Keine akute Gefährdungslage

Jörg Schneider. Mainz.
Die Ereignisse von Dortmund in dieser Woche haben einmal mehr gezeigt, dass auch der Profi-Fußball im Fokus von Terror und Extremismus steht. Die Nervosität ist da vor dem Heimspiel des FSV Mainz 05 am Samstag gegen Hertha BSC. Wie Stephan Bandholz, der Sicherheitsbeauftragte des Klubs am Donnerstag mitteilte, gehen die Sicherheitskräfte allerdings nicht von einer akuten Gefährdungslage aus. „Von daher werden das bestehende Sicherheitskonzept und alle Maßnahmen so Bestand haben wie bisher auch.“ Die 05er versuchen, die Dinge möglichst auszublenden und sich komplett darauf zu konzentrieren, endlich ein Erfolgserlebnis im Abstiegskampf zu schaffen, den ersten Schritt zu tun, um das Projekt #Mainzbleibt1 gemeinsam mit den mobilisierten Anhängern umzusetzen. „Wir sind jetzt einfach mal dran“, sagt Rouven Schröder.

Der Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am Dienstagabend vor dem Champions-League-Spiel des BVB gegen AS Monaco hat wie überall im Lande auch in Mainz Nachdenklichkeit, Anteilnahme und Besorgnis ausgelöst. Anderthalb Jahre nach Paris und dem abgesagten Länderspiel von Hannover haben die Ereignisse dieser Woche einmal mehr gezeigt, dass auch der Profi-Fußball im Fokus von Terror und Extremismus steht, auch wenn derzeit noch niemand genau sagen kann, aus welcher Ecke die Attentäter von Dortmund wirklich kamen. Beim FSV Mainz 05 versuchen alle Beteiligten vor dem Heimspiel am Samstag gegen Hertha BSC eine mögliche Gefährdung weitgehend auszublenden, doch so richtig Wohl ist in diesen Tagen selbstverständlich niemand.  „Wir haben zu jedem Spiel ein Organisationsmeeting, in dem die Sicherheitslage diskutiert wird mit allen Netzwerkpartnern wie Polizei, Behörden oder Sanitätsdienst und in dem die Lage beurteilt wird“, sagte Stephan Bandholz, Stadion-Manager der Opel Arena und Sicherheitsbeauftragter. „In diesem Rahmen gab es für dieses Spiel keine besonderen Vorkommnisse. Da es keine Lage gibt, gibt es auch kein besonderes Gefährdungskonzept für unser Spiel. Von daher werden das bestehende Sicherheitskonzept und alle Maßnahmen so Bestand haben wie bisher auch.“ In Dortmund seien bei der Neuansetzung der Partie am Mittwochabend beispielsweise kurzfristig überhaupt keine Taschen im Stadion erlaubt gewesen. „Wir wenden unser bestehendes Sicherheitskonzept an, in dem die Regelung besteht, Taschen in maximaler Größe DinA4 sind erlaubt. Rucksäcke sind bei uns grundsätzlich nicht erlaubt“, sagte Bandholz im Rahmen der Pressekonferenz am Donnerstag.

Zu der Frage, ob es einen besonderen Schutz für das Team und den Mannschaftsbus auf dem Weg vom Hotel zum Stadion gebe, wollte sich der Sicherheitsbeauftragte der 05er nicht äußern. „Es gibt polizeitechnische Themen, die parallel zu jedem Spieltag laufen und die individuell zu jedem Spieltag angepasst werden, darüber haben wir aber keine Information. Aus taktischen Gründen wird von den Sicherheitskräften darüber auch nichts verraten.“ Aus 05-Sicht sei nur klar, dass jede Person, die ins Stadion komme, wie bisher einer persönlichen Kontrolle unterzogen werde. Zwischen 350 und 420 Ordner sollen neben der Polizei die Sicherheit im Stadion garantieren.

Gemeinsam im Abstiegskampf: Mit der Unterstützung seiner Anhänger will der FSV Mainz 05 am Samstag den ersten Schritt hin zur Wende machen. Foto: Ekkie Veyhelmann„Wir sind alle betroffen von den Vorkommnissen in Dortmund. Da hat uns natürlich alle nachdenklich gemacht“, sagte Rouven Schröder. „Wir können mitfühlen, was da passiert ist. Wir haben Anteil daran, können uns aber nicht beirren lassen. Der Gedanke, dass man plötzlich ebenfalls als Angriffsziel im Fokus stehen könnte, sei sehr unangenehm, zumal man ja trotz aller Sicherheitsvorkehrungen so etwas nie ganz ausschließen könne. „Wir fahren ebenfalls mit einem Bus zum Spiel und trotzdem versuchen wir es auszublenden. Der eine kann es besser kanalisieren und sagen, das ist die Welt. Der andere weniger. Ich gehe davon aus, dass nichts passiert. Ich versuche es auszublenden und bekomme es ganz gut hin. Wir versuchen in jedem Fall alles zu tun, um die Sicherheit zu gewährleisten“, erklärte der Sportdirektor.

Der Zwiespalt sei dagewesen bei der Dortmunder Mannschaft, einen Tag nach dem Schock dieses Champions-League-Spiel absolvieren zu müssen, sagte Martin Schmidt. „Das war keine einfache Geschichte für sie. Das hat man gesehen. Im ersten Moment sagt man, das Spiel muss verschoben werden, aber aus verschiedenen Gründen musste es wohl sein, dass gespielt wird. Vielleicht war es dann auch für Spieler, Trainer und Fans eine Art der Verarbeitung und der erste Schritt hin zur Normalität.“ Angst habe er keine, betonte der 05-Trainer. „Das wäre das falsche Wort. Ich habe Vertrauen in die Behörden und in die Sicherheitsvorkehrungen. Wir werden uns professionell verhalten und uns nach den Anweisungen richten.“

Da es im Vorfeld keinerlei Anzeichen einer Gefährdungslage gibt, gehen die 05er von einem Heimspiel aus, in dem sich alles darum dreht, dass die Mannschaft im Abstiegskampf nun gegen Hertha BSC den ersten Schritt zur Wende unternimmt und ihre Situation verbessert. Gemeinsam mit den Anhängern in der Arena. „Die Aufbruchsstimmung und die Hoffnung ist überall spürbar. Auch durch die Projekt-Entwicklung mit dem Slogan #Mainzbleibt1. Das Team rutscht zusammen, der Verein schweißt sich zusammen. Eine neue Einigkeit ist da. Man merkt, dass die Kompaktheit zwischen Stadt, Verein, Team und Verantwortlichen so nahe und groß wie selten zuvor ist. Das spüren die Spieler, wir alle“, sagte Schmidt, der am Mittwoch 50 Jahre alt wurde. „Wir sind alle kämpferisch und haben den Glauben, dass wir das Ding drehen können. Das muss am Samstag von allen ins Stadion rein, dann werden wir den nächsten Schritt tun, um aus dieser Misere rauszukommen. Wir haben den Gegner sehr gut analysiert, wir wissen wo er verletzbar ist und da werden wir zuschlagen.“

28.000 Karten hat der Klub fürs Heimspiel bisher abgesetzt. 6000 davon alleine in den vergangenen Tagen. Tendenz steigend. Der Verein verteilt passend zum Slogan vor dem Spiel ab 13 Uhr 20.000 Gratis-T-Shirts, bedruckt mit der Aufschrift #Mainzbleibt1 und hofft, dass trotz aller Umstände sich noch mehr Kurzentschlossene aufmachen, um das 05-Team in diesem so wichtigen Spiel zu unterstützen. „Die Mannschaft ist nun einfach mal dran“, fügte Schröder an. „Wir sind dran. Egal, was passiert. Wenn du fleißig bist und alles dafür tust, geschlossen alles dafür tust, dann musst du dich auch einfach mal belohnen. Wir sind einfach mal dran, in Führung zu gehen. Wir sind einfach mal dran, den Dreier zu holen. Wir werden alles geben, was in uns steckt. Das Positive muss irgendwann belohnt werden. Ich habe die Mannschaft diese Woche beobachtet und muss sagen, sie ist so geschlossen, so fokussiert. Jeder brennt auf den Einsatz. Jeder möchte das wettmachen, was in den letzten Spielen passiert ist. Das überzeugt uns einfach. Ich weiß, dass sich das wie eine Kassette anhört, die immer wieder abgespielt wird, aber es ist meine Überzeugung, dass die Mannschaft lebt und man ganz klar sehen kann, dass das so ist. Wenn da Störfeuer wären oder Leute dabei wären, die nicht mitziehen, würde ich das sehen. Es muss funktionieren.“

 

► Alle Artikel zum Spiel gegen Hertha BSC

► Zur Startseite