Keine Stühle für Halimi

Christian Karn. Mainz.
In der Vorbereitung schien Besar Halimi nah dran am operativen Kader des FSV Mainz 05, tatsächlich saß er bisher nur zweimal auf der Bank. Ein Drittliga-Platzverweis zur Unzeit und die Nichtnominierung für den Europa-League-Kader nehmen dem Mittelfeldspieler auch weiterhin die Einsatzchancen - just in der Phase, in der Martin Schmidt den Neuzugang aus der zweiten Bundesliga auf einem guten Weg sah. In der Nationalmannschaft Kosovos dagegen ist Halimi spielberechtigt, gestern verlor er 0:6 gegen Kroatien.

Die Länderspiele

Mi., 5. Oktober:
16.00: USA - U20 0:1

Do., 6. Oktober:
14.00: GIB - U19 0:5
20.45: KOS - CRO 0:6
20.45: TUR - UKR 2:2

Fr., 7. Oktober:
18.00: U21 - RUS
19.00: Hadamar - 05
20.00: ENG - U20

Sa., 8. Oktober:
14.00: ALB - U19
20.45: POL - DEN

So., 9. Oktober:
18.00: UKR - KOS
20.45: ISL - TUR

Mo., 10. Oktober:
20.00: NED - U20

Di., 11. Oktober:
14.00: IRL - U19
18.00: AUT - U21
20.45: DEN - MNE
 

Besar Halimi sitzt beim FSV Mainz 05 nicht einfach nur ein bisschen zwischen den Stühlen. Denn den einen Stuhl hat der Verein weggetragen, den anderen hat der Mittelfeldspieler umgeworfen. In den bisherigen neun Pflichtspielen der 05er war der Neuzugang, der im Sommer 2015 vom Drittliga-Klub Stuttgarter Kickers verliehen und sofort in die zweite Liga zum FSV Frankfurt ausgeliehen wurde, der dort im offensiven Mittelfeld kein ganzer Stammspieler war, immerhin zweimal im Kader. Aufs Debüt aber muss er zwangsläufig noch eine Weile warten. Im dreizehnten Spiel wird er erst wieder eine Chance bekommen, dann wieder im sechzehnten: Ende Oktober in Fürth oder Anfang November in Leipzig, das wäre direkt vor der nächsten Länderspielpause.

Der Grund: Halimi ist in zwei von drei Wettbewerben, an denen die 05-Profis teilnehmen nicht spielberechtigt. In den 25 Mann starken Kader für die Europa-League-Gruppenphase haben die 05er den Frankfurter nicht aufgenommen. "Wir haben gerade in der Offensive einen großen Konkurrenzdruck", erklärte Sportdirektor Rouven Schröder den Verzicht auf Halimi. "Wir mussten die Kaderbesetzung auch positionsspezifisch ordentlich aufteilen. Letztlich hat sich der Trainer so entschieden." Auch die Verletzten Emil Berggreen, Danny Latza und Philipp Klement fehlen bekanntlich.

Dass der Nationalspieler Kosovos bisher so gar keine Rolle spielt, wirkt zunächst überraschend. Im Trainingslager in Italien hatte Halimi - ebenso wie der nicht nur aufgrund des Platzverweises in Augsburg noch nicht allzu oft eingesetzte José Rodríguez - als Wochengewinner gegolten. "Man hat bei ihm gesehen, dass er auch als Achter, als Zwischenspieler geeignet ist", sagte Martin Schmidt Anfang August. "Wenn wir in den Spielaufbau reingehen, ins Spielerische, in die Kreativität, werden wir sehen, wer sich hervortut. Rodriguez und Halimi haben uns überrascht", letzterer als ein Fighter, der einen guten Ball spielen kann. Den Eindruck hinterließ Halimi auch beim 0:3-Fiasko im Testspiel gegen den 1. FC Köln - in seinem neun-Minuten-Einsatz hatte der kleine Mittelfeldspieler als Sechser mehr Szenen, bessere Szenen als seine Kollegen in der neunfachen Spielzeit. Halimi spielte aggressives Pressing, wollte die Zweikämpfe, setzte die Gegenspieler unter Druck, bewarb sich für eine Rolle auf der neuen Position.

"Halimi hatte allen anderen gegenüber zwei Wochen Vorlauf", erklärt Schmidt nun. "Bis ins Trainingslager in Italien hat er sich gut reingezogen, aber dann ist er ins Juniorenloch gefallen. Irgendwann kommt die Belastung, dann schafft man es nicht in den Kader, ist doch die Nummer 19 oder 20 und fragt sich: Warum spiele ich nicht?" Es sei ein normaler Vorgang bei jungen Bundesliga-Neulingen, die sich an die neue Umgebung herantasten, ein Vorgang, der auch erfahrenere Profis treffen könne. "Letztes Jahr hat man es bei Fabian Frei gesehen, man hat es bei Karim Onisiwo gesehen, man sieht es bei Gerrit Holtmann. Es braucht ein bisschen was, um in der Bundesliga anzukommen. Besar kam im August und September in diese Delle rein. Als alle fit waren, hat er keine Rolle gespielt, durch die Verletzungen ist er wieder näher rangekommen. Aber man hat gesehen, dass er noch nicht so weit ist. Er muss weiterarbeiten, muss sich über die U23 ranarbeiten, muss sich die Fitness holen, muss sich im Abschlusstraining einbringen." Dem hohen Anfangstempo habe Halimi Tribut zollen müssen, sagt Schmidt, "aber im Laufe des Oktobers kommen die alle wieder raus. Bei Suat Serdar war das im letzten Jahr genau das gleiche. Ende September, Anfang Oktober kommen die wieder."

Über die U23 sollte sich Besar Halimi an den Profikader heranarbeiten. Seine mutmaßliche Tätlichkeit im Drittligaspiel gegen Erfurt nimmt den Mittelfeldspieler aber erst einmal aus dem Programm. Foto: imagoBis auf Halimi, der wird erstmal nicht kommen. Denn der ist auch in der Bundesliga vorerst nicht spielberechtigt. Die Spiele gegen Darmstadt 98 und den FC Ingolstadt sowie auf Schalke wird der Mittelfeldspieler verpassen. Dabei weiß keiner so ganz genau, was eigentlich vorgefallen ist in der 71. Minute des Drittligaspiels der 05er gegen Rot-Weiß Erfurt am vergangenen Sonntag, Halimis viertem Einsatz in der U23 (eine Auswechslung, ein Elfmetertor). Abseits des Balles geriet Halimi mit dem mehr-oder-weniger-Landsmann Liridon Vocaj aneinander, es soll eine Schubserei gegeben haben, möglicherweise einen Ellbogenschlag, gesehen hat's keiner so recht, auch die Kameras nicht. Augenzeugen wunderten sich lediglich, warum es nur für den Mainzer Rot gab und der Erfurter mit Gelb davon kam. Halimi ist jetzt jedenfalls für drei Drittligaspiele gesperrt - und bis zum Ablauf der Sperre auch für alle anderen Meisterschaftsbegegnungen der 05er. Damit bleibt übrig: Das Pokalspiel in Fürth. Das wird die vierte Partie im zweiten Siebenerblock der 05er sein, vielleicht geht da ja inmitten der Sperre ein Türchen auf.

Die Nationalmannschaftskarriere Halimis ist von der Sperre nicht betroffen. Daher war der Mainzer am Donnerstag bei der ersten großen Niederlage der jungen Auswahl des Kosovo auf dem Platz. Durch drei Tore des ehemaligen Bundesligaspielers Mario Mandzukic, inzwischen Juventus Turin, stand es bereits 0:3, als Halimi in der 58. Minute des WM-Qualifikationsspiels gegen Kroatien für Bernard Berisha (Anschi Machatschkala) eingewechselt wurde. Matej Mitrovic (NK Rijeka), Ivan Perisic (Inter Mailand) und Nikola Kalinic (AC Florenz) trafen zum 6:0-Endstand - ein Ergebnis, das freilich zwei bis vier Tore zu hoch ausfiel. Ganz so unterlegen war Kosovo offensiv nicht, defensiv allerdings fehlte gegen die Kroaten jeglicher Zugriff, stellte sich Halimis Team im zweiten offiziellen Länderspiel seit der Aufnahme in die Verbände fürchterlich naiv an. Vielleicht ist's ja eine wertvolle Erfahrung vor dem nächsten Spiel gegen die Ukraine am Sonntag.

Der kommende Gegner holte nach dem 1:1 gegen Island im September gegen die Türkei seinen zweiten Punkt der WM-Qualifikation. Andrij Jarmolenko (Dynamo Kiew) und Artem Krawez (bis Sommer VfB Stuttgart, inzwischen Granada CF) brachten die Ukraine 2:0 in Führung, Ozan Tufan (Fenerbahce) und Hakan Calhanoglu (Leverkusen) glichen aus. Der 05er Yunus Malli spielte nicht mit.

Unterdessen fielen die spielfreien Franzosen durch den Heimsieg Islands gegen Schottland in ihrer Qualifikationsgruppe zur U21-Europameisterschaft auf den dritten Platz zurück. Ein Sieg gegen Nordirland am Dienstag sollte realistisch sein, allerdings sind die Franzosen abhängig von Punktverlusten Islands (gegen Ukraine) und Mazedonien (gegen Schottland). Jean-Philippe Gbamin ist nicht nominiert.

Bote Baku von der Mainzer U19 schließlich schoss beim 5:0 der deutschen Nachwuchsauswahl gegen Gibraltar zwei Jokertore. Und die U20-Nationalmannschaft kam mit einem 1:0 gegen die USA in ihr Privatturnier in England, der Mainzer U23-Stammtorwart Florian Müller war dabei.

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