. Mit Charmaine Häusl und Alexander Hack als Innenverteidiger, links Jason Breitenbach und rechts Besar Halimi, der die Zehn für Yoshinori Muto räumte. „Ich habe überlegt, anders zu wechseln, aber wegen der Belastungssteuerung mussten wir so wechseln“, erklärte der 05-Coach. „Als die Viererkette dann so auf dem Platz stand, habe ich gedacht: Oje. Lauter junge Kerle, die so noch nie zusammengespielt haben, das wird hart. Die haben zwei, dreimal richtig Glück gehabt.“

Zunächst war es noch Leon Balogun, der nach einem Schnittstellenpass auf der Linie retten musste, dann aber wegen muskulärer Probleme raus ging. Danach vergaben die Leones Negros mehrere ganz dicke Chancen zum Sieg und scheiterten einmal an der Latte. Am Ende waren es auf der anderen Seite Gerrit Holtmann und Pablo De Blasis, die den Mainzer Erfolg in den 90 Minuten vergaben. Und Jannik Huth durfte sich nach dem Elfmeterschießen feiern lassen. „Es war ein bisschen Intuition dabei, würde ich sagen“, kommentierte der U23-Keeper seine Abwehraktionen. „Aber zwei Elfmeter in einem internationalen Spiel zu halten, ist sicher ein guter Schnitt.“

Der Trainer hatte im Übrigen auf Niko Bungert verzichten müssen, der wegen Muskelbeschwerden aussetzte, sowie auf die angeschlagenen Pierre Bengtsson, Gaetan Bussmann und Aaron Seydel.

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