Kilometerfresser, Löcherstopfer, Antreiber und Spielgestalter

Christian Karn. Mainz.
Julian Baumgartlinger mag weniger prominent sein als sein Nebenmann von Bayern München; in der österreichischen Nationalmannschaft ist der Profi des FSV Mainz 05 derzeit ebenso unverzichtbar wie David Alaba. Beim 2:1 der Österreicher im EM-Qualifikationsspiel in Moldawien half der 05er, in Unterzahl die knappe Führung zu verteidigen.

Gegen Moldawien Sieger in Unterzahl: der österreichische Nationalspieler Julian Baumgartlinger. Foto: imagoDie österreichische Nationalmannschaft mit Julian Baumgartlinger vom FSV Mainz 05 ist gut in die EM-Qualifikation gestartet. Nach dem 1:1 gegen Schweden zum Qualifikationsauftakt gewannen die Österreicher nun 2:1 in Moldawien; damit stehen sie punktgleich hinter Tabellenführer Russland (4:0 gegen Liechtenstein, 1:1 in Schweden) und Montenegro (2:0 gegen Moldawien, 0:0 in Liechtenstein) auf dem dritten Platz der Gruppe G. 

Baumgartlinger lief in Chisinau in einem nahezu komplett aus Auslandsprofis bestehenden Team auf. Sieben Mann spielen in der deutschen Bundesliga, einer in der Ukraine, einer in England, einer in Australien. Marcel Sabitzer, der im Sommer unter Umgehung einer Vertragsklausel nach Leipzig wechselte und sofort konzernintern nach Salzburg ausgeliehen wurde, war der einzige Spieler aus der österreichischen Liga.

Der auffälligste Mann im österreichischen Trikot: Mittelstürmer Marc Janko, der seit Sommer als Nachfolger von Alessandro Del Piero beim Sydney FC spielt. Janko holte den Elfmeter heraus, den David Alaba in der 12. Minute zum 1:0 verwandelte, und traf nach dem Ausgleich, einem vom Bremer Sebastian Prödl verschuldeten Foulelfmeter in der 27. Minute, nach einem Eckball des Ex-Mainzers Christian Fuchs zum 2:1 (51.). Das verwalteten die Österreicher bis zum Schlusspfiff - am Ende in Unterzahl, denn Janko war nach einer Schubserei vom Platz geflogen (80.). "Für mich war das keine Rote Karte", sagte der Stürmer. "Der Torhüter hat sich theatralisch fallengelassen." Und jener kommentierte: "Wenn man so einen Fehler macht, wird man bestraft. Wir können trotzdem Freunde bleiben."

Baumgartlinger, defensiv konsequent, offensiv weniger effizient, spielte die kompletten 90 Minuten in der alten Position in Mainz: "Im Nationalteam habe ich eine defensivere Rolle hinter Alaba", sagte der 05er dem Österreichischen Rundfunk, der ihn als "Kilometerfresser, Löcherstopfer, Antreiber und Spielgestalter zugleich" charakterisierte. "In Mainz habe ich eine offensivere Position", erklärte Baumgartlinger, "soll auch in Strafraumnähe und zum Abschluss kommen." Vor seiner langen Verletzung, die ihn fast die komplette vergangene Saison kostete, war der Mittelfeldspieler auch im Verein eher defensiv orientiert.

Am Sonntag (18 Uhr) spielen die Österreicher in Wien gegen Montenegro. "Passt die Leistung, passen auch die Punkte", sagte Baumgartlinger.