Jara gewinnt, Balogun verliert 2:0

Christian Karn. Mainz.
Für die chilenische Nationalmannschaft hat die WM-Qualifikation mit einem Achtungserfolg begonnen: Der neue Südamerikameister schlug am ersten Spieltag Brasilien 2:0. Die Chilenen mit Gonzalo Jara dominierten das Spiel zwar nicht, wurden aber von Brasilien selten ernsthaft gefährdet und nutzten schließlich ihre Chancen. Derweil verlor Leon Balogun mit Nigeria das von einigem Chaos begleitete Testspiel gegen die DR Kongo 0:2.

 

Für Chile hat die WM-Qualifikation optimal begonnen. Im ersten Pflichtspiel nach dem Turniergewinn bei der Copa América schlugen die Chilenen zum ersten Mal seit 15 Jahren die zuletzt allerdings ohnehin schwächelnde südamerikanische Großmacht Brasilien 2:0 (0:0). Gonzalo Jara vom FSV Mainz 05 begann links in einer Dreierkette mit zwei vorgeschobenen Außenverteidigern und spielte von Anfang bis Ende.

Brasilien ist ein bekannter Gegner für Gonzalo Jara. Erst im März verloren die Chilenen 0:1, im vergangenen Juni schieden sie durch Jaras Eigentor und seinen verschossenen Elfmeter im WM-Achtelfinale gegen die Seleção aus. Nun gab es den ersten Sieg seit 15 Jahren gegen eine brasilianische Mannschaft, die ohne Neymar auskommen musste. Foto: imagoDie Brasilianer - noch ohne den seit der Copa América gesperrten Neymar - wollten die Favoritenrolle und zeigten das in den ersten Minuten. Die Chilenen taten sich lange schwer, standen hinten nicht so stabil wie sonst, lebten davon, dass Brasilien sie leben ließ. "Sie haben die erste Hälfte dominiert", sagte Jara, "aber sie haben uns das Leben nicht schwer genug gemacht. Und als Mark reinkam, sahen wir besser aus." Mark González, der Routinier des CD Universidad Católica, ersetzte in der 40. Minute den schwachen Rechtsverteidiger Francesco Silva (Chiapas FC) und sah sofort die ersten guten Chancen der Chilenen, einen Pfostenschuss von Alexis Sánchez (Arsenal, 41.) und einen Weitschuss von Jara (45.). Die Brasilianer verteidigten schon in dieser Phase zu passiv.

In der zweiten Hälfte bedrohte weiterhin der schon vor der Pause gefährliche brasilianische Zehner Oscar (Chelsea) das Tor, das aber Barcelonas Keeper Claudio Bravo gut verteidigte. Auf der anderen Seite traf Mauricio Isla (Olympique Marseille) den Pfosten (55.). Die Einwechslung von Matías Fernández (AC Florenz) ließ schließlich die Partie endgültig kippen. In der Rückwärtsbewegung war Brasilien ohnehin nicht immer gut, nun gingen Chiles schnelle Angriffe immer leichter durch die Abwehr. Nur die Präzision fehlte zunächst. So kam González' Querpass auf Sánchez nicht an (67.), so klatschte Fernández' Freistoß an die Latte (68.) - so fiel das 1:0. Hoffenheims Neuzugang Eduardo Vargas schoss nach einer kurzen Freistoßflanke von Fernández, Brasiliens Torwart Jefferson (Botafogo FR) ließ den Ball über die Hand rutschen (72. - mehr ein Eigentor als Vargas' Treffer).

Die Vorentscheidung? Brasilien hatte durch den sofort eingewechselten Ricardo Oliveira (Santos FC) sofort zwei Ausgleichschancen, vergab sie aber. Und in der 89. Minute stellten die Chilenen den Auftaktsieg sicher - wiederum dank eines erschreckenden Durcheinanders in der brasilianischen Abwehr: Linksverteidiger Marcelo (Real Madrid) rückte aus der Viererkette heraus, öffnete Sánchez damit den Laufweg eher, als den Stürmer zu stören, und öffnete auch in seinem Rücken einen riesigen freien Raum. In den sprintete der chilenische Rechtsverteidiger Isla, der den Ball von Sánchez kam und als Doppelpass zurückspielte, damit bereits Jefferson aus dem Spiel nahm. Sánchez schoss zunächst den Verteidiger Miranda (Inter Mailand) an, stocherte aber den Abpraller doch noch ins Tor.

Jara eine gute Leistung zu bescheinigen, wäre übertrieben. Der Mainzer hatte zunächst mit Willian, später mit Oscar seine Mühe, allerdings auch seine guten Spieleröffnungen. Die fehlende Spielpraxis war dem Verteidiger anzusehen; Chiles Trainer Jorge Sampaoli hatte bereits vor dem Spiel entsprechende Bedenken geäußert. Mit 180 Minuten Praxis binnen einer Woche dürfte der erfahrene Jara aber auch im kommenden Spiel in Peru gesetzt sein. Die Peruaner verloren ihr Auftaktspiel im schwülheißen Barranquilla 0:2 gegen Kolumbien. Brasilien steht nun die Partie gegen Venezuela bevor, das seinerseits 0:1 gegen Paraguay verlor. Bolivien unterlag Uruguay 0:2, Ecuador sorgte mit einem Doppelschlag in der 81. und 82. Minute zum 2:0 in Argentinien für die größte Überraschung des ersten Spieltags.

Nigeria - DR Kongo 0:2

Nigeria spielte derweil Schnitzeljagd mit Presse und Fans: Wenige Tage vor den Spielen gegen die DR Kongo und Kamerun meldete der nigerianische Fußballverband mehrmals neue Spielorte und Anstoßzeiten. Die erste Partie wanderte von Mons kurzfristig nach Visé, die zweite von Denderleeuw über Dendermonde in den Brüsseler Stadtteil Molenbeek.

Die Nigerianer spielten ohne Vincent Enyeama. Der Torhüter vom OSC Lille, der im März sein 100. Länderspiel bestritten hatte, trat kurz vor dem Spiel aus der Nationalmannschaft zurück, tief gekränkt offenbar, weil der Trainer Sunday Oliseh ihn als Kapitän abgesetzt hatte; Enyeama war verspätet, aber entschuldigt zu spät ins Trainingslager gekommen, direkt von der Beerdigung seiner Mutter. 

Leon Balogun spielte gegen die DR Kongo die kompletten 90 Minuten in der Innenverteidigung und verlor 0:2 durch Tore von Dieumerci Mbokani (Norwich City, 7.) und Jordan Nkololo (SM Caen, 31.). Das drohende 0:3 verhinderte der Verteidiger des FSV Mainz 05 mit einer präzisen Grätsche gegen Yannick Bolasie (Crystal Palace, 71.).

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