Kein Großeinkauf in Südkorea

Christian Karn. Mainz.
Er habe das Turnier schon ein bisschen im Auge, sagt 05-Sportdirektor Rouven Schröder über die U20-Weltmeisterschaft in Südkorea, und das nicht nur, um die Entwicklung seines Mittelfeld-Profis Suat Serdar zu beobachten, der im zweiten Gruppenspiel gegen Mexiko 0:0 spielte. Als Einkaufszentrum für den Kader der kommenden Saison sehe der FSV Mainz 05 die WM jedoch nicht. "Die Leute würden fragen, ob wir einen Goldesel haben", sagt Schröder. Als Entwicklungsspieler, die erst einmal auf der Tribüne landen werden, seien die Topspieler des Turniers für die 05er schlicht zu teuer.

Rouven Schröder hat die U20-Weltmeisterschaft durchaus im Blick. Man solle aber nicht damit rechnen, dass einer der WM-Stars in Mainz auftaucht - außer Suat Serdar, der seit Jahren ein 05er ist. Foto: Veyhelmann.Es wird eng für Suat Serdar und die deutsche U20-Nationalmannschaft. Auch im zweiten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft in Südkorea schoss die Nachwuchsmannschaft von Guido Streichsbier keine Tore; gegen Mexiko gab es beim 0:0 immerhin den ersten Punkt. Ein abschließender Sieg gegen Vanuatu, das gegen Mexiko in der Nachspielzeit 2:3 unterlag und von Tabellenführer Venezuela 7:0 abgeschossen wurde, müsste jedoch reichen, um mindestens als einer der vier besten Gruppendritten, vielleicht sogar als Gruppenzweiter weiterzukommen.

Es war eine problematische Partie für die deutsche Mannschaft. In Zugzwang war sie ohnehin, in Bestbesetzung konnte sie ohnehin nicht spielen. Dann verletzten sich auch noch vor der Halbzeit der Berliner Maximilian Mittelstädt und der Karlsruher (und künftige Wolfsburger?) Matthias Bader. Auch der Mainzer Serdar musste in der Schlussphase vom Platz getragen werden, konnte aber nach kurzer Behandlung doch noch weiterspielen. Serdar hatte in der 26. Minute eine der wenigen Torchancen der Partie, verpasste aber den Querpass des Wolfsburgers Amara Condé.

Abgesehen von Serdars Teilnahme ist das Turnier für den FSV Mainz 05 nicht allzu interessant. "Wir werden es natürlich wahrnehmen", sagt 05-Sportdirektor Rouven Schröder. "Aber wir schicken nicht unsere Scouts." Denn die Preise seien hoch für junge Spieler dieses Niveaus. "Große Klubs zahlen sechs, sieben, acht Millionen, um das Toptalent des Jahrgangs 1997 oder 1998 zu haben und in Ruhe in Form zu bringen", erklärt Schröder. In Mainz wäre das mit Abstand die Rekordablöse. "Die Leute würden fragen, ob wir einen Goldesel im Keller haben", führte der Sportdirektor weiter aus, "solche Beträge können wir nicht zahlen für einen, der dann erst lange auf der Tribüne sitzt." Trotzdem möchte Schröder die Topspieler des Turniers im Auge behalten. "Wenn der die Nummer 25 oder 30 in seinem Verein ist", erklärt der 05er, "dann können wir ihn vielleicht überzeugen, bei uns den nächsten Schritt zu machen." Beispielsweise könnten alle drei deutschen Torhüter, allesamt Regionalligaspieler, in Frage kommen - wenn die 05er nicht auch ohne ihren Drittliga-Stammtorwart Lukas Watkowiak, der zum SV Wehen wechselt, mit Jannik Huth, Florian Müller, Jan-Christoph Bartels und Finn Dahmen selbst schon genug Nachwuchs-Nationaltorhüter für mehrere Jahre hätten.

Es ist daher nicht allzu wahrscheinlich, dass neben Serdar ein weiterer WM-Teilnehmer demnächst das 05-Trikot trägt. Sofern sich nicht irgendwo ein überraschendes Schnäppchen ergibt, werden die 05er mit ihren begrenzten Mitteln in einem anderen Regal einkaufen gehen müssen.

 

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