Kaum konkurrenzfähig

Christian Karn. Mainz.
Auch Suat Serdars feines Hackentor in der 89. Minute war am Ende nicht viel wert: Nach nur einem Sieg in vier Spielen schied die deutsche U20-Nationalmannschaft aus dem WM-Turnier in Südkorea aus. Im Achtelfinale verlor die Mannschaft um den Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05 gegen Sambia 3:4 nach Verlängerung. Der grundsätzlich geringe Stellenwert dieser Altersklasse in den europäischen Verbänden spielte sicherlich eine Rolle, auch der frühe Termin des Turniers, das sich mit der Bundesliga und den Relegationsterminen überschnitt.

Wie befürchtet - wie erwartet - war die deutsche U20-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Südkorea kaum konkurrenzfähig. Der Sonderweg der UEFA, die als einziger Kontinentalverband einen U21-Wettbewerb ausrichtet, führt in Europa ohnehin zu einem geringeren Stellenwert der wichtigsten Nachwuchsklasse aller anderen Erdteile - ohnehin waren im 24-Teilnehmer-Feld nur fünf europäische Mannschaften, dazu fünf asiatische Teams, jeweils vier aus Nord-/Mittel- und Südamerika sowie zwei aus Ozeanien.

Einer der beiden: Vanuatu, die einzige Mannschaft im Wettbewerb, die alle drei Gruppenspiele verlor, die einzige Mannschaft, gegen die das deutsche Team gewann. 3:2, knapper als nötig nach der 3:0-Führung. Die weiteren Ergebnisse: 0:2 gegen Venezuela, 0:0 gegen Mexiko und im Achtelfinale 3:4 nach Verlängerung gegen Sambia. Wäre ein Sieg möglich gewesen gegen die Afrikaner? In 90 Minuten wohl kaum, stand es doch nach 88 Minuten noch 3:1 für Sambia. Erst in der 94. Minute gelang dem Dortmunder Regionalligastürmer Jonas Arweiler der Ausgleich. Zuvor hatte Suat Serdar vom FSV Mainz 05 mit einem ungewöhnlich harten Hackenschuss das 2:3 geschossen (89.). In der Verlängerung? Vielleicht - Sambias Siegtor fiel in der 107. Minute, nach zwei Torchancen von Fabian Reese und Arweiler (104.). In der 105. Minute andererseits hatte der DFB-Torwart Svend Brodersen in höchster Not geklärt. Die Schlussoffensive hätte Serdar um ein Haar mit dem 4:4 abgeschlossen; in der 122. Minute traf der Mainzer unter Bedrängnis den letzten Ball aber nicht richtig. "Der Einsatz hat gestimmt", sagte Bundestrainer Guido Streichsbier. "Es war toll, wie wir uns noch einmal zurückgekämpft haben. Wir hatten aber viele leichte und unnötige Ballverluste."

Als U19-Nationalspieler hatte Suat Serdar bereits zwei Länderspieltore geschossen, nun auch das erste in der U20-Auswahl. Archivbild: imagoIn der 37. Minute eines lange nicht allzu guten Spiels hatte der Hoffenheimer Philipp Ochs mit einem Freistoß das 1:0 geschossen. Die Führung hielt bis in die Halbzeit, aber nicht viel länger: Mit viel Glück und zwei Querschlägern traf Emmanuel Banda in der 50. Minute zum 1:1. Ein Torwartfehler von Brodersen, der schon im Gruppenspiel gegen Vanuatu nicht gut ausgesehen hatte, führte zum 1:2 (Fashion Sakala, 68.), ein Überzahlkonter zum 1:3 (Enock Mwepu, 86.), das die DFB-Elf durchaus unerwartet noch ausglich - gebracht hat's am Ende bis auf eine weitere halbe Stunde WM-Erfahrung nichts.

Letztlich scheiterte Streichbiers Team wohl am Termin der Weltmeisterschaft. "Eine Abstellungspflicht wäre gut", hatte der Bundestrainer bereits vor dem ersten Gruppenspiel gesagt, "aber dann müsste das Turnier hinter die Saison gelegt werden." Der Nominierungstermin 8. Mai lag jedoch vor dem vorletzten Bundesligaspiel, die Auftaktpartie gegen Venezuela fand wenige Stunden vor dem letzten Spieltag statt. Etliche Spieler mussten absagen, weil sie noch im Abstiegskampf oder im Europapokalrennen gebraucht wurden. "Wir wollen nicht hingehen und sagen: Lieber VfL Wolfsburg, Ihr habt Euer K.o.-Spiel gegen Hamburg, aber wir wollen den Jannes Horn haben", hatte Streichsbier gesagt. "Dass die Klubs uns unterstützen, sah man an Rouven Schröder, der mich, nachdem Mainz den Klassenerhalt geschafft hatte, abends angerufen und gesagt hat: Serdar darf direkt mit." Auch die 05er hatten ihrem Mittelfeldspieler ursprünglich die Freigabe verweigert, ihn nach dem Sieg gegen die Eintracht aber nach Südkorea fliegen lassen. Andere Spieler, die Streichsbier gern gesehen hätte, konnten dagegen nicht einmal hinterherkommen.

Nun hofft der DFB auf eine erfolgreiche Europameisterschaft der U21. Diese beginnt am 16. Juni in Polen. Ursprünglich waren zwei Spieler des FSV Mainz 05 nominiert; weil Jannik Huth verletzt absagen musste, wird nur Levin Öztunali dabei sein.

► Alle Artikel zum internationalen Fußball

► Zur Startseite